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	<title>Nordbaldsüddeutsche. &#187; Gerechtigkeit</title>
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		<title>Jobs Job.</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 09:02:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fast einhundert Jahre alt ist Joseph Schumpeters Idee des Entrepreneurs, des innovativen, gestaltenden Unternehmers, der die Wirtschaft seiner Zeit durch die Durchsetzung neuer Kombinationen entscheidend voranbringt. Schumpeter zeichnet 1911/1926 als „Grundphänomen der wirtschaftlichen Entwicklung“, das Charakterbild eines Unternehmers, dessen außergewöhnliche Eigenschaften und – viel wichtiger – außergewöhnliche Taten ihn erst zu einem solchen machen. Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast einhundert Jahre alt ist Joseph Schumpeters Idee des Entrepreneurs, des innovativen, gestaltenden Unternehmers, der die Wirtschaft seiner Zeit durch die Durchsetzung neuer Kombinationen entscheidend voranbringt. Schumpeter zeichnet 1911/1926 als „<em>Grundphänomen der wirtschaftlichen Entwicklung</em>“, das Charakterbild eines Unternehmers, dessen außergewöhnliche Eigenschaften und – viel wichtiger – außergewöhnliche Taten ihn erst zu einem solchen machen. Ein moderner Beleg für die alte Theorie ist Steven Paul Jobs, „Steve Jobs“, einstiger Mitgründer und heutiger CEO der Firma Apple Inc.</p>
<h2><span id="more-743"></span>Der frühe Jobs.</h2>
<p>Nachdem er Mitte der 1970er Jahre zunächst die sogenannte „Blue Box“ vertrieb, mit der umsonst telefoniert werden konnte, gründete er 1976 gemeinsam mit Ronald Wayne und Steve Wozniak die Apple Computer Company. Die ersten Produkte der Firma werden die ersten Computer für Heimanwender sein. 1984 erscheint schließlich der Macintosh, der mit seiner grafischen Benutzeroberfläche als erster wirklich benutzerfreundlicher Heimcomputer gilt. Die Idee hatten die Gründer nicht aus ihrem eigenen Reihen sondern von der Firma Rank Xerox – Apple hatte lediglich die Gelegenheit ergriffen, den privaten Markt als Zielgruppe zu wählen. Schon die Gründungszeit der Firma ist daher ein deutliches Indiz für Jobs unternehmerische Tätigkeit. Schumpeter spricht von der „<em>Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreise noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes.</em>“</p>
<h2>Jobs neue Welt.</h2>
<p>Dem wurde Jobs nicht nur in den frühen Jahren Apples gerecht. Er wiederholte seine schöpferische Tätigkeit zum Beispiel 2001 mit dem Musikspieler iPod – den er weder erfunden noch technisch möglich gemacht hatte. Steve Jobs Leistung bestand darin, den Entwicklern seine Unterstützung zuzusagen und das Produkt dem Markt vorzustellen. Tragbare Musikgeräte mit vergleichbarer Speicherkapazität hatte es zu dieser Zeit noch nicht gegeben – es handelte sich um eine völlig neue Qualität des Gutes. Gleiches gilt auch mit Blick auf die Apple-Produkte iMac und iPhone. Vor allem mit iPod, iPhone und der Synchronisations-Software prägte er den Wert der Marke Apple am Markt neu. Das aktuellste Beispiel ist das iPad. Zwar war auch die Idee eines Tablet-Computers nicht neu, das Produkt hatte sich jedoch am Markt nie durchsetzen können. Erst Jobs gelang es, das Gerät am Markt zu etablieren.</p>
<p>Zur Durchsetzung neuer Organisationsstrukturen am Markt kommt Jobs vor allem durch den „App Store“, die Softwareplattform Apples, von der Nutzer verschiedener Apple-Geräte Software herunterladen können. Apple hat sich damit ein Monopol geschaffen: Nur über den App Store kann Software vertrieben werden, diese wird von der Firma kontrolliert – und zensiert, wie häufig kritisiert wird.</p>
<h2>Jobs Weg.</h2>
