Chile

Chile ist sicherlich eines der Länder Lateinamerikas, das einen relativ hohen Bekanntheitsgrad hat. Insbesondere die jüngere Geschichte des Landes sorgte für viel Aufmerksamkeit. Das sozialistische Projekt des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende beispielsweise dient auch heute noch vielen Personen als Vorbild für eine neue politische Ordnung. Auch die Niederschlagung dieser politischen Bewegung und die daraufhin folgende Militärdiktatur von Augusto Pinochet, die viele Jahre andauerte, ist vielen Menschen bekannt. Nicht zuletzt ist Chile auch eines der beliebtesten Urlaubsziele in Lateinamerika. Das Land bietet unberührte Landschaften im Hochgebirge der Anden und eine mehrere Tausend Kilometer lange Küste. Die Landschaftsformen sind sehr vielfältig, sie reichen von dicht bewaldeten Berglandschaften im Süden bis hin zu einer lebensfeindlichen Wüstenlandschaft im Norden. Diese landschaftliche Vielfalt gepaart mit der interessanten Kultur des Landes sorgt dafür, dass Chile Jahr für Jahr viele Tausend Urlauber anzieht.

Wo liegt Chile?

Chile ist ein Land, das auf der Landkarte durch seine ungewohnte Form ins Auge sticht. In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich das Land über 4275 Kilometer. In Ost-West Richtung beträgt die maximale Ausdehnung des Landes jedoch nur 180 Kilometer. Das bedeutet, dass obwohl die Fläche des Landes nur relativ klein ist, doch oftmals riesige Strecken zurückgelegt werden müssen, um von einem Ort an den nächsten zu gelangen. Gleichzeitig sorgt die große Nord-Süd-Ausdehnung dafür, dass das Land über viele verschiedene Klimazonen verfügt und so dem Besucher eine große Vielfalt bietet. Chile hat nur drei Nachbarländer. Das sind Argentinien, Bolivien und Peru. Die gesamte Westgrenze des Landes stellt der Pazifische Ozean dar.

Die Landschaft Chiles wird von zwei verschiedenen Elementen geprägt. Im Westen beherrscht die Küste des Pazifischen Ozeans das Bild, im Osten ist das Land durch das Hochgebirge der Anden geprägt. Im Süden ist das Klima kalt und feucht, riesige Wälder bedecken das Land. Im Norden hingegen wird es immer trockener und wärmer, bis sich die Landschaft schließlich im äußersten Norden in ein Wüstengebiet wandelt.

Die Geschichte Chiles

Vor der Ankunft der Spanier gehörte der Norden Chiles zum Reich der Inkas. Der Süden Chiles wurde von verschiedenen Stämmen bewohnt, von denen der bedeutendste wohl der Stamm der Mapuche war. Mit der Ankunft der Spanier wurde die Region offiziell Teil des Vizekönigtums Peru. Jedoch konnten die Spanier über einen langen Zeitraum hinweg das Gebiet nicht kontrollieren. Das lag zum einen am starken militärischen Widerstand der Mapuche und zum anderen auch am fehlenden Interesse. Da im Gebiet des heutigen Chiles nur wenig Gold und Silber gefunden wurde, erachteten die Spanier den Aufwand, den die Kontrolle über das Gebiet bedeutet hätte, als zu groß. Die Eingeborenen zerstörten die wenigen Festungen, die im Süden Chiles erbaut wurden, meist innerhalb kürzester Zeit.

1641 kam es in Chile zu einem geschichtlich einmaligen Vorgang. Im Vertrag von Quillín erkannten die Spanier eine unabhängige Mapuche-Nation an. Das ist das einzige Mal in der Geschichte, dass die Spanier eine Gruppe von Eingeborenen offiziell als Nation anerkannten.

Die Unabhängigkeitsbestrebungen Chiles begannen 1810, doch zunächst konnten die Spanier ihre Herrschaft sichern. Erst 1817 gelang es einem argentinisch-chilenischen Heer unter Führung des Generals José de San Martín in der Schlacht von Chacabuco, die Spanier entscheidend zu schlagen. 1818 schließlich gaben sich die Spanier endgültig geschlagen und Chile erreichte die Unabhängigkeit.

Die erste Zeit der Unabhängigkeit war durch gewaltsame Umstürze geprägt. Die Regierungen konnten sich nur wenige Jahre halten, ehe sie mit gewaltsamen Mitteln verdrängt wurden. Die ständigen Umstürze blieben der chilenischen Geschichte bis in die Neuzeit hinein erhalten. Besonders bekannt ist der Militärputsch unter General Augusto Pinochet, der mit äußerst gewalttätigen Mitteln die Regierung des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende stürzte. Chile fand erst 1988 als eines der letzten südamerikanischen Länder zurück zur Demokratie. Nach mehreren Regierungswechseln kann das Land heute als stabile Demokratie bezeichnet werden.

Das politische System Chiles

Wie die meisten Systeme Lateinamerikas ist auch das institutionelle Gefüge Chiles am Vorbild der Vereinigten Staaten orientiert. Die wichtigste Person ist der Präsident, der zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef ist. Die Vollmachten des Präsidenten sind in Chile sehr umfassend, beispielsweise kann der Präsident Dekrete ohne die Mitwirkung des Parlaments erlassen, die Gesetzeskraft haben. Das Parlament ist in zwei Kammern, den Senat und das Abgeordnetenhaus, aufgeteilt. Jedoch werden die Befugnisse des Parlaments durch die weitreichenden Rechte des Präsidenten eingeschränkt.

Bevor die Militärregierung die Macht abtrat, installierte sie viele Mechanismen im politischen System, die dieses vor demokratischen Veränderungen schützen und insbesondere die Militärs vor Strafverfolgung bewahren sollte.

Kultur und Tourismus in Chile

Da die Spanier das Gebiet Chiles nie vollständig erobern konnten und auch nach der Gründung der Republik der Süden noch über einen weiten Zeitraum hinweg unabhängig blieb, blieb dort die präkolumbische Kultur erhalten wie an fast keinem anderen Ort Lateinamerikas. Sowohl unter ethnischen, als auch unter kulturellen Gesichtspunkten sind weite Teile des Südens Chiles durch die Mapuche geprägt. Auch im Norden im Gebiet der Atacama-Wüste konnten sich viele Bräuche erhalten, da die Spanier dieser lebensfeindlichen Wüste nur wenig Beachtung schenkten. Viele Besucher aus europäischen Ländern suchen gerade den Kontakt zur Kultur der ursprünglichen Völker. Chile bietet den Besuchern einen einmaligen Einblick in präkolumbische Bräuche und Kulturen.

Doch nicht nur die Kultur, auch die einmalige Landschaft Chiles ziehen die Besucher an. Eine Reise durch Chile umfast die endlosen Wälder des Südens, die hohen Gipfel der Anden, die endlose Küste und schließlich die Abgeschiedenheit der Wüste im Norden. All diese Landschaftsformen sind einmalig und faszinieren viele Besucher.