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	<title>Südnorddeutsche. &#187; Markt</title>
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		<title>Perfectonomics.</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 09:04:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Unternehmer hat es schwer in einer neoklassischen Modellwelt. Bei Joseph Alois Schumpeter verstanden als einer, der den inneren Drang verspürt, sich zu entwickeln, sein Umfeld zu gestalten, wird ihm in der neoklassischen Ökonomie blanker Eigennutz unterstellt. Und er, der die Wirtschaft seiner Zeit vorantreiben und sogar neues Wachstum anregen kann, verliert unter den Annahmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Unternehmer hat es schwer in einer neoklassischen Modellwelt. Bei Joseph Alois Schumpeter verstanden als einer, der den inneren Drang verspürt, sich zu entwickeln, sein Umfeld zu gestalten, wird ihm in der neoklassischen Ökonomie blanker Eigennutz unterstellt. Und er, der die Wirtschaft seiner Zeit vorantreiben und sogar neues Wachstum anregen kann, verliert unter den Annahmen der Theoretiker jede Funktion. Mark Blaug stellt, mit Bezug zu Humberto Barreto, fest:</p>
<p style="text-align: right;"><em>„We can have either entrepreneurship or the<br />
neoclassical theory of the firm but we cannot have both.</em><em>“</em></p>
<p><em><span id="more-749"></span><br />
</em></p>
<p>Aber wie sollte diese Entscheidung zu treffen sein? Die Existenz von Unternehmern lässt sich empirisch belegen – ist also auch ökonomisch kaum zu verleugnen. Die neoklassische Theorie kann mittlerweile aber auch auf fast anderthalb Jahrhunderte – nicht ganz durchgängiger – Anerkennung zurückblicken.</p>
<p>Der Unternehmer bei Schumpeter wird auf ganz besondere Weise tätig – er setzt neue Kombinationen durch. Ob es sich um ein am Markt vollkommen neues Gut handelt, um einen neuen Markt für ein altes Gut, eine neue Herstellungsmethode, andere Rohstoffe oder einfach eine Umorganisation der eigenen Marktstellung – den Unternehmer zeichnet aus, diese Wege nicht (nur) zu ersinnen oder zu ermöglichen: Er beschreitet sie. So trennt Schumpeter den Unternehmer auch klar vom Kapitalisten, vom Verwalter und, weniger neu, vom Erfinder. Über diese betriebswirtschaftlichen Funktionen des Unternehmers geht Schumpeter jedoch hinaus, er spricht von „<em>Initiative, Autorität, Voraussicht</em>“. Eigenschaften, für die es „<em>wenig Betätigung im Automatismus eines ausbalancierten Kreislaufs</em>“ gebe. Hier macht Schumpeter selbst das Problem der neoklassischen Theorie und seines Unternehmer-Konzeptes klar: Für diesen Typus von Menschen gibt es in einer Gleichgewichtsökonomie keine Betätigung, sie funktioniert auch ohne Unternehmer.</p>
<p>Ohne Unternehmer funktioniert die Gleichgewichtsökonomie sogar wesentlich besser, als sie es mit solchen täte. Die Aufgabe des Unternehmers, wie Schumpeter ihn definiert, ist es schließlich mit Nichten, Ungleichgewichte aufzuspüren und für sich zu nutzen. Dies würde neben Israel Kirzners Unternehmertypus auch der rational handelnde <em>homo oeconomicus</em>, wie ihn die Neoklassik heranzieht, tun. Er, beziehungsweise im neoklassischen Modell sogar eine ganze Masse von seiner Art, würden dies sogar in unendlich kurzer Zeit tun. So betrachtet die Neoklassik Zeiträume, die so kurz sind, dass es sich nur noch um Zeitpunkte handelt. In der <em>ceteris paribus</em> Bedingung wird ein statisches Modell betrachtet, nichts verändert sich. Schon gar nicht kann es zu kognitiven Grenzen der Marktteilnehmer kommen – und wo doch, würden sich diese gegenseitig aufheben, die Macht der großen Zahl gilt uneingeschränkt. Jedes potentielle Ungleichgewicht würde unverzüglich aufgedeckt, genutzt und beseitigt werden. Tatsächlich kann es so gar nicht mehr zu der Entstehung von nennenswerten Ungleichgewichten kommen. Dabei handelt jedes Individuum aus purem Egoismus: Es will seinen Nutzen, im Zweifelsfall seinen Reichtum, vermehren. Der rationale <em>homo oeconomicus </em>steht dabei im totalen Gegensatz zu Schumpeters Unternehmer, der einem Leistungssportler oder Künstler gleich, aus seiner Persönlichkeit heraus jede Motivation zu wirtschaftlichem Handeln zieht und materielle Vorteile manchmal sogar nur noch als Nebenprodukt erringt.</p>
<p>Allerdings ist es die bereits beschriebene Eigenschaft des Unternehmers, neue Kombinationen durchzusetzen, mit der dieser die Volkswirtschaft nicht in ein Gleichgewicht, sondern vielmehr aus einem solchen heraus bringen kann. Dieses Ungleichgewicht lässt die Neoklassik jedoch gar nicht erst zu. Etwas Neues zu schaffen, zum Beispiel ein Gut, Rohstoffverwertung oder eine Produktionsmethode, hieße schließlich, dass dieses Neue zuvor nicht bekannt gewesen sei. Grundannahme ist jedoch, dass alle Marktteilnehmer vollständig informiert sind. Zu einer Notwendigkeit der Bewältigung einer „<em>ungewohnten Aufgabe</em>“, die Unternehmercharakter verlangt, könnte es also niemals kommen, weil es keine unkalkulierbare Unsicherheit gibt. Die Existenz derartiger Aufgaben ist also von vornherein ebenso ausgeschlossen, wie die Möglichkeit, dass ein Unternehmer ein am Markt vollkommen unbekanntes Gut einführt und den Konsumenten anträgt. In der Neoklassik hätte es entweder vorher schon einen Bedarf für dieses Gut gegeben, dann wäre er allerdings auch schon früher gedeckt worden und in der betrachteten Zeitpunkt-Welt vorhanden. Oder es gibt eben keinen Bedarf für dieses Gut, dann wird es auch niemand kaufen. Präferenzen sind exogen gegeben, eine systemimmanente, endogene Veränderung erscheint unvorstellbar, daher auch die Schaffung vollkommen neuer Bedürfnisse, wie sie zum Beispiel das Say’sche Theorem vorschlägt: <em>Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage</em>.</p>
<p>Eine scheinbare Lücke findet sich jedoch in dem Theoriegebäude aus vollständiger Information und gleichstarken Marktteilnehmern: Schumpeter unterstellt seinem Unternehmertypus vor allem, aus vorhandener Information – wie sie in der Neoklassik alle Marktteilnehmer gleichermaßen hätten – mehr machen zu können als andere. Es ist die Fähigkeit, Bekanntes auf neue Art zu durchdenken und zu bewerten, die den Unternehmer zum Führer seiner Zeit macht. Dies kann er auch, wenn er das gleiche Wissen wie alle anderen Marktteilnehmer hat, ihm reichen seine kognitiven Fähigkeiten. Die Existenz eines Einzigen, der mehr als <em>homo oeconomicus</em> ist, könnte also zu einer Innovation führen, die den vollkommenen Markt aus dem Gleichgewicht bringt – und Wachstum ermöglicht. Doch auch an dieser Stelle ist das neoklassische Modell abgesichert, denn ebenso wird die Existenz räumlicher Schranken dementiert – eine für die Entstehungszeit der Neoklassik sehr starke Annahme, gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert schließlich weder die elektronische Datenübermittlung noch regelmäßigen Flugverkehr. Trotzdem sollen die Märkte zu jeder Zeit in kürzester Zeit in der Lage sein, sich Veränderungen in Gütermengen, -qualitäten oder Zahlungsströmen anzupassen und damit Arbitrage-Gewinne unmöglich machen. Für den Schumpeter’schen Unternehmer heißt dies, dass auch die Erschließung neuer Märkte ihm keinen Vorteil verschafft, ebenso wie Vorteile der Produktdifferenzierung, wenn sie denn jemals aufträten, unverzüglich ausgeglichen werden würden.</p>