<p>Jobs Karriere bei Apple verläuft nicht kontinuierlich. Bereits 1985 muss er das Unternehmen verlassen. Es war zu Streitigkeiten mit John Sculley, dem damaligen CEO von Apple Computer gekommen, dieser setzte sich durch. Schumpeters Modell des Unternehmers hätte Jobs dieses Ereignis vielleicht prognostizieren können: <em>„Weiter kann es zu gesellschaftlicher Ablehnung des Betreffenden und schließlich zu physischer Verhinderung seiner Absicht kommen”. </em>Jobs ist von seinem selbstgegründeten Unternehmen getrennt worden. Auch nachdem er 1996 Apple Inc. zurückkehrt begegnen ihm nicht selten Anfeindungen, diesmal von Seiten der Öffentlichkeit. Von Jobs gehen also auch Effekte der<em> Führung</em> aus. Diese beziehen sich jedoch eher auf die Konsumenten als auf die Produzenten anderer Produkte der Computer-Branche. Es gilt als Teil der unternehmerischen Strategie Jobs‘, die Exklusivität der Marke und ihrer Produkte zu erhalten. Vor allem Apples technologische Struktur steht dabei in der Kritik. Die Geräte sind mit fremden Produkten in der Regel nicht oder nur nach komplexer Einstellung kompatibel, sodass zum Beispiel Hardwareproduzenten es schwer haben, für Apple zu produzieren. In Bezug auf Software hat Jobs seine Politik zwar gelockert, aber die jüngsten Streitigkeiten mit dem Adobe-Konzern haben gezeigt, dass Apple selbst einer so verbreiteten Technologie wie dem Flash-Player seine Betriebssysteme nicht öffnen muss, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.</p>
<p>Effekte der <em>Führung</em> in Verbindung mit Apple-Produkten gibt es auf der Produzentenseite folglich nur sehr selektiv, wobei die Selektionskriterien nicht immer klar sind. Häufig scheint es sich um persönliche Animositäten Jobs‘ zu handeln, an anderer Stelle wieder um ein Kleinhalten potentieller zukünftiger Konkurrenten. In größerem Ausmaß lassen sich Führungseffekte daher in Bezug auf Nachahmer feststellen. Insbesondere das iPhone hat einen Konkurrenz-Markt für vielseitige und benutzerfreundliche Smartphones nach sich gezogen. Auch für das iPad deutet sich derzeit eine ähnliche Entwicklung an. Bemerkenswert ist dies insbesondere deshalb, weil es vorab keinerlei Nachfrage nach einem neuen Tablet-Computer gab. Einige Modelle waren während der 1990er Jahre am Markt sogar gescheitert. Jobs führt also ein Produkt ein, das eigentlich niemand nachfragen sollte – und findet trotzdem Absatz.</p>
<p>Mit dem iPhone, bei welchem auch die Bewegung hin zu immer kleiner werdenden Mobiltelefonen ignoriert und auf ein großes Display gesetzt wird, zeichnet sich auch ein Trend ab, der zu einer größeren Produktivität des gesamten sozioökonomischen Lebens beiträgt: Die Expansion des mobilen Internets. Als in großer Zahl Empfangsgeräte in das Netzwerk einströmten, mussten die Anbieter von Internetplattformen und Netzzugängen reagieren. Die Seiten-Betreiber hatten neue Arbeit in der Umprogrammierung ihrer Seiten und dem zur Verfügung stellen von „Apps“. Die Netzbetreiber hatten einen Anreiz, ihre Infrastruktur möglichst schnell zu mehr Leistungsfähigkeit auszubauen. So regte Steve Jobs mit einem neuen Mobiltelefon eine ganze Industrie zu neuem Wachstum an. Walt Rostow würde hier von einem Führungssektorkomplex sprechen und tatsächlich geht dieses Konzept auf die Ideen Schumpeters zurück.</p>
<h2>Jobs Einfachheit.</h2>
<p>Ein weiterer Aspekt ist die Einfachheit in der Bedienung. Jobs legt alle Apple-Produkte auf Unkompliziertheit aus – und dies, obwohl Apple-Computer bis vor wenigen Jahren meist geschäftlich genutzt wurden. Als Apple seinen Marktanteil vergrößern konnte und sich durch die Verfügbarkeit neuer, mit anderen Produkten kompatibler Software Netzwerkeffekte einstellen, müssen auch andere Anbieter reagieren und die Bedienbarkeit ihrer Programme vereinfachen. Diese hatten zuvor eher komplexere Systeme geschaffen. Hier folgte Apple als einziger Anbieter einer Nachfrage der Konsumenten.</p>
