Venezuela

Venezuela liegt im äußersten Norden Südamerikas. Das Land grenzt an Brasilien, Kolumbien und Guayana. Venezuela liegt an der Karibikküste und mehrere Inseln, die insbesondere für den Tourismus von großer Bedeutung sind, zählen zum Staatsgebiet Venezuelas. Venezuela hat eine Fläche von mehr als 900.000 Quadratkilometern und eine Einwohnerzahl von 28 Millionen. Betrachtet man die Einwohnerzahl, ist Venezuela das sechstgrößte Land Lateinamerikas, wenn man die Fläche betrachtet, liegt Venezuela an siebter stelle.

Das Gebiet Venezuelas kann in vier geografische Gebiete eingeteilt werden. Die Gebirgskette der Anden läuft in Venezuela aus. Das Gebirge zieht sich von der kolumbianischen Grenze bis hin zur Karibikküste. Der höchste Berg Venezuelas, der Pico Bolívar mit einer Höhe von 4981 Metern liegt in diesem Gebiet. Nordwestlich davon befindet sich das Maracaíbotiefland. Diese Tiefebene ist im Süden, Osten und Westen von Gebirgszügen umgeben, im Norden grenzt sie an das Karibische Meer. Im Zentrum der Ebene liegt der Maracaíbosee, der über eine Meerenge mit dem Meer verbunden ist. Im Südwesten der Anden breitet sich die Orinoco-Ebene aus. Diese ist nach dem Orinocofluss benannt. Dieser ist trotz seiner relativ geringen Länge hinsichtlich der Wasserführung der viertgrößte Fluss der Welt. Noch weiter im Südosten erhebt sich das Guyanahochland. Dieses ist von massiven Tafelbergen und zerklüfteten Tälern geprägt. In diesem Gebiet befindet sich der höchste Wasserfall der Erde, der Salto Angel.

Die Geschichte Venezuelas

Vor der Ankunft der Spanier lebten im Gebiet Venezuelas verschiedene indianische Gruppen. Darunter befanden sich nomadische Stämme sowie sesshafte Fischer und Bauern. Christoph Kolumbus ging 1498 das erste Mal in Venezuela an Land. Das war auch das erste Mal, dass die europäischen Entdecker das amerikanische Festland betraten. Die erste feste spanische Siedlung entstand 1522, die heutige Hauptstadt Caracas wurde 1567 gegründet. Da die Goldfunde in Venezuela nur mäßig ausfielen, wurde dieses Gebiet zunächst nicht vollständig erobert. Das Gebiet wurde lediglich für die Landwirtschaft genutzt, was dazu führte, dass viele Sklaven aus Afrika nach Venezuela gebracht wurden. Diese prägen bis heute die venezolanische Kultur.

Nachdem bereits Ende des achtzehnten Jahrhunderts und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts verschiedene Aufstände durch die Spanier niedergeschlagen wurden, sagte sich Venezuela 1810 endgültig von Spanien los.Jedoch benötigten die Aufständischen noch mehr als ein Jahrzehnt, bis sie die Unabhängigkeit endgültig erreichten. Die Unabhängigkeitskriege sind eng mit dem Namen Simón Bolívar verbunden. Dieser war bereits an der ersten Junta beteiligt, die 1810 zwar noch nicht die Unabhängigkeit, aber immerhin die Selbstverwaltung Venezuelas verkündete. Während in Argentinien General San Martín bereits erfolgreich die spanische Herrschaft in Südamerika bekämpfte, begann der erste Versuch in Venezuela mit einer Niederlage. Unter der Führung des Revolutionärs Francisco de Miranda wurden die venezolanischen Truppen nach ihrem Aufstand 1811 geschlagen. Bolívar ging zunächst nach Kolumbien ins Exil, um von dort aus den zweiten venezolanischen Unabhängigkeitskrieg vorzubereiten. Doch auch der zweite Versuch scheiterte nach anfänglichen Erfolgen. Erst der dritte Anlauf, der 1818 unternommen wurde, brachte schließlich den gewünschten Erfolg.

Nachdem die Truppen Bolívars die Spanier vertreiben konnten, wurde das Gebiet Venezuelas in die Republik Großkolumbien eingegliedert. Kurz nach dem Tod Bolívars sagte sich Venezuela jedoch aus dieser Republik los und wurde schließlich eigenständig.