<p>Die Änderung seiner Marktstellung – zum Beispiel der Aufstieg zum Monopolisten, ist wiederrum per Annahme vollständiger Konkurrenz ausgeschlossen. Durch diese bleibt dem Unternehmer, der eigentlich nur noch ein Produzent ist, nicht einmal der Dreh an der Preisschraube gestattet, da er in der Masse der Anbieter am Markt als Preisnehmer fungiert.</p>
<p>Barreto und Blaugs These, dass sich Entrepreneurship und Neoklassik ausschließen, kann zugestimmt werden. Doch Schumpeter selbst macht schon in seinem „<em>Grundphänomen der wirtschaftlichen Entwicklung</em>“ klar: Sein Unternehmer ist gar nicht für die neoklassische Modellwelt erdacht worden. Schumpeter lehnte diese ab, da sie die Dynamik des Wirtschaftslebens nicht erklären konnte. Gleichzeitig erscheint es, als habe die Neoklassik hohe Schranken errichtet, um den Unternehmer als speziellen Akteur auszugrenzen. Entstanden ist ein in sich geschlossenes, vollständiges System, welches sich mit der Allgemeingültigkeit einer exakten Wissenschaft verteidigen will. Blaug nennt dies mit Rückgriff auf Debreu, Arrow und Hahn eine formalisierte Darstellung, die weder beschreibenden noch praktischen Wert hat und trifft, angesichts der vorangehenden Darstellungen, mit diesen Worten wohl den Kern. Auch bei tieferer Betrachtung wirkt Schumpeters Konzept offen und realitätsnah, empirische Belege lassen sich in der Wirtschaftsgeschichte, wie auch in der Gegenwart finden.</p>
<p>Die neoklassische Theorie bleibt dennoch vor allem in der Lehre bis auf weiteres dominierend. Und das auf der Basis eines Gleichgewichts, für dessen Existenz oder bloße Erreichbarkeit es laut Franklin Fischer keinen Beweis gibt. Kein Wunder, zu lehren und zu verteidigen ist eine in sich geschlossene Modellwelt schließlich uneingeschränkt. Sie muss sich nicht den Vorwurf der Fehlerhaftigkeit gefallen lassen, erhebt sie schließlich niemals den Anspruch, außerhalb der Grenzen ihrer Annahmen Gültigkeit zu besitzen. So haben die Ökonomen der Neoklassik <em>perfect Economics</em> geschaffen.</p>
<p>Die aktuelle Forschung folgt jedoch wieder eher Schumpeter: Ein Beispiel ist die Neue Institutionenökonomik, die unter anderem beschränkte Märkte und Rationalität zulässt und sich der Existenz endogener Präferenzen öffnet. Wie Schumpeter nähert sie sich wieder den Bedingungen an tatsächlich existierenden Märkten zu, an statt hypothetische Situationen an hypothetischen, jedoch niemals beobachtbaren Märkten zu Untersuchen und zu Beschreiben.</p>
<p>Wenn Schumpeter den Unternehmer als Außenseiter und Pionier bezeichnet, so war er für die Ökonomik als Wissenschaft vielleicht selbst ein solcher. Während alle anderen sich der bekannten und formal gleichförmigen Modellwelt zuwendeten, suchte er eine neue Richtung und wandte sich – in Anbetracht der zahlreichen streitbaren Punkte – wahrscheinlich ganz bewusst gegen die neoklassische Theorie. Mit seinem Unternehmer-Konzept bediente er zwar keine existierende Nachfrage, schuf aber vielleicht eine neue: Die Nach-Frage nach dem Funktionieren von echten – tatsächlich existierenden – Volkswirtschaften.</p>
<h2>Literatur:</h2>
<p>Blaug, Marc, <em>Entrepreneurship in the History of Economic Thought</em>. In: Boettke, Peter J. / Ikeda, Sanford (Hg.) Advances in Austrian Economics, Vol. 5. London 1998, S. 217-239.</p>
<p>Schumpeter, Joseph A., <em>Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus</em>, Zweite Aufl. Berlin 1926, S. 99-139.</p>
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		<title>Finanzmarkttransaktionssteuer &#8211; irrational?</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 07:21:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was für ein Wortungetüm, fies. Finanzmarkttransaktionssteuer. Aber Europa nähert sich, seit heute sind Leerverkäufe untersagt, berichtet die Süddeutsche. Was für Dinger? Das ist jetzt erst einmal egal. Sie machen Spaß und bringen viel Geld, wenn man sich denn traut. Und wenn man halt Glück hat. Viel wichtiger ist jedoch das Signal  dieses Schrittes: We are [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was für ein Wortungetüm, fies. <em>Finanzmarkttransaktionssteuer</em>. Aber Europa nähert sich, seit heute sind <a title="sueddeutsche.de" href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/finanzen/378/511484/text/" target="_blank">Leerverkäufe</a> untersagt, berichtet die Süddeutsche. <em>Was für Dinger?</em> Das ist jetzt erst einmal egal. Sie machen Spaß und bringen viel Geld, wenn man sich denn traut. Und wenn man halt Glück hat. Viel wichtiger ist jedoch das Signal  dieses Schrittes:<em> We are not afraid</em>.</p>
<p><span id="more-708"></span>Angst haben darf die deutsche Regierung nicht, wenn sie auch eine Finanzmarkttransaktionssteuer (man<em>oh</em>man) tatsächlich einführen will. Selbst alle europäischen Regierungen gemeinsam, müssten mit blindem Mut zustimmen, sollte es ein solches Gesetz tatsächlich bald geben. Tatsächlich funktionieren tut dies nämlich nur, wenn alle mitmachen. Sollst sucht sich das Geld, man denke an Wasser, einfach einen anderen Markt und Europa guckt mit seiner schönen Steuer in die Röhre. Situation schlimmer als vorher &#8211; viel schlimmer.</p>
<p>Aber wie bringt man jetzt alle Markt-beherbergenden Länder der ganzen weiten Welt dazu, glaubhaft darzulegen, dass sie auch eine derartige Steuer einführen werden? Und wie kriegt man sie eigentlich dazu, dies selber zu wollen? Erschwerend hinzu kommt schließlich, dass der freie Finanzmarkt mit seinen modernen Produkten als Schmiermittel der Weltwirtschaft gilt und die Entwicklung der vergangenen 150 Jahre ohne sie wohl niemals denkbar gewesen wäre. Nicht in dieser Intensität.</p>
<p>Europa soll vorangehen, eigentlich sogar nur Deutschland, aber wäre man nicht unglaublich dämlich, dies zu tun? <em>Defection is rational</em>, wer defekt spielt, gewinnt Milliarden.</p>
<p>Es ließen sich vielleicht Krisen vermeiden, wenn alle mitspielen &#8211; okay, doofes Wort &#8211; mit<em>ziehen</em> würden. Noch dazu lässt sich schon mit einem einfachen Gedankenspiel konstruieren, warum freie Märkte nicht mehr zur Wohlfahrtsmaximierung führen. Die kollektive Handlung wäre also zum positiven Nutzen aller, fein. Aber ohne diesen einsamen Schritt nach vorn &#8211; direkt über die Klippe des Problemb<em><span style="text-decoration: line-through;">ä</span></em>erges &#8211; wird es eine solche Steuer niemals geben. Und eigentlich sollte ihn auch kein verantwortungsbewusster Politiker tun.</p>
<p>Lösung des Problems? Irrationales Handeln, zum Schaden des Volkes und der Volkswirtschaft. Und hoffen, dass alle mitspielen. Dann mal munter voran, Kameraden.</p>