<p>Jobs verliert in der Zeit zwischen seiner Apple-Tätigkeit jedoch nicht seine Eigenschaft als Schumpeter’scher Entrepreneur. Er gründet die Computerfirma NeXT, die später die Basis für das Apple Betriebssystem OS X liefern wird. Außerdem kauft Jobs eine GrafikAbteilung von George Lucas‘ Lucasfilm Graphics Groups und gründet die Pixar Animation Studios. Zunächst werden nur Kurzfilme, zum Beispiel zu Werbezwecken, produziert. 1995 erscheint in Zusammenarbeit mit Disney die „Toy Story“, der erste vollständige Animationsfilm. Und Steve Jobs, der wohl schon vier Jahre nach der Gründung von Apple Computer Millionär geworden war, wird zum Milliardär. So scheint auch dieser Satz Schumpeters charakteristisch für einen Mann zu sein, den er niemals kennengelernt hatte: <em>„Er schafft rastlos, weil er nicht anders kann, er lebt nicht dazu, um sich des Erworbenen genießend zu erfreuen.“ </em></p>
<h2><em>Jobs Wille.<br />
</em></h2>
<p>Es mag zu weit gehen, Steve Jobs zu unterstellen, er wolle weder reich werden noch sich an seinem Reichtum erfreuen. Doch tatsächlich hat er sich seit seiner Rückkehr zu Apple jeweils nur einen US-Dollar Lohn pro Jahr zahlen lassen. Dafür bekam er, der wie erwähnt längst Milliardär ist, allerdings Aktienoptionen und ein Flugzeug von seinem Unternehmen – und natürlich Spesenerstattungen.</p>
<p>Steve Jobs Charakterzüge ohne gezielte Befragung feststellen zu wollen gestaltet sich schwierig. Dennoch können auf der Basis von Schumpeters Modell des Entrepreneurs einige Annahmen über die tieferen Beweggründe seines Handelns getroffen werden:</p>
<p><em>„Da ist zunächst der Traum und der Wille, ein privates Reich zu gründen”. </em>Eben dieses ist Steve Jobs gelungen. Als CEO von Apple ist er in der Lage, strategische Entscheidungen für das Unternehmen annähernd allein zu treffen. Nachdem ihm „sein Reich“ 1985 zwischenzeitlich abhanden gekommen war, gründete er mit NeXT und Pixar direkt zwei neue und führte sie zu ähnlichem Erfolg. Nachdem er Apple wieder übernommen hatte, gilt der Konzern als fixiert auf seine Person – so sehr, dass der Markenname Apple mit 11 Milliarden U.S.-Dollar im Vergleich zu anderen Marken wenig wert ist.</p>
<p><em>„Da ist sodann der Siegerwille. Kämpfenwollen einerseits, Erfolghabenwollen des Erfolges als solchen wegen andrerseits.“ </em>Steve Jobs hat gesiegt. Spätestens 1996, als Apple Inc. ihn in das von der gewaltigen Konkurrenz am Markt stark geschwächte Unternehmen zurückholte und ihm zunächst beratende, dann die leitende Tätigkeit gab. Und dann war es gerade die letzte von Schumpeters zentralen Eigenschaften des Unternehmers, der Apple wieder attraktiv machte: <em>„Freude am Gestalten endlich ist eine dritte solche Motivfamilie“. </em>Das Design machte die Produkte des Konzerns zu Trendobjekten. So steht beim Kauf nicht nur die Funktionalität im Vordergrund, sondern auch die Gestaltung des Artikels und die Attraktivität der Marke.</p>
<p>Schumpeter fordert von seinem Unternehmertypus jedoch viel. Nur die tatsächliche unternehmerische Aktivität zählt, um ein solcher zu sein, <em>„weshalb der den Charakter verliert, wenn er die geschaffene Unternehmung dann kreislaufmäßig weiterbetreibt“. </em>Diesen Charakter hat Jobs bis heute wohl niemals verloren. Eine dauerhafte Untätigkeit, ein Verharren in der funktionierenden Produktlinie lässt sich nicht feststellen.</p>
