Ich mag meine Mittagspause. Ich verbringe sie mit mir selbst auf einer Parkbank und beobachte Menschen. Vorzugsweise Touristen, in Celle bietet sich das irgendwie an. Manchmal rede ich auch mit ihnen; was täte ich lieber, als Ratschläge zu verteilen? Man sieht es mir wohl mittlerweile an, das leicht Klugscheißerische.
So kam es gestern, dass ich vor der Stadtkirche saß, die (Achtung, Insider-Schmunzler) Sichtachse zum Schloss auf mich wirken ließ, ein Fischbrötchen futterte, dabei liebevoll die Sauce auf meiner Jeans verteilte. Eine nicht ganz jungebliebene und auch sonst alles andere als rüstige Dame setzte sich zu mir. Sah mich an; Ich sah sie an.
Das war der Fehler.
Gibt es hier gar keine Cafés? Ich hätte die Klappe halten sollen. Deutliches Warnsignal: Elf und elfeinhalb Meter entfernt – jeweils ein Café. Ich hätte die Klappe halten sollen. Hab ich natürlich nicht, ich erklärte ihr den Weg zu den nächsten Cafés – war ja nicht schwer, lagen schließlich auf der anderen Seite der Sichtachse – und dann noch den zum angeblich besten Café der Stadt. Pflaumenkuchen wollte sie.
Gibt es hier soetwas gar nicht? Pflaumenkuchen gab es gegenüber nicht, elf Meter entfernt nicht, elfeinhalb Meter entfernt nicht. Wie das denn sein kann? Ich habe wirklich keine Ahnung, ob es hier soetwas gar nicht gibt und es ist mir auch wirklich ziemlich egal. Schwanger konnte sie nicht sein, zumindest hoffte ich das. Aber für Pflaumenkuchen mögen Rentner auch ihre ganz eigenen Beweggründe haben, man verzeihe mir die Bilder, die diese Andeutung erzeugt. Das angeblich beste Café der Stadt jedenfalls, das würde sie ja wohl nicht schaffen, mit ihrem Knie und so und ich widmete mich wieder meinem Jeansfischsaucenmodedesign aber das war ihr auch wirklich ziemlich egal. Das es soetwas in Celle nicht gab? Und das war ja alles viel zu weitläufig hier. Zu anstrengend. Darauf erst einmal eine rauchen, ob mich das störe?
Glaubt ihr wirklich, das hat sie gefragt?
Natürlich sind ältere Menschen die erfahrensten Autofahrer, die es gibt. Bringt das Leben ja meistens auch so mit sich. Aber was nutzt Erfahrung, wenn ein Mensch körperlich nicht mehr in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen? Und was spricht dagegen, diese körperlichen Fähigkeiten überprüfen zu lassen?
Überschriften finden ist echt ganz schön schwierig. Wie habe ich andere immer beneidet. “Nimm doch einfach nen Dreiklang”, oder “da muss ein Verb rein” – “egal wie”. Na gut, ich überleg nochmal… Soviel steht fest, die BILD wird mich vermutlich niemals einstellen. Mit guten Überschriften gewinnt man nicht nur Leser, man kann auch ganze Wahlen gewinnen. Mit der richtigen Überschrift braucht man nicht mal einen aktuellen Aufmacher, hat man erstmal zwei bis drei wirklich gute Titel zu einem Thema gefunden, kann man denselben Text gut und gerne alle paar Wochen mal bringen. Praktisch, sowas.