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		<title>Which is the right answer in theory? Which in practice?</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 12:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Paul A. Samuelson: Economics. An Introductory Analysis Mindestlöhne und Sozialhilfe sollen ein Instrument zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit sein. Die Umverteilung von Umsätzen von den Kapitalerträgen hin zu den Arbeitnehmereinkommen führt bei fallender Konsumquote zu höheren Konsumausgaben, argumentieren Ökonomen. Mindestlöhne sorgen aber auch für Ausweichreaktionen auf andere Produktionsfaktoren als menschliche Arbeit und erhöhen den Markteintrittspreis der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Paul A. Samuelson: Economics. An Introductory Analysis</em></p>
<p>Mindestlöhne und Sozialhilfe sollen ein Instrument zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit sein. Die Umverteilung von Umsätzen von den Kapitalerträgen hin zu den Arbeitnehmereinkommen führt bei fallender Konsumquote zu höheren Konsumausgaben, argumentieren Ökonomen. Mindestlöhne sorgen aber auch für Ausweichreaktionen auf andere Produktionsfaktoren als menschliche Arbeit und erhöhen den Markteintrittspreis der Produzenten, argumentieren andere Ökonomen. Im Extremfall können so Arbeitsplätze vernichtet und das Volkseinkommen verringert werden, beweisen Studien. Auf der anderen Seite kann bei höheren Stundenlöhnen auch die Wahl zwischen Freizeit und Arbeit beeinflusst werden – ebenfalls in beide Richtungen. Doch staatliche Markteingriffe unterliegen nicht nur den Gesetzen der ökonomischen Theorie, auch die praktische Umsetzung birgt ihre Probleme.</p>
<h2><span id="more-509"></span>Die Diktatur der Ökonomie</h2>
<p>Politische Programme unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit festzusetzen, ist schwierig genug. Gegenläufige Interessen und unterschiedliche Meinungen über die Wirkungen dieser Programme erschweren die Suche nach einer optimalen und gleichzeitig durchsetzbaren Handlungsstrategie zusätzlich. Da eine „Diktatur der Ökonomie“ nicht denkbar ist, könnte die Allgemeinbildung der Wähler einen Ansatzpunkt bieten, den Staat zu ökonomischem Handeln zu zwingen.<br />
Intelligente Staatsbürger sollten ihre Volkswirtschaft verstehen. Sie sollten die Entscheidungen der gewählten Volksvertreter verstehen und kritisch beurteilen können. Im Idealfall wären sie sogar in der Lage, Auswirkungen selbst einschätzen zu können. Diese Anforderungen stellt Paul A. Samuelson im Vorwort seiner „Economics. An Introductory Analysis“ an die Allgemeinbildung und an die Lehrmaterialien, also die Lehrbücher der Volkswirtschaftslehre. Doch die immer komplexer werdenden ökonomischen Methoden wirken sich nicht nur auf das Verständnis der Bürger aus. Schon kleine Abweichungen können zu gegenläufigen Ergebnissen führen. Und während die moderne ökonomische Forschung über die Grenzen ihrer Modellwelten hinaus blickt, kann sie in der realen Welt eine der wichtigsten Eigenschaften der Modelle nicht mehr wiederfinden: Die Eindeutigkeit der Ergebnisse. Das Beispiel der Mindestlöhne zeigt nicht nur, dass die Ökonomie selbst nicht immer den Weg zu wirtschaftlichem Erfolg kennt. Es macht auch deutlich, dass es manchmal den optimalen Weg überhaupt nicht gibt.</p>
<h2>Schöne theoretische Welt</h2>
<p>In theoretischen Modellen ist die Festsetzung von Arbeitslöhnen an einem vollkommenen Arbeitsmarkt einfach: Es gibt eine Zahl von Arbeitern, die ihre Arbeitskraft anbieten können. Außerdem gibt es die Arbeitgeber, die diese Arbeitskraft nachfragen. Beide Gruppen verfügen über die gleiche Verhandlungsmacht und über vollständige Informationen. Übersteigt das Arbeitsangebot die Nachfrage, können die Arbeitgeber den Lohn senken. In der Folge werden einige der Arbeiter ihre Arbeitskraft vom Markt nehmen, weil sie für den gebotenen Lohn nicht arbeiten wollen, der Nutzen von „Freizeit“ ist größer als der Nutzen des Arbeitslohnes. Das Arbeitsangebot fällt und es entsteht ein Gleichgewicht aus Arbeitsangebot und –nachfrage. Gibt es hingegen weniger Arbeitnehmer als Arbeitsplätze, müssen die Unternehmen als Nachfrager um die Arbeitnehmer konkurrieren, in dem sie höhere Löhne bieten. Da Arbeitskraft jedoch vor allem ein Produktionsfaktor ist, wird in der Folge die Güterherstellung für die Unternehmer teurer. Einige Unternehmer werden daher für die Güterproduktion mehr ausgeben müssen, als sie im Absatz erzielen können. Sie scheiden aus dem Markt aus oder ziehen sich freiwillig zurück – die Arbeitskraftnachfrage fällt und es entsteht erneut ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt.<br />
In Deutschland ist das Arbeitsangebot derzeit größer als die Nachfrage. Die Arbeitgeber haben somit keinen Anreiz, die Löhne zu erhöhen. Stattdessen sind die Einkommen so tief gesunken, dass sie als Lebensunterhalt nicht mehr ausreichen. Selbst wenn man annimmt, dass der Markt immer noch vollkommen ist, weil sich Verhandlungsmacht von Gewerkschaften und Unternehmern ausgleichen, ein Gleichgewicht entsteht am Arbeitsmarkt dennoch nicht, da außerhalb der Modellwelt das Arbeitseinkommen nicht durch den Genuss von Freizeit kompensiert werden kann. Selbst bei sehr niedrigem Lohnsatz wird das Arbeitsangebot daher nicht unter ein bestimmtes Niveau sinken.</p>
<h2>Markteingriff</h2>
<p>Hauptkritikpunkt ist die so entstehende Ungleichheit zwischen den verschiedenen Lohnempfängern. An dieser Stelle soll der Staat nun einspringen. Einerseits durch Umverteilung von Arbeitenden zu Erwerbslosen durch die Sozialhilfe. Andererseits durch Umverteilung von höheren Einkommen zu niedrigeren Einkommen durch staatliche Lohnaufstockung, sowie von Kapitaleinkommen zu niedrigen Einkommen durch die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen.<br />
Nach Keynes‘ Theorie einer fallenden Konsumquote hätte die Umverteilung einen positiven Effekt auf die Güternachfrage, weil Menschen mit geringerem Einkommen einen größeren Teil dieser verkonsumieren und dem Wirtschaftskreislauf weniger Geld zu Spekulationszwecken entziehen. Da so die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmer steigen, hätte die Umverteilung sogar einen positiven Effekt auf die Arbeitsnachfrage. Wenn die Güterpreise dabei konstant blieben, könnten mehr und andere Güter konsumiert werden, das Volkseinkommen würde also steigen. Die Theorie hat jedoch einen entscheidenden blinden Fleck gegenüber der realen Welt. Paul Samuelson brachte das Problem auf den Punkt:</p>
<h2>Other things will not remain equal.</h2>
<p>Ein Ansteigen der <em>Sozialhilfe</em>, finanziert durch die Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen, würde einerseits zu steigenden absoluten Konsumausgaben führen. Es würde aber auch Arbeit gegenüber der Freizeit unattraktiver machen. Das Arbeitsangebot ginge also zurück und die Arbeitgeber wären zur Zahlung höherer Löhne gezwungen, was wiederrum die Arbeitsnachfrage negativ beeinflussen würde und über die produzierte Gütermenge auch zu einer Verringerung des Volkseinkommens führen würde. Mehr Gleichheit bei den Einkünften ginge also zu Lasten der gesamtwirtschaftlichen Effizienz.<br />
Gesetzliche <em>Mindestlöhne</em>, die die Unternehmen dazu zwingen, höhere Gehälter zu zahlen, würden die Arbeitsnachfrage negativ beeinflussen und das Angebot positiv. Ein Marktgleichgewicht durch Preisanpassung wäre nicht mehr möglich. Jene Arbeitnehmer, die einen Arbeitsplatz ergattern konnten, haben in der Folge höhere Einkommen. Es werden jedoch weniger sein als vorher. Die Ungleichheit würde also nicht fallen, sondern tendenziell sogar steigen. Als zweifelhafte Lösung bietet sich hier die Schwarzarbeit an. Wie sich ohne Mindestlohn Arbeitskräfte finden, die für einen geringen Stundenlohn arbeiten, werden sich diese auch nach der Gesetzesänderung finden.<br />
