Argentinien

Argentinien liegt im äußersten Süden Südamerikas. Das Land zeichnet sich durch eine große Fläche aus, von denen weite Teile jedoch menschenleer sind. Die Fläche des Landes ist etwa achtmal so groß wie Deutschland, die Bevölkerung beträgt jedoch nur knapp die Hälfte. Dazu kommt, dass fast die Hälfte der Einwohner Argentiniens in der Hauptstadt und der Provinz Buenos Aires wohnt. Der riesige Rest des Landes ist nur äußerst dünn besiedelt. Argentinien grenzt im Westen an Chile, im Norden an Bolivien, Paraguay und Brasilien und im Osten an Uruguay. Der südöstliche Landesteil grenzt an den Atlantischen Ozean.

Geschichte Argentiniens

Argentinien wurde 1810 als erstes Land Lateinamerikas unabhängig. Davor war das Gebiet der wesentliche Bestandteil des Vizekönigtums Río de la Plata. Das erste Jahrhundert nach der Unabhängigkeit war durch blutige Unruhen und häufige Regierungswechsel gekennzeichnet. Wahlbetrug war in dem oligarchischen System an der Tagesordnung. Das Einzige, was allen Regierungen gemein war, war die undemokratische Gesinnung.

1912 wurde schließlich das freie Wahlrecht unter dem Präsidenten Roque Sáenz Peña eingeführt. Der erste demokratisch gewählte Präsident war Hipólito Yrigoyen, der 1916 sein Amt antrat. Doch die Zeit der Demokratie war nur kurz. Bereits 1930 beendete ein Militärputsch die demokratische Phase. Ein Minister der Militärregierung, Juan Domingo Perón sollte schließlich zu einem der bedeutendsten Politiker des Landes werden. 1946 kam es zu demokratischen Wahlen, die Perón gewann. Doch fanden auch unter der Regierung Peróns viele Dinge statt, die nach europäischen Maßstäben als äußerst undemokratisch bezeichnet werden müssen. Brutale Verfolgung politischer Gegner und die weitreichende Einschränkung demokratischer Grundrechte bezeugen die undemokratische Gesinnung seiner Regierung.

Danach wechselten sich Militärputsche mit demokratischen Regierungen ab. 1983 kam es schließlich zur bisher endgültigen Redemokratisierung. Das wirtschaftliche Versagen der Militärregierung und der verlorene Malvinaskrieg (die englische Bezeichnung für die Malvinasinseln lautet Falkland Islands, weshalb der Krieg auch unter dem Namen Falklandkrieg bekannt ist) gegen Großbritannien sorgten dafür, dass die Militärregierung ohne großen Widerstand abtreten musste.

Seitdem haben sich in Argentinien viele Präsidenten unterschiedlicher Parteien abgewechselt, was als Zeichen einer stabilen Demokratie gewertet werden kann. Trotzdem bleiben bis heute viele demokratische Defizite bestehen, die das politische System Argentiniens auf dem Weg zu einer vollständigen Demokratie noch überwinden muss.

Argentinien ist in 23 Provinzen gegliedert. Dazu kommt der unabhängige Hauptstadtbezirk, der keiner Provinz angehört. Obwohl Argentinien föderalistisch gegliedert ist, ist die Rolle der Provinzregierungen nicht ganz so stark wie in anderen föderalistischen Systemen. Argentinien ist eine präsidentielle Republik. Das bedeutet, dass der Präsident als Staatsoberhaupt eine sehr große Machtfülle innehat, da er sowohl Staats- als auch Regierungschef ist. Das Parlament spaltet sich nach US-amerikanischem Vorbild in zwei verschiedene Kammern, den Senat und den Kongress. Jedoch ist die Machtfülle beider Kammern relativ bescheiden, da dem Präsidenten sehr große Freiheiten eingeräumt werden. Die beiden Parlamentskammern sind insbesondere dann wichtig, wenn Verfassungsänderungen geplant sind, da diese in beiden Kammern bewilligt werden müssen.

Die Parteienlandschaft in Argentinien ist sehr unübersichtlich. Insbesondere ist es sehr schwierig, die Parteien nach einem Rechts-links-Schema zu ordnen. Das liegt daran, dass diese Begriffe in Argentinien selbst eine andere Bedeutung erfahren, als in den europäischen Ländern. So kann manche Partei, die sich selbst als linksgerichtet bezeichnet, nach europäischen Maßstäben eher dem rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet werden. Die klassischen Parteien sind die UCR (Unión Cívica Radical) und die PJ (Partido Justicialista), die Peronistische Partei. Die UCR war die treibende Kraft des ersten Demokratisierungsprozesses in Argentinien. Über ein Jahrhundert hinweg war sie eine bedeutende politische Kraft im Land, durch das mangelhafte Krisenmanagement der letzten UCR-Präsidenten ist sie jedoch beinahe in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Erst in der jüngeren Vergangenheit gelang es der UCR wieder, die Politik des Landes stärker zu prägen. Die PJ hingegen war zu Beginn des neuen Jahrtausends so erfolgreich, dass die einzelnen Gruppierungen sich gegenseitig Konkurrenz machten. So ist es beispielsweise üblich, dass bei Präsidentschaftswahlen verschiedene PJ-Gruppierungen eigene Kandidaten aufstellen, die für ein eigens für die Wahl gegründetes Bündnis antreten.

Kultur in Argentinien

Argentinien ist ein Einwanderungsland. Die Mehrheit der Bevölkerung stammt von europäischen Einwanderern ab. Die größte Gruppe stellen dabei die Italiener dar, gefolgt von den Spaniern. Die Kultur Argentiniens ist daher in weiten Teilen von den Traditionen Südeuropas geprägt. Jedoch haben sich diese Traditionen mit den Gebräuchen vor Ort gemischt, sodass eine ganz eigene Kultur entstand. In einigen Teilen des Landes haben sich auch bis heute indigene Bräuche erhalten. Die Hauptstadt Buenos Aires und die umliegenden Gebiete sind fast ausschließlich von der europäischen Kultur geprägt. Eines der bekanntesten Kulturgüter Argentiniens, der Tango, stammt aus diesem Kulturkreis. Die indigenen Bräuche sind hingegen umso stärker, je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt. Die Gauchos, die ebenfalls in Deutschland bekannt sind, stellen eine Mischung der indigenen und europäischen Kulturen dar. Dabei sind die indigenen Einflüsse regional sehr unterschiedlich. Der Nordwesten ist durch die Abkömmlinge der Inka geprägt. Im Süden hingegen waren nomadisch lebende Stämme beheimatet, deren Bräuche sich von denen der Inka sehr deutlich unterschieden.

Wenn eine Reise durch Argentinien geplant wird, kann der Besucher viele verschiedene Landesteile besichtigen, die sich nicht nur durch verschiedene Landschaften und unterschiedliches Klima auszeichnen, sondern von denen auch jeder einzelne seine eigene faszinierende Kultur hat.