Im neunzehnten Jahrhundert fanden zwar immer wieder Wahlen statt, doch kann man in dieser Zeit noch nicht von Demokratie in Venezuela reden. Häufige Militärputsche und Aufstände führten zu vielen Regierungswechseln. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Venezuela diktatorisch regiert. In den 40er Jahren kam es dann zu einem Demokratisierungsprozess, der schließlich 1947 zu den ersten demokratischen Wahlen in Venezuela führte. Jedoch kam es bereits 1948 wieder zu einer Militärregierung, die das Land bis 1958 regierte. Da sich ab den siebziger Jahren die wirtschaftliche Situation aufgrund der steigenden Erdölpreise stark verbesserte, konnte sich ab dieser Zeit eine stabile Demokratie entwickeln. Mit dem Verfall des Erdölpreises in den achtziger Jahren wurde das Land wieder instabil und es kam zu mehreren Putschversuchen. 1998 gelangte Hugo Chavez ins Präsidentenamt. Trotz vieler kritischer Stimmen und auch eines Putschversuchs zum Trotz, konnte er seitdem im Amt bleiben und unterzog Venezuela tief greifenden Reformen.

Wirtschaft und Politik in Venezuela

Venezuela ist eine präsidiale Republik. Neben der starken Exekutive sind im venezolanischen politischen System auch starke direktdemokratische Elemente enthalten. Das bedeutet, dass viele politische Fragen per Volksentscheid gelöst werden. Die Verfassungsänderung, mit der Chavez die Verfassung der Bolivarischen Republik legitimierte, wurde per Volksentscheid durchgesetzt.

Diese so genannte Bolivarische Verfassung ist die Grundlage des aktuellen politischen Systems Venezuelas. Sie verbietet unter anderem die Privatisierung des Erdölsektors und erlaubt, ungenutzten Großgrundbesitz zwangsweise zu reaktivieren.

Zu den größten Problemen Venezuelas zählt die hohe Kriminalitätsrate, die sich seit dem Amtsantritt von Chavez verdoppelt hat, obwohl sie sich bereits davor auf einem sehr hohen Niveau befand. Auch der Konflikt mit der Opposition, bei dem es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt, belastet die Demokratie in Venezuela.

Dazu kommen wirtschaftliche Probleme. Venezuela lebt in erster Linie vom Erdöl. Etwa 80 Prozent der Exporte bestehen aus Erdöl. Veraltete Förderungsanlagen, ein hoher Verbrauch im Inland zu vergünstigten Bezügen und vergünstigte Lieferungen in ideologisch nahestehende Länder führten dazu, dass Venezuela große wirtschaftliche Probleme zu bewältigen hat. 2010 ging die Wirtschaftsleistung Venezuelas zurück, während die übrigen Staaten Lateinamerikas teilweise ein beträchtliches Wachstum verzeichnen konnten.

Kultur und Tourismus in Venezuela

Die Kultur Venezuelas ist durch eine große Vielfalt geprägt. Beinahe 70 Prozent der Bevölkerung sind Mestizen, das heißt, dass unter ihren Vorfahren sowohl Europäer als auch amerikanische Ureinwohner zu finden sind. Dazu kommt eine Gruppe afrikanischstämmiger Bevölkerung, die etwa 10 Prozent ausmacht. Die Nachfahren der Indianerstämme machen nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung aus. Trotzdem sind beispielsweise in der Verfassung die mehr als dreißig verschiedenen indigenen Sprachen geschützt.

Diese ethnische Vielfalt schlägt sich beispielsweise in der venezolanischen Musik nieder. Eine der beliebtesten Musikstile ist der Joropo, der Elemente der verschiedenen Kulturen miteinander vereint und eine eigene, typisch venezolanische Musikrichtung erschaffen hat.

Besucher, die das Land besuchen, sind von dieser kulturellen Vielfalt begeistert. Eine Reise durch Venezuela fasziniert außerdem durch die große landschaftliche Vielfalt. In Venezuela findet der Urlauber viele karibische Strände im Norden und hohe schneebedeckte Berge im Südwesten. Die Isla de Margarita, die im Nordosten der Küste vorgelagert ist, zählt zu einer der beliebtesten Urlaubsregionen Südamerikas.