Ein zweites Problem entsteht durch die Güterpreise. Unternehmen haben nicht nur die Möglichkeit, ihre Tätigkeit einzustellen oder ins Ausland zu verlagern, wenn ihre Faktorpreise steigen. Sie können die Erhöhung der Produktionskosten auch an die Konsumenten weitergeben. Dies gilt ins¬besondere, wenn konkurrierende Unternehmer sich bereits aus dem Markt zurückgezogen haben und das Güterangebot unter die Güternachfrage gesunken ist. An dieser Stelle kann im Extremfall eine Erhöhung des generellen Preisniveaus eintreten, also Inflation. Geringqualifizierten Arbeitnehmern droht also nicht nur ein verringertes Einkommen durch den Jobverlust, sondern auch noch höhere nominale Lebenshaltungskosten.<br />
Staatliche <em>Lohnaufstockung</em>, finanziert ebenfalls über die Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkünften, hätte auf die Freizeitpräferenz der Arbeitnehmer nur einen geringen Einfluss. Die höheren Löhne würden stattdessen das Arbeitsangebot positiv beeinflussen. Dadurch hätten die Arbeitgeber jedoch einen Anreiz, die Löhne zu senken. Da die Einkommen durch die staatliche Aufstockung faktisch nicht absinken können, könnte der Produktionsfaktor „Arbeit“ aus Unternehmerischer Perspektive auf diese Art sehr billig werden. Deutschland wäre damit für Unternehmer attraktiver und es würden mehr Güter im Inland produziert werden. Gleichzeitig würden die absoluten Konsumausgaben steigen. Beides hätte positive Effekte auf das Volkseinkommen. Die ständig sinkenden Löhne würden den Staat in der Praxis jedoch sehr schnell vor das Problem der Finanzierbarkeit stellen. Staat und Arbeitgeber müssten also ihren jeweiligen Anteil am Gesamtlohn regelmäßig neu aushandeln, wobei der Staat einen Machtvorteil und die Unternehmer einen Informationsvorsprung hätten.</p>
<h2>Machtkämpfe</h2>
<p>Auch die den Lohn selbst aushandelnden Parteien würden sich verändern. Wo aktuell Gewerkschaften und Arbeitgeber den Lohn festsetzen, stünden sich von nun an Gewerkschaften und Staat gegenüber. Korruptionsvorwürfe und –vorgänge würden die Verhandlungen erschweren. Dennoch erscheint diese Lösung aus der Perspektive der ökonomischen Theorie als die geeignetste. In der Praxis gilt dies nur unter Abwesenheit besserer Alternativen.</p>
<h2>Zaungast</h2>
<p>Auch die ökonomische Theorie hat also ihre Tücken. Was in der Modellwelt funktioniert, wird in der Realität von unzähligen Faktoren beeinflusst. Eine Studie über bereits eingeführte Mindestlöhne hat übrigens gezeigt, dass die Beschäftigung sogar angestiegen ist . Ob die Ursache hierfür überhaupt etwas mit den Mindestlöhnen zu tun hat, lässt sich nur schwer feststellen. Das zweite Problem ist, dass am Vorabend einer Wahl der eigene Nutzen immer wichtiger ist, als der wirtschaftliche Erfolg des Staates. Dies gilt für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und auch für Politiker. So lange die Ökonomie also keine Lösung findet, bei der jede Interessensgruppe glaubt, hinterher besser da zu stehen als vorher, kann sie beim Entscheidungsprozess nur zuschauen.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Als Essay bei Dr. Jan-Otmar Hesse  im Hauptseminar zu den Klassikern der Wirtschaftstheorie eingereicht, überarbeitete Version.</em></strong></p>
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		<title>Crisis, what (&#039;s a) crisis?</title>
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		<pubDate>Wed, 13 May 2009 12:24:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nichts als Probleme in der Welt. Hypothekenkrise, Bankenkrise, Finanzmarktkrise, Wirtschaftskrise&#8230; Weltkrise? Lässt sich ja alles noch steigern. Aber wo fängt eine Krise an? Und gibts eigentlich auch irgendwann mal keine Krise? Keine Krise. Wann gab es das mal? Börsenkrise herrscht eigentlich immer, wenn die Kurse einige Tage abwärts tendieren. Nahrungsmittelkrisen gibt es schon mein ganzes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts als Probleme in der Welt. Hypothekenkrise, Bankenkrise, Finanzmarktkrise, <em>Wirtschaftskrise</em>&#8230; Weltkrise? Lässt sich ja alles noch steigern. Aber wo fängt eine Krise an? Und gibts eigentlich auch irgendwann mal keine Krise?</p>
<p><span id="more-366"></span></p>
<p>Keine Krise. Wann gab es das mal? Börsenkrise herrscht eigentlich immer, wenn die Kurse einige Tage abwärts tendieren. Nahrungsmittelkrisen gibt es schon mein ganzes Leben lang: BSE, Pflanzengift, Schweinepest, Geflügelpest, Geflügelgrippe, Schweinegrippe. Eigentlich kann niemand von mir erwarten, dass ich überhaupt noch etwas anderes als Schokolade zu mir nehme.</p>
<p>Ist auf den ersten Blick keine Krise erkennbar, findet sich meistens schnell eine: Mindestens für eine Klimakrise ist mitlerweile sowieso schon egal, welches Wetter gerade herrscht. Ansonsten ist es halt die Saure-Gurken-Zeit, auch irgendwie eine Krise. Generell scheint der Begriff  &#8220;Krise&#8221; heute synonym zu &#8220;Gegenwart&#8221; verwendet zu werden.</p>
<p>Die Medizin begreift die Krise übrigens als jene Phase, in der unklar ist, ob der Patient leben oder sterben wird. Im Krisenbegriff geht es eigentlich um eine finale Zuspitzung zweier Extreme, von denen zwangsläufig eines eintreten wird. Dem kann man eigentlich Intuitiv zustimmen&#8230; warten wir also ab, ob es nach der aktuellen <em>Krise </em>noch eine <em>Wirtschaft </em>geben wird &#8211; oder nicht.</p>
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		<title>Auslaufmodell Mittelschicht?</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 2009 04:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es war eines der ganz großen Themen im vergangenen Jahr: Die Mittelschicht schrumpft. Au weia. Für sich genommen wäre das ja eigentlich egal, das Problem liegt eher in der wachsenden Gruppe der Armen. Und die wird nicht nur größer &#8211; die wird vor allem auch ärmer. Das ist der Preis für etwas, das wir leider [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war eines der ganz großen Themen im vergangenen Jahr: Die Mittelschicht schrumpft. Au weia. Für sich genommen wäre das ja eigentlich egal, das Problem liegt eher in der wachsenden Gruppe der Armen. Und die wird nicht nur größer &#8211; die wird vor allem auch ärmer. Das ist der Preis für etwas, das wir leider nicht ändern können &#8211; und mit gehobener Sicherheit auch <em>nicht </em>ändern wollen.</p>
<p><span id="more-300"></span></p>
<h2>Kalter Kaffee</h2>