<p>So scheint es gerade einer wie Steve Jobs zu sein, von dem Joseph Schumpeter zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gesprochen hatte. Die Bewertung dieser Tätigkeit gestaltet sich jedoch schwierig. Gerade die quasi-monopolistischen Bestrebungen des Unternehmens sind mit Blick auf die Gesamtwirtschaft durchaus kritisch zu sehen, ebenso wie es die totale Fokussierung des Unternehmens auf die Figur Steve Jobs ist. So leicht wird es keinem anderen Entrepreneur gelingen, später einmal an Jobs Stelle zu treten.</p>
<h2>Literatur:</h2>
<p>Schumpeter, Joseph A., <em>Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus</em>, Zweite Aufl. Berlin 1926, S. 99-139.</p>
<p>Observer.guardian.co.uk: „<a title="Observer" href="http://www.guardian.co.uk/media/2006/jan/29/citynews.apple" target="_blank"><em>The non-stop revolutionary</em></a>“ vom 29. Januar 2006.</p>
<p>Welt.de: „<a title="WELT.de" href="http://www.welt.de/print-wams/article140717/Der_Mann_der_die_Welt_neu_erfand.html" target="_blank"><em>Der Mann, der die Welt neu erfand</em></a>“ vom 9. April 2006.</p>
<p>Capital.de: „<a title="Capital.de" href="http://www.capital.de/unternehmen/100008049.html" target="_blank"><em>His Steveness</em></a>“ vom 26. Oktober 2007.</p>
<p>Welt.de: „<a title="WELT.de" href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article2419788/Steve-Jobs-Superheld-der-Generation-iPod.html" target="_blank"><em>Steve Jobs – Superheld der Generation iPod</em></a>“ vom 9. September 2008.</p>
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		<title>Humandemokratie</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 17:33:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ist es das, was wir gewählt haben? Steuersenkungen, das klang ja ganz nett. Familienpolitik, Energiewirtschaft, das klang alles irgendwie ganz vernünftig. Und kompetent sehen sie aus, die Macher unserer neuen bürgerlich-liberalen Regierung. Aber ein derart faires und gleiches Krankenversicherungssystem, dass wirklich jeder Versicherte den gleichen Beitrag leistet? Das Ende der Umverteilung, so dass ein Wettbewerb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist es das, was wir gewählt haben? Steuersenkungen, das klang ja ganz nett. Familienpolitik, Energiewirtschaft, das klang alles irgendwie ganz vernünftig. Und kompetent sehen sie aus, die Macher unserer neuen bürgerlich-liberalen Regierung.</p>
<p>Aber ein derart faires und <em>gleiches </em>Krankenversicherungssystem, dass wirklich jeder Versicherte den gleichen Beitrag leistet? Das Ende der Umverteilung, so dass ein Wettbewerb entsteht, in dem Versicherte je nach verfügbarem Einkommen medizinische Leistungen kaufen können, das hat es uns gebracht.</p>
<p><span id="more-624"></span>Im Grunde ist das wirklich das, was wir gewählt haben. Aber <em>wollen </em>wir das? Würde <em>jeder </em>einen einkommensabhängigen Beitrag zur Versicherung <em>aller</em> leisten, könnte dieser wesentlich geringer ausfallen. Jeder könnte die gleichen Leistungen erhalten, Verwaltungskosten entfielen und das ganze Volk könnte gemeinsam Druck auf die Krankenversicherungen ausüben, dass diese Leistungen auch entsprechend gut ausfallen. Wenn alle das gleiche Ziel haben, drücken auch nur noch zwei Lobbys auf die Regierung: Volk und Krankenversicherung. Da sollten sie doch mal sehen.</p>
<p>Okay klingt gut, wird aber nicht eintreten. Ich seh das ganz marxistisch. Oder eher noch engelsistisch, wie man will. Denn wenn aus der zweiklassen Medizin jetzt eine vielschichtige jeder-kriegt-was-er-verdient-Medizin werden soll, knallt es sowieso bald richtig. Und wie sagte Friedrich Engels so schön:</p>
<p><em>Die Krise wird mir so gut tun wie ein Seebad.</em></p>
