Uruguay

Uruguay

Uruguay ist das kleinste spanischsprachige Land Südamerikas. Das einzige Land auf dem Subkontinent, das noch kleiner ist, ist Suriname. Uruguay hat eine Fläche von 177,000 Quadratkilometern und etwa 3,5 Millionen Einwohner. Die größte Stadt des Landes, die gleichzeitig die Hauptstadt ist, ist Montevideo. In Montevideo lebt knapp die Hälfte der gesamten Einwohner. Die Nachbarländer Uruguays sind Brasilien in Norden und Argentinien im Westen. Im Südosten grenzt Uruguay an den Atlantischen Ozean.

Die Geschichte Uruguays

Vor der Ankunft der Spanier war das Gebiet des heutigen Uruguays von nomadisch lebenden Ureinwohnern besiedelt. Die Nachkommen dieser Ureinwohner konnten jedoch nicht überleben. Die Spanier eroberten das Land 1516. Das Gebiet war Austragungsort vieler Streitigkeiten zwischen spanischen und portugiesischen Eroberern und war zwischen beiden Kolonialmächten umstritten. Daher konnten nur schwer dauerhafte Siedlungen errichtet werden. Montevideo wurde erst 1726 gegründet. Während der Kolonialzeit war das Gebiet Uruguays zunächst Teil des Vizekönigtums Peru, als sich später das Vizekönigtum Río de la Plata abspaltete, umfasste dies auch das Gebiet Uruguays.

Als in Buenos Aires die Unabhängigkeit verkündet wurde, formierte sich der spanische Widerstand zunächst in Montevideo. General Artigas formte ein Heer aus der Landbevölkerung des heutigen Uruguays. Diese belagerten zusammen mit Verbänden, die von Buenos Aires aus befehligt wurden, die Spanier in Montevideo. Während die Gruppe um Artigas ein System unabhängiger Provinzen und die Abschaffung der exklusiven Handelsrechte der Stadt Buenos Aires forderte, wurde diese Idee von der dortigen Regierung strikt abgelehnt. So zog sich Artigas von der Belagerung zurück. Die argentinischen Truppen konnten dennoch die Spanier vertreiben.

Artigas begann nun den Kampf gegen die argentinischen Truppen und konnte diese bald aus Montevideo vertreiben. Er versuchte ein Bündnis mit den argentinischen Provinzen des Hinterlands einzugehen, die ebenfalls unter der Vorherrschaft von Buenos Aires litten. Dieses revolutionäre Ansinnen wurde jedoch weder von Argentinien noch von Brasilien toleriert. So wurde das heutige Uruguay von brasilianischen Truppen eingenommen und Brasilien angegliedert. 1825 verstärkte sich jedoch der Widerstand gegen die brasilianische Besatzung und am 25. August dieses Jahres wurde die Unabhängigkeit erklärt. Doch hielten die Kämpfe noch längere Zeit an. Erst als britische Handelsinteressen im Gebiet des Río de la Plata tangiert wurden, kam es zu einem Friedensschluss. Denn unter englischem Druck wurde 1828 der Frieden von Rio de Janeiro zwischen Argentinien und Brasilien geschlossen, in dem, ohne dass Uruguay an den Verhandlungen beteiligt gewesen wäre, dieses trotzdem als unabhängiger Staat anerkannt wurde.

Wie in den meisten südamerikanischen Ländern war das neunzehnte Jahrhundert auch in Uruguay von vielen gewaltsamen Umstürzen geprägt. Dazu kamen verschiedene Kriege mit den Nachbarstaaten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bildete sich jedoch in Uruguay unter der Führung des gewählten Präsidenten José Batlle y Ordóñez ein demokratischer Sozialstaat heraus, der viele gesellschaftliche Errungenschaften umsetzt, die in den meisten europäischen Staaten erst deutlich später erreicht wurden. Doch konnten diese demokratischen Errungenschaften nicht dauerhaft gefestigt werden. Nach großen wirtschaftlichen Problemen kam es 1973 zum Militärputsch und anschließend zu einer blutigen Militärherrschaft. Erst 1985 fand Uruguay zur Demokratie zurück.

Das politische System Uruguays

Uruguay ist ein demokratischer Staat, an dessen Spitze ein in direkter Wahl gewählter Präsident steht. Dieser ist gleichzeitig Regierungschef. Die Legislative besteht aus einem in zwei Kammern gegliederten Parlament. Über viele Jahrzehnte hinweg hatte Uruguay ein Zweiparteiensystem. Dies bestand aus der liberalen Partei Partido Colorado (rote Partei) und der konservativen Partei Partido Nacional (Nationale Partei), die sich früher Partido Blanco (weiße Partei) nannte.

Erst im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte konnte sich eine dritte Kraft entwickeln. Das Parteibündnis Frente Amplio (Breite Front), das aus vielen verschiedenen Parteien aus dem linksgerichteten Lager besteht, konnte immer größere Erfolge feiern. 2004 wurde mit dem Frente-Amplio-Kandidaten Tabaré Vázquez zum ersten Mal ein Präsident gewählt, der nicht zu einer der beiden traditionellen Parteien gehört. In der darauf folgenden Wahl konnte die Partei ihre Mehrheit verteidigen und so wurde José Mujica der zweite Präsident des Linksbündnisses.

Uruguay bezeichnet sich selbst als friedlichen Staat und unterhält nur ein kleines Heer, das vorwiegend der Landesverteidigung dient, das sich jedoch auch an Friedensmissionen der Vereinten Nationen beteiligt. Uruguay ist Mitglied in vielen internationalen Organisationen. Für Uruguay besonders wichtig ist die Mitgliedschaft im MERCOSUR, dem Handelsbündnis, dem außerdem noch Argentinien, Brasilien, Paraguay und Venezuela angehören.

Kultur in Uruguay

Die Bevölkerung Uruguays stammt zum größten Teil von europäischen Einwohnern ab. Den größten Teil machen hierbei spanischstämmige Auswanderer aus, gefolgt von den Italienern. Auch deutsche Auswanderer wählten Uruguay als Ziel, sodass es auch einige Siedlungen gibt, in denen deutsches Kulturgut bewahrt wird. Neben den europäischstämmigen Bewohnern gibt es eine Gruppe von etwa vier Prozent, die Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven sind. Die Ureinwohner dieses Gebiets wurden im neunzehnten Jahrhundert beinahe vollständig ausgerottet. Die wenigen Abkömmlinge, die überleben konnten, übernahmen weitestgehend die Kultur der Europäer und mischten sich immer mehr mit diesen. Die Abkömmlinge der indigenen Kulturen, die sich heute in Uruguay befinden, kamen zum überwiegenden Teil durch Migration aus Ländern wie Peru, Bolivien und Paraguay.

Die Kultur Uruguays wird daher maßgeblich durch europäische Einflüsse bestimmt. Jedoch sind auch einige Einflüsse aus den Nachbarländern bemerkbar. Tango und Mate sind zum Beispiel in Uruguay sehr verbreitet, auch wenn deren Ursprung wohl auf Argentinien und im Fall des Mates auch auf Paraguay zurückzuführen ist.