<p>Nein, dieses Thema ist nicht neu. Es ist vielleicht aktuell, aber wenn, dann ist es das auch schon ziemlich lange. Über die letzten zehn Jahre hinweg war der traurige Trend bereits zu beobachten, im Oktober 2008 schockte dann das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (<a title="diw.de" href="http://www.diw.de" target="_blank">DIW</a>) mit neuen <a title="DIW zur schrumpfenden Mittelschicht (.pdf)" href="http://www.diw.de/documents/publikationen/73/79586/08-10-1.pdf" target="_blank">Zahlen</a>: Die Mittelschicht schrumpft. Die Armen werden Ärmer, die Reichen reicher. Die Mittelschichtler rutschen ab, kaum jemand steigt auf. &#8220;Die Schere geht auf&#8221;, metaphorisiert das Problem auf ganz hübsche Weise, man könnte aber auch ganz einfach sagen &#8220;die Gesellschaft bricht auseinander.&#8221;</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 405px"><img title="Einkommensschichtung in Deutschland1 1984 bis 2006" src="http://img205.imageshack.us/img205/7849/einkommensschichtungzf1.jpg" alt="Einkommensschichtung in Deutschland1 1984 bis 2006" width="395" height="453" /><p class="wp-caption-text">Einkommensschichtung in Deutschland 1984 bis 2006</p></div>
<h2>Warum?</h2>
<p>Für diese Entwicklung gibt es viele Gründe und eigentlich kennt die auch jeder. Warum? So isses halt. Darum.</p>
<p>Es gibt eine viel spannendere Frage:</p>
<h2>Warum nicht?</h2>
<p>Wer sagt eigentlich, dass diese Entwicklung nicht ganz natürlich ist? Verteufelter Sozialdarwinismus hin oder her &#8211; wird sich das Ende der Mittelschicht langfristig überhaupt verhindern lassen? &#8220;Verhindern&#8221; in diesem Fall hieße vor allem, jenen Teil der &#8220;Armen&#8221; davor zu bewahren, so richtig-<em>richtig </em>arm zu werden. Und es hieße, den Anteil der Armen klein zu halten. Ersteres lässt sich aus Sicht des Staates durch Umverteilung durchaus bewerkstelligen &#8211; so lange Letzteres gegeben ist.</p>
<p>Nur so, als Gedankenspiel &#8211; wie sollte das aussehen? Ein großter Teil der &#8220;neuen&#8221; Armen im vergangenen Jahr waren Alleinerziehende &#8211; das werden durch den gesellschaftlichen Wandel mehr werden, klar. Trotzdem gibt es eine Obergrenze, die sich immerhin noch an der heimatlichen Bevölkerungszahl misst. Der andere, noch größere, Teil liegt ganz wo anders. Nämlich bei den Einwanderern. Und das ist eine Zahl, die sich in der Globalisierung <em>nicht </em>mehr so leicht begrenzen lässt. Beide Faktoren drücken auf den Arbeitsmarkt, die <em>Bildungskrise </em>(na liebe BILD, wär das nicht ne 72pt wert?) tritt direkt nochmal nach: Viele gering qualifizierte &#8211; günstige &#8211; Arbeitskräfte, die viele &#8211; aber nicht <em>so</em> viele &#8211; Jobs haben wollen. Und schon muss sogar auf die Arbeitnehmer umverteilt werden.</p>
<p>Ausbeutung? Nein. Markt. Kapitalismus? Sicher. <em>Naturgesetz</em>.</p>
<h2>Lösung?</h2>
<p>Ich überleg mir was, versprochen. Aber da es halb 6 am Morgen ist habe ich außer &#8220;Geburtenkontrolle&#8221; und &#8220;Grenzen schließen&#8221; leider nichts anzubieten. Wir können stolz auf unsere liberale, weltoffene Gesellschaft sein. Aber wir müssen auch mit ihr leben. Und wenn wir viele Arbeitskräfte ins Land lassen, dann sinken die Löhne. So ist das nämlich an einem Markt. Wenn viele Kartoffelchips da sind, werden die ja auch billiger und keiner beschwert sich. Und wenn Menschen, die in ihrer Partnerschaft nicht glücklich sind, diese dann beenden&#8230; was soll dabei denn rauskommen? Sollte es anders laufen?</p>
<p>Ja. Nein. <em>Vielleicht</em>. Keine Ahnung wie.</p>
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		<title>Kommen gesehen?</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 13:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist eine der grundlegenden Weisheiten unserer Gesellschaft: Egal was passiert, wann es passiert, wie es passiert. Irgendjemand hat es kommen sehen. Immer. Und für gewöhnlich gut daran getan, seine Weissagung tunlichst für sich zu behalten &#8211; oder in sorgfältig gewählte Schranken zu setzen. Wobei Letzteres meistens den Beschränkungen einer Nachrichtenlänge zum Opfer fällt. Am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eine der grundlegenden Weisheiten unserer Gesellschaft: Egal was passiert, wann es passiert, wie es passiert. <em>Irgendjemand hat es kommen sehen.</em> Immer. Und für gewöhnlich gut daran getan, seine Weissagung tunlichst für sich zu behalten &#8211; oder in sorgfältig gewählte Schranken zu setzen. Wobei Letzteres meistens den Beschränkungen einer Nachrichtenlänge zum Opfer fällt. Am Ende steht irgendeine wieauchimmer geartete Realität, die Gruppe jener, auf die man ja nur hätte hören müssen (wenn man sie denn gehört hätte) und ein Haufen Leute, die mit allem was sie gesagt haben daneben lagen, obwohl sie durchaus Recht hatten.</p>
<p><span id="more-271"></span></p>
<p><em>Früher Oktober 2008.</em> Ich sehe mich selbst noch in der Redaktion sitzen, unfähig, die im Minutentakt einflatternden dpa-Meldungen ernst zu nehmen. <em>Okay</em>. Die Börse in Wien bricht 10% ein, das ist viel. Aber Märkte können sich auffangen und in ein paar Wochen ist die Welt wieder in Ordnung.</p>
<p>Aus der Talfahrt wird ein Absturz, am Abend des selben Tages ist sie unwiderruflich da, meine erste Weltwirtschaftskrise.</p>
<h2>Überrascht? Warum?</h2>
<p><em>Das</em> da was kommt wussten wir ja eigentlich alle. Vermutlich eine einfache Vorhersage, denn das Finanzmärkte ewig wie geschmiert laufen erscheint unglaubwürdig, irgendwann geht schon noch was schief. &#8220;Eines Tages bricht das System zusammen&#8221; bietet sich als verbale Ausscheidung ökonomischer Weisheit geradezu an. Kritisch, prognostizierend, warnend, unbestimmt. Alles, was man braucht, um eine Titelseite an Sauregurkentagen noch halbwegs attraktiv zu machen. Und diese Tage gibt es <em>oft</em>. Und diese Warner gibt es <em>viele</em>. Und wie es mit dem Hilfe-Wölfe-Jungen passierte, ging es auch den zu spät geborenen Panikökonomen &#8211; keiner hörte mehr auf sie. Ankündigungen der Krise war man ja gewohnt. Also keine große Überraschung? Irgendwie doch. &#8220;<em>Sowas habe ich in meiner gesamten Karriere noch nicht erlebt&#8230;</em>&#8221; dürfte eine der meistzitierten Expertenaussagen des vergangenen Oktobers sein. Dabei konnte auf <a title="Diskussion auf wallstreet.online.de" href="http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1140172-1-10/kommt-die-weltwirtschaftskrise-2008" target="_blank">Wallstreet:online</a> schon seit April darüber philosophiert werden, das es genau in <em>diesem</em> Jahr endlich soweit sein würde. Auch nichts Neues gewesen? Scheiße, daneben.</p>
<p>Nein, im laufenden Jahr lagen sie endlich mal richtig. Wer seine Voraussagen auf bestehende Strukturen an den Kreditmärkten stützte, lag sogar von Anfang an richtig und musste nur auf den Tag der Wahrheit warten. Und unsere teuer finanzierten Wirtschaftsinstitute? Dem <a title="zew" href="http://www.zew.de/" target="_blank">Zentrum für europäische Wirtchaftsforschung</a> kann man eigentlich nichts vorwerfen, so daneben lagen die befragten <a title="Wie wird der ZEW-Index ermittelt?" href="http://www.zew.de/de/publikationen/Konjunkturerwartungen/Konjunkturerwartungen.php3" target="_blank">Finanzexperten</a> gar nicht. Zu Beginn des Jahres 2006 ging es sowieso bergab, im Mai 2007 unterbrachen sie ihren Konjunkturzyklus. Im August krachte die Erwartungslinie wieder durch den Boden und da bleibt sie jetzt auch. Das Münchner <a title="ifo-Institut" href="http://www.ifo.de/portal/page/portal/ifoHome/a-winfo/d1index/10indexgsk?lang=d" target="_blank">Institut für Wirtschaftsforschung</a> traf es mit seinen seit 2005 leicht steigenden (und zuletzt ins bodenlose fallenden) Zahlen nicht ganz so gut und geriet prompt in die Kritik. Das die eigentlich nur die Stimmungen und Erwartungen der <a title="Wie wird der Ifo-Geschäftsklimaindex ermittelt?" href="http://www.ifo.de/portal/page/portal/ifoHome/a-winfo/d1index/10indexgsk/_indexgsk?item_link=erlaeut_gk.htm" target="_blank">Unternehmer</a> abfragen ist dabei sowieso egal.</p>