<p>Das wäre doch auch ein super Betätigungsfeld für die annähernd überflüssig gewordene SPD, jüngst an der sozialmarktwirtschaftlichen Mittel-Orientierung der neuen Regierungsparteien gescheitert. Die könnten aus ihrer Sozialdemokratie eine neue Humandemokratie machen und sich mal vernünftig dafür einsetzen, dass unser Gesundheitssystem nicht mehr so unglaublich scheisse ist. Es gibt nämlich durchaus eine Menge Leute, die sich wissenschaftlich damit beschäftigen &#8211; ohne aus Effizienzgründen vor lauter Freiheit und Gleichheit die Gerechtigkeit zu vergessen.</p>
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		<title>Which is the right answer in theory? Which in practice?</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 12:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Paul A. Samuelson: Economics. An Introductory Analysis Mindestlöhne und Sozialhilfe sollen ein Instrument zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit sein. Die Umverteilung von Umsätzen von den Kapitalerträgen hin zu den Arbeitnehmereinkommen führt bei fallender Konsumquote zu höheren Konsumausgaben, argumentieren Ökonomen. Mindestlöhne sorgen aber auch für Ausweichreaktionen auf andere Produktionsfaktoren als menschliche Arbeit und erhöhen den Markteintrittspreis der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Paul A. Samuelson: Economics. An Introductory Analysis</em></p>
<p>Mindestlöhne und Sozialhilfe sollen ein Instrument zur Erreichung sozialer Gerechtigkeit sein. Die Umverteilung von Umsätzen von den Kapitalerträgen hin zu den Arbeitnehmereinkommen führt bei fallender Konsumquote zu höheren Konsumausgaben, argumentieren Ökonomen. Mindestlöhne sorgen aber auch für Ausweichreaktionen auf andere Produktionsfaktoren als menschliche Arbeit und erhöhen den Markteintrittspreis der Produzenten, argumentieren andere Ökonomen. Im Extremfall können so Arbeitsplätze vernichtet und das Volkseinkommen verringert werden, beweisen Studien. Auf der anderen Seite kann bei höheren Stundenlöhnen auch die Wahl zwischen Freizeit und Arbeit beeinflusst werden – ebenfalls in beide Richtungen. Doch staatliche Markteingriffe unterliegen nicht nur den Gesetzen der ökonomischen Theorie, auch die praktische Umsetzung birgt ihre Probleme.</p>
<h2><span id="more-509"></span>Die Diktatur der Ökonomie</h2>
<p>Politische Programme unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit festzusetzen, ist schwierig genug. Gegenläufige Interessen und unterschiedliche Meinungen über die Wirkungen dieser Programme erschweren die Suche nach einer optimalen und gleichzeitig durchsetzbaren Handlungsstrategie zusätzlich. Da eine „Diktatur der Ökonomie“ nicht denkbar ist, könnte die Allgemeinbildung der Wähler einen Ansatzpunkt bieten, den Staat zu ökonomischem Handeln zu zwingen.<br />
Intelligente Staatsbürger sollten ihre Volkswirtschaft verstehen. Sie sollten die Entscheidungen der gewählten Volksvertreter verstehen und kritisch beurteilen können. Im Idealfall wären sie sogar in der Lage, Auswirkungen selbst einschätzen zu können. Diese Anforderungen stellt Paul A. Samuelson im Vorwort seiner „Economics. An Introductory Analysis“ an die Allgemeinbildung und an die Lehrmaterialien, also die Lehrbücher der Volkswirtschaftslehre. Doch die immer komplexer werdenden ökonomischen Methoden wirken sich nicht nur auf das Verständnis der Bürger aus. Schon kleine Abweichungen können zu gegenläufigen Ergebnissen führen. Und während die moderne ökonomische Forschung über die Grenzen ihrer Modellwelten hinaus blickt, kann sie in der realen Welt eine der wichtigsten Eigenschaften der Modelle nicht mehr wiederfinden: Die Eindeutigkeit der Ergebnisse. Das Beispiel der Mindestlöhne zeigt nicht nur, dass die Ökonomie selbst nicht immer den Weg zu wirtschaftlichem Erfolg kennt. Es macht auch deutlich, dass es manchmal den optimalen Weg überhaupt nicht gibt.</p>
<h2>Schöne theoretische Welt</h2>