<p>Offensichtlich, das Ifo macht da was grundlegend falsch, richtig?</p>
<p>Falsch.</p>
<h2>Die Sache mit dem &#8220;Wissen&#8221;</h2>
<p>Ökonomen arbeiten mit Modellen. Die sind dann meistens so weit weg von der Realität, dass sie eigentlich nur noch falsch sein können. Meine persönliche &#8211; frisch widerlegte &#8211; Meinung. Zentrales Problem: Wer als Experte auftritt und eine (hoffentlich meistens) fundierte Prognose äußert versetzt das Volk in Angst und Schrecken, oder, noch schlimmer: Euphorie.</p>
<p>Vor diesen Panikprognosen wurde in jüngster Zeit gewarnt, Stichwort <a title="Spiegel.de" href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,584340,00.html" target="_blank">Rezessionsreklame</a>. Kurz: Eine negative Prognose macht vor allem eines: alles schlimmer. Ist der ZEW-Index gefallen, erwartet die Wirtschaft einen Auftragstrückgang, fährt selbst vorsichtiger und erzählt auch dem Ifo davon. Deren Statistik kehrt sich nach unten und die Finanzexperten des ZEW sehen, dass der Markt zu zurückhaltend geworden ist, um Gewinne zu machen.</p>
<p>Gott sei Dank weiß man ja Bescheid. Die Erwartungen wurden analysiert, die Reaktionen studiert. Und eine Prognose, für deren Erstellung die Realität, wie sie den Marktteilnehmern bekannt ist, exakt abgebildet wurde, beschreibt nichts anderes als die sowieso schon vorhandenen Strukturen. Bei so schlechten Erwartungen lassen sich die Menschen gerne Hoffnung machen, das wissen die Ökonomen, das weiß auch die Politik. Zeit für einen Stein des Anstoßes. Bildungsinvestitionen, Haushaltskonsolidierung und erfolgreiche Arbeitsmarktprogramme: Konjunkturzyklisch betrachtet müsste es langsam mal wieder besser werden. Das könnte es auch &#8211; gäbe es da nicht diese blöden Zufälle, die fern der Modellwelt immer wieder auftreten.</p>
<p>Sowas Blödes wie eine platzende Kreditblase in den Vereinigten Staaten.</p>
<h2>Sonnenflecken</h2>
<p>Erwartungen basieren auf der Zukunft. Auf Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Sicherheit, aber nicht auf der Erwartung, dass sich diese wiederholt. Das ist rational.</p>
<p>Schön wärs.</p>
<p>Jeder, der zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre zumindest schon gezeugt worden war, erinnert sich nun an jene dramatischen Ereignisse und fühlt sich genötigt, damalige Zustände auch für heute zu erwarten. Warum? Einfach nur so, es könnte ja sein. Kritisch, prognostizierend, warnend, aber wenigstens nicht unbestimmt und, so alles gut geht, viel zu extrem ausgelegt, um mehr als Blödsinn zu sein. Hoffentlich. Ich sag gar nichts mehr. Denn darum geht es nicht. Vielmehr geht es darum, was die Menschen <em>glauben</em>. Und wie bei Jevon&#8217;s <a title="Sonnenfleckentheorie bei Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenfleckentheorie" target="_blank">Sonnenfleckentheorie</a> ist es ziemlich egal, ob unsere Ersparnisse in zehn Jahren absolut wertlos (danke liebe Bildzeitung) sein werden. Wenn die Menschen dies Glauben, dann beeinflusst es sie. Und das muss die Prognose beeinflussen. Und <em>das</em> ist dann mal wirklich rational.</p>
<p>Aber eben nur, so lange es niemand besser weiß. Und wer weiß schon, wann das jemand weiß? Und woher sollen eigentlich Unternehmer von Kreditblasen wissen und Erwartungen an verdeckten Finanzmarktstrukturen fest machen?</p>
<p>Und wie soll eine Prognose auf etwas aufbauen, was noch gar nicht Realität geworden ist? Sie <em>soll</em> nicht von der Vergangenheit ausgehen, natürlich. Aber sie <em>kann</em> nicht von der Zukunft ausgehen.</p>
<p>Bleibt nur noch heute übrig.</p>
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		<title>Quo vadis, populi potentia?</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Nov 2008 22:25:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einer für alle &#8211; alle für einen? Aber nicht doch. Lieber alle für alles, statt einer für ein bisschen was. Wo möchte das deutsche Volk hin, mit seiner Demokratie? Klingt sinnfrei? Finde ich auch. Trotzdem wird in der modernen Gesellschaft der Ruf nach etwas, das die moderne Welt eigentlich längst hinter sich gelassen hatte, immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer für alle &#8211; alle für einen? Aber nicht doch. Lieber alle für alles, statt einer für ein bisschen was. Wo möchte das deutsche Volk hin, mit seiner Demokratie? Klingt sinnfrei? Finde ich auch. Trotzdem wird in der modernen Gesellschaft der Ruf nach etwas, das die moderne Welt eigentlich längst hinter sich gelassen hatte, immer lauter. Und so stieß der französische Staatspräsident mit seinem Vorstoß, bestimmte Unternehmen teilweise verstaatlichen zu wollen, nicht auf die tauben Ohren, die man hätte erwarten sollen.</p>
<p><span id="more-258"></span></p>
<p>Wer statt mit tauben Ohren mit einer Welle der Entrüstung gerechnet hatte, irrt ebenfalls. Eigentlich finden die Deutschen die Idee nämlich gar nicht mal so blöd. So wünschen sich schon über die Hälfte der in einer <a title="Stern.de" href="http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:%0A%09%09stern-Umfrage%0A%09%09%09-Deutsche-Verstaatlichung/643741.html" target="_blank">Stern</a>-Umfrage befragten Bürger staatliche Beteiligungen in der Energiewirtschaft, bei Banken und Versicherungen, Fluggesellschaften, der Bahn und der Post. Dabei geht es gar nicht primär um finanziellen Beistand für unsere liebe Wirtschaft &#8211; was Deutschland sich wünscht, ist Kontrolle. Regulierung. Nicht über Gesetze, denn die werden gebrochen. An der Wurzel soll das Problem gepackt werden. Gestern waren die Politiker noch die bösen Korrupten, heute sollen sie dem Übel des Tages zu Leibe rücken: Wirtschaft, so böse, dass die Politik glatt wieder liebenswert erscheint.</p>
<p>Das der Neoliberalismus mit seiner sozialen Marktwirtschaft wahnsinnig uncool geworden ist, ist gar nichts Neues mehr. Das unsere liebe Gesellschaft deswegen aber direkt zur Sozialisierung schreiten will, mutet ein ganz klein wenig extrem an.</p>
<p>Denn wie nannte man die Sache mit der flächendeckenden Verstaatlichung doch gleich?</p>
<p>Achso ja. <em>Kommunismus</em>.</p>
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		<title>Gut, böse, blöd.</title>
		<link>http://blog.isabellprophet.net/2008/gut-boese-bloed-finanzkrise-bankmanager-anlageberater.html</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 13:27:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Freiheit, Fehler machen zu dürfen II. Eine ganz interessante Diskussion eigentlich. Aber zwischen den Guten und den Bösen liegt eben immer noch eine dritte Gruppe: Die der einfach Blöden. Man muss da wirklich zwischen &#8220;Bankmanagern&#8221;, &#8220;Anlageberatern&#8221; und den Anlegern selbst unterscheiden. Anlageberater sind &#8211; das darf man als Anleger niemals vergessen &#8211; &#8220;Verkäufer&#8221;. Der Beruf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freiheit, Fehler machen zu dürfen II.<br />