<p>In theoretischen Modellen ist die Festsetzung von Arbeitslöhnen an einem vollkommenen Arbeitsmarkt einfach: Es gibt eine Zahl von Arbeitern, die ihre Arbeitskraft anbieten können. Außerdem gibt es die Arbeitgeber, die diese Arbeitskraft nachfragen. Beide Gruppen verfügen über die gleiche Verhandlungsmacht und über vollständige Informationen. Übersteigt das Arbeitsangebot die Nachfrage, können die Arbeitgeber den Lohn senken. In der Folge werden einige der Arbeiter ihre Arbeitskraft vom Markt nehmen, weil sie für den gebotenen Lohn nicht arbeiten wollen, der Nutzen von „Freizeit“ ist größer als der Nutzen des Arbeitslohnes. Das Arbeitsangebot fällt und es entsteht ein Gleichgewicht aus Arbeitsangebot und –nachfrage. Gibt es hingegen weniger Arbeitnehmer als Arbeitsplätze, müssen die Unternehmen als Nachfrager um die Arbeitnehmer konkurrieren, in dem sie höhere Löhne bieten. Da Arbeitskraft jedoch vor allem ein Produktionsfaktor ist, wird in der Folge die Güterherstellung für die Unternehmer teurer. Einige Unternehmer werden daher für die Güterproduktion mehr ausgeben müssen, als sie im Absatz erzielen können. Sie scheiden aus dem Markt aus oder ziehen sich freiwillig zurück – die Arbeitskraftnachfrage fällt und es entsteht erneut ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt.<br />
In Deutschland ist das Arbeitsangebot derzeit größer als die Nachfrage. Die Arbeitgeber haben somit keinen Anreiz, die Löhne zu erhöhen. Stattdessen sind die Einkommen so tief gesunken, dass sie als Lebensunterhalt nicht mehr ausreichen. Selbst wenn man annimmt, dass der Markt immer noch vollkommen ist, weil sich Verhandlungsmacht von Gewerkschaften und Unternehmern ausgleichen, ein Gleichgewicht entsteht am Arbeitsmarkt dennoch nicht, da außerhalb der Modellwelt das Arbeitseinkommen nicht durch den Genuss von Freizeit kompensiert werden kann. Selbst bei sehr niedrigem Lohnsatz wird das Arbeitsangebot daher nicht unter ein bestimmtes Niveau sinken.</p>
<h2>Markteingriff</h2>
<p>Hauptkritikpunkt ist die so entstehende Ungleichheit zwischen den verschiedenen Lohnempfängern. An dieser Stelle soll der Staat nun einspringen. Einerseits durch Umverteilung von Arbeitenden zu Erwerbslosen durch die Sozialhilfe. Andererseits durch Umverteilung von höheren Einkommen zu niedrigeren Einkommen durch staatliche Lohnaufstockung, sowie von Kapitaleinkommen zu niedrigen Einkommen durch die gesetzliche Festlegung von Mindestlöhnen.<br />
Nach Keynes‘ Theorie einer fallenden Konsumquote hätte die Umverteilung einen positiven Effekt auf die Güternachfrage, weil Menschen mit geringerem Einkommen einen größeren Teil dieser verkonsumieren und dem Wirtschaftskreislauf weniger Geld zu Spekulationszwecken entziehen. Da so die Gewinnmöglichkeiten der Unternehmer steigen, hätte die Umverteilung sogar einen positiven Effekt auf die Arbeitsnachfrage. Wenn die Güterpreise dabei konstant blieben, könnten mehr und andere Güter konsumiert werden, das Volkseinkommen würde also steigen. Die Theorie hat jedoch einen entscheidenden blinden Fleck gegenüber der realen Welt. Paul Samuelson brachte das Problem auf den Punkt:</p>
<h2>Other things will not remain equal.</h2>
<p>Ein Ansteigen der <em>Sozialhilfe</em>, finanziert durch die Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen, würde einerseits zu steigenden absoluten Konsumausgaben führen. Es würde aber auch Arbeit gegenüber der Freizeit unattraktiver machen. Das Arbeitsangebot ginge also zurück und die Arbeitgeber wären zur Zahlung höherer Löhne gezwungen, was wiederrum die Arbeitsnachfrage negativ beeinflussen würde und über die produzierte Gütermenge auch zu einer Verringerung des Volkseinkommens führen würde. Mehr Gleichheit bei den Einkünften ginge also zu Lasten der gesamtwirtschaftlichen Effizienz.<br />
Gesetzliche