Eine ganz interessante <a title="Meinung: Freiheit, Fehler machen zu dürfen." href="http://blog.isabellprophet.net/2008/meinung-freiheit-fuer-fehler.html" target="_blank">Diskussion</a> eigentlich. Aber zwischen den Guten und den Bösen liegt eben immer noch eine dritte Gruppe: Die der einfach Blöden.<br />
<span id="more-253"></span></p>
<p>Man muss da wirklich zwischen &#8220;Bankmanagern&#8221;, &#8220;Anlageberatern&#8221; und den Anlegern selbst unterscheiden.</p>
<p>Anlageberater sind &#8211; das darf man als Anleger niemals vergessen &#8211; &#8220;Verkäufer&#8221;. Der Beruf dieser Menschen ist es, ein Produkt zu verkaufen, an die Anleger. Hierbei sprechen wir von Menschen mit denen wir vielleicht zur Schule gegangen sind oder studiert haben &#8211; die also nicht vom Teufel persönlich gesandt wurden. Und genauso, wie ein Autoverkäufer nicht zu 100% weiß, ob das Benzin morgen noch da sein wird (jaja, sehr hypothetisch, schon klar), weiß auch der Anlageberater, selbst in allerbester Ausübung seiner &#8211; vom Gesetz zwingend auferlegten &#8211; Beratungsverpflichtung, nicht zu 100%, wie sich die Finanzmärkte der Zukunft entwickeln. Wie soll er das wissen?</p>
<p>Prognosen gab es, man hätte darauf hören können.</p>
<p>Der wesentlich kleineren, von  mir aus &#8220;elitäreren&#8221;, Gruppe der Bankmanager mag man da schon mehr Weitsicht zusprechen. Und hier wurden Fehler gemacht, die schon über das Annehmbare hinausgehen, zweifellos.<br />
Aber man verrate mir eines: Welcher rational handelnde Bankmanager, auf Profit aus, kauft für sein Institut &#8220;faule&#8221; Pakete? Oder leitet seine Verkäufer dazu an, diese an die eigenen Kunden weiter zu reichen? &lt;&#8211; sehr zentrale, wichtige Frage.</p>
<p>Und da es immer noch ein Problem der Kreditmärkte ist, Zitat aus einem <a title="Kommentare" href="http://blog.isabellprophet.net/2008/meinung-freiheit-fuer-fehler.html#comments" target="_blank">Kommentar</a>:</p>
<blockquote><p>Das Geld ist in die Taschen einiger weniger gelangt.</p></blockquote>
<p>Das wären dann wohl die amerikanischen Kreditkunden, richtig?</p>
<p>Wir hauen und treten am liebsten im heimatlichen Revier. Warum? Ist der Kuckuck in diesem Spiel nicht viele tausend Meilen und einen kleinen Ozean entfernt zu suchen?</p>
<blockquote><p>Und ich kann mich nicht erinnern, dass jemand von den Bankern vorher sowas wie “25% Rendite geht einfach nicht, da ist der kollaps vorprogrammiert. Ihr macht ma halblang, macht 4% und habt dafür auch nen Gegenwert und keine Blase” gesagt hat.</p></blockquote>
<p>Das macht nichts, denn dafür hat <span style="text-decoration: line-through;">der liebe Gott,</span> die Deutsche Gesetzgebung den Schadensersatz erfunden. Ich gehe sogar ganz fest davon aus, dass vielen Anlageberatern Fehler unterlaufen sind und auch einige sich von Provisionsgier (was ein böses Wort) haben verleiten lassen, selbst ohne Wissen um den Markt, als sicher proklamierte Zertifikate (und wie das ganze Zeug noch heißen mag) verkauft haben. Kunden sind dabei zwangläufig die Opfer, aber welcher Windows-Nutzer ist das nicht? Vertraue ich mein Geld &#8211; größere Summen &#8211; dem Urteil einer fremden Person an, <em>muss</em> ich damit rechnen, auf die Nase zu fallen. Eine Frage des gesunden Menschenverstandes: Ich informiere mich &#8211; im Rahmen meiner Möglichkeiten. Rechtlich trotzdem ganz einfach: Der Anlageberater informiert mich &#8211; im Rahmen <em>seiner</em> Möglichkeiten.</p>
<p>Und die Klagewelle wird sooo schööön werden&#8230;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Wahrheit tut weh &#8211; kreuzigt den Boten!</title>
		<link>http://blog.isabellprophet.net/2008/wahrheit-weh-kreuzigt-boten-hans-werner-sinn-ifo.html</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2008 20:53:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Lauf aller Dinge ist geprägt von strengen Gesetzen. Der Markt blieb bei dieser Weltordnung wohl am allerwenigsten verschont: Preis, Nachfrage, Absatz, egal jetzt. Von Murphys Gesetz will ich gar nicht anfangen, Godwins Gesetz finde ich an dieser Stelle sowieso viel spannender: &#8220;Wer auch immer Godwins folgt, verliert jede Diskussion, automatisch&#8221;, sagte eine Freundin von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Lauf aller Dinge ist geprägt von strengen Gesetzen. Der Markt blieb bei dieser Weltordnung wohl am allerwenigsten verschont: Preis, Nachfrage, Absatz, egal jetzt. Von <a title="Murphys Gesetz" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Murphys_Gesetz" target="_self">Murphys Gesetz</a> will ich gar nicht anfangen, <a title="Godwins Gesetz" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Gesetz" target="_blank">Godwins Gesetz</a> finde ich an dieser Stelle sowieso viel spannender: &#8220;Wer auch immer Godwins folgt, verliert jede Diskussion, automatisch&#8221;, sagte eine Freundin von mir. IFO-Wirtschaftsgottheit Hans-Werner Sinn dürfte diese Einschätzung ab morgen vermutlich teilen.</p>
<p><span id="more-228"></span></p>
<blockquote><p><span class="lang" lang="en" xml:lang="en">As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.</span></p></blockquote>
<p>Was zumeist das unsachliche Finale jedwediger Unterhaltung dar stellt, ist in der laufenden <span style="text-decoration: line-through;">Hexenjagd</span>, Diskussion um <a title="Opferlämmer fürs Volk" href="http://blog.isabellprophet.net/2008/opferlaemmer-fuers-volk-greenspan-ackermann-finanzkrise.html" target="_blank">Fehler</a> von Bankmanagern nicht unbedingt ein unrealistischer Vergleich.</p>
<blockquote><p>In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager. Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Schauen Sie sich den Straßenverkehr in Indien an. Die Leute fahren links, rechts, auf dem Bürgersteig, das ist abenteuerlich. Der Verkehr kommt deswegen immer wieder ins Stocken. Sind daran die &#8220;Manager&#8221; an den Steuerrädern schuld oder fehlende Verkehrsregeln?</p></blockquote>
<p>so Sinn gegenüber dem Berliner <a title="Tagesspiegel" href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Finanzkrise;art130,2645622" target="_blank">Tagesspiegel</a>. Grundsätzlich ein Fakt, trotzdem nicht unbedingt geschickt, es auszusprechen. Rot-Grüne Politiker sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierten &#8220;mit Entsetzen&#8221; und fordern eine Entschuldigung. Aber ist das eine &#8220;Verherrlichung der Verbrechen&#8221;, wie Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, sich ausdrückte? Ist es nicht vielmehr eine Ermahnung, vergangene Verbrechen und die Gefühle, aus denen sie resultierten, nicht zu vergessen? Überspitzt formuliert, zweifellos. Erschreckend ist jedoch die Interpretation Kramers, Sinn versuche, die Nationalsozialisten &#8220;für ihre Verbrechen zu rehabilitieren&#8221; und den Juden eine Schuld für die damalige Finanzkrise zusprechen, wie sie heute auch die Bankmanager tragen.</p>
<p><strong>Interpretationsversuch</strong>: Vielleicht, <em>nur</em> vielleicht, könnte Sinns Aussage, auch damals habe ein &#8220;anonymer Systemfehler&#8221; Schuld an der Weltwirtschaftskrise getragen, einen Hinweis darauf bieten, dass es gar nicht um die Juden damals geht, sondern vielmehr um die Bankmanager heute. Und um die Schuldzuweisungen, ohne das auch nur in Erwägung gezogen wird, dass auch bei guter Marktentwicklung Fehler gemacht werden &#8211; vielleicht sogar Folgenlos. Und das sie bei schlechter Marktentwicklung eben weiterhin gemacht werden, wie immer, wie überall. Und dann ganz üble Folgen haben. Und das man vielleicht darüber nachdenken könnte, ob man die Handelnden dann wirklich diabolisieren <em>muss</em>.</p>
<p>Gesagt ist gesagt, geschrieben, gedruckt. Rücktrittsforderungen werden nicht all zu lange auf sich warten lassen, man darf gespannt sein. Ich wüsste gern, ob er mit Absicht derart provokant formuliert hat?</p>
<p>Vielleicht komme ich jetzt doch lieber mit Murphy und erinnere daran, dass das was schiefgehen <em>kann</em>, eben schiefgehen <em>wird</em>. Und das das <a title="Freiheit, Fehler machen zu dürfen." href="http://blog.isabellprophet.net/2008/meinung-freiheit-fuer-fehler.html" target="_blank">nichts Neues</a> ist. Allerdings gehe ich davon aus, dass Herrn Sinn dies ebenfalls bewusst ist. Denn wer fehl- oder überinterpretiert werden <em>kann</em>, der <em>wird</em> es auch.</p>
<p>Und das ist auch nichts Neues.</p>
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		<title>Opferlämmer fürs Volk</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2008 13:34:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Einer <em>muss</em> es ja gewesen sein. Seit je her sind Opfer dargebracht worden, um die Götter zu besänftigen. Früher bediente man sich als Schäfer da gerne in der eigenen Viehherde, heute bedient sich die Herde viel lieber direkt am Schäfer. Die Luft ist dünn an der Spitze der Wirtschaft. Was oft als &#8220;Preis des Erfolges&#8221; bezeichnet wird, scheint eigentlich nur eins zu sein: Der Preis für den Mut, den Mund aufzumachen und sich durch eine konkrete Aussage angreifbar zu machen.</p>
<p>Dummer Fehler.</p>
<p><span id="more-216"></span></p>
<p>Man könnte behaupten, alle hätten zu ihnen aufgesehen. Könnte man, stimmt aber gar nicht. Denn wer kannte sie schon, die Wirtschaftskoryphäen der vergangenen Jahre? Künstler schaffen es posthum zum Erfolg, in der Wirtschaft kommt man posterfolg zu Ruhm. Zweifelhaftem, aber immerhin. Tagesaktuelle Beispiele sind Josef Ackermann von der Deutschen Bank und U.S. Notenbankchef a.D., Alan Greenspan. Letzterer hatte immerhin 19 Jahre seines Lebens damit verbracht, den U.S. Dollar bei Laune zu halten um die politikgebeutelte amerikanische Wirtschaft zu stabilisieren. Das machte ihn für jene, die überhaupt etwas davon mitbekommen haben, zur Galionsfigur des Wirtschaftsbooms. Für den Rest der Welt war er nur irgendein Wirtschaftsboss, bestimmt reich.</p>
<h2>Der Markt wirds schon richten?</h2>
<p>Greenspan stand vor allem für eine Überzeugung: <em>Den Glauben an den Markt</em> und maximal minimalistische politische Regulierung. Ausgesprochen unpopuläre Meinung, aber was will die breite Masse denn eigentlich reguliert wissen? Eigentlich ist es grundsätzlich zu viel Regulierung oder zu wenig Regulierung oder beides oder..? Ist ja auch egal. Greenspan sah eine Welt, die mit Schwankungen umgehen kann und den Markt nicht mit unnötigen institutionellen Regularien manipuliert. Das hat auch erstmal super funktioniert.</p>
<p>Was er übersah: Der Mensch an sich kann mit Schwankungen <em>nicht</em> umgehen. Was er vergaß: Eine Schwankung kann auch mal in ein Erdbeben ausarten. <em>Hallo, Finanzkrise.</em></p>
<p>Vor dem amerikanischen Kongress räumte er nun <a title="FAZ" href="http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E7E4B00D5CD2040A19CB812261EB29EE1~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">ein</a>, die Selbstheilungskräfte des Marktes überbewertet zu haben. Aber ist das so? Kann sich der Markt nicht heilen? Nichts gegen politische Unterstützung in üblen Zeiten, aber wären wir ohne sie am Ende des Kapitalismus angelangt? Und dann? Das Ende der Welt? Ich meine die ernst:</p>
<h3>Was passiert, wenn sich der Markt nicht heilen kann?</h3>
<p>Fällt dann die Welt runter? Wann ja, wo hin? Subsistenzwirtschaft? Strom aus, Internet <a title="Das Internet abschalten." href="http://www.dasinternetabschalten.de" target="_blank">abschalten</a>? Oder müssen wir uns um Konsumgüter wieder prügeln? Alles nur, weil Greenspan den Markt seinen eigenen Gesetzen hat folgen lassen? Achso?</p>
<h2>Ein Satz tuts auch.</h2>
<p>Was der eine sich sein halbes Leben lang erarbeiten musste, hatte der andere in einem Wimpernschlag geschafft: Die &#8211; übrigens unbestätigte &#8211; Aussage, seine Bank würde<em> sich schämen, Hilfe vom Staat anzunehmen</em>, wurde für den primus omnium unter den Wirtschaftsmagnaten zum <span style="text-decoration: line-through;">wirtschaftlichen</span>/ <span style="text-decoration: line-through;">politischen</span> gesellschaftlichen Selbstmord. Ob nun Huhn oder Ei zuerst kamen, wird man wohl niemals erfahren, Fakt ist: Andere Banken schämen sich <a title="FTD" href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Appell-an-Bankmanager-Steinbr%FCck-bleibt-auf-Rettungspaket-sitzen/430612.html" target="_blank">offensichtlich</a> auch. Und weil die Regierung bei der Konzipierung ihrer Hilfen ja niemalsnicht schnell und unkompliziert revidierbare <a title="Krisenspiele" href="http://blog.isabellprophet.net/2008/krisenspiele.html" target="_blank">Fehler</a> gemacht haben <em>könnte</em>, trägt jetzt eben Ackermanns Aussage die Schuld an der Zurückhaltung. Nicht die Konsumentenpsychologie, um Himmels Willen, da wäre doch niemals jemand drauf gekommen, hätte Ackermann es nicht ausgesprochen!</p>
<p>In schweren Zeiten sind die Anleger vorsichtiger. <em>Vernünftig</em>. Und wer einmal <span style="text-decoration: line-through;">lügt</span> Fehler macht, dem traut man nicht. <em>Vernünftig</em>. Und wer Fehler eingesteht, unterliegt der natürlichen Reaktion der Kunden. <em>Logisch</em>. Und wer nichts eingesteht, ist der Held. <em>Bescheuert</em>.</p>
<h2>Fail again, try again. Fail better.</h2>
<p>Wer handelt, macht Fehler. Wer nicht handelt auch, aber dann fällts nicht so auf. Also haben wir sogar die Wahl: Ein ruhiges, ungefährliches Leben &#8211; oder handeln. Handeln und Dinge verändern und entwickeln und vielleicht Fehler machen. Und mit dem Wissen leben, dass Fehler weh tun werden und jeder es sehen wird. In den verschiedensten Berufsfeldern können wir feststellen, dass jeder noch so unbeabsichtigte Fehler beleuchtet wird und soo selten das Positive zu würdigen gewusst. <em>Nicht vergessen:</em> Das betrifft nicht nur uns selbst; auch jene, über die wir urteilen, wollen meistens nur ihrem Weg folgen. Stillstand ist der Preis der Vorsicht.</p>
<p>Aber diese Sichtweise funktioniert nicht, kann nicht funktionieren. Denn wenn es aus Mangel an böser Absicht gar keinen Schuldigen gibt, wie besänftigt man dann <span style="text-decoration: line-through;">das Volk</span> die Götter?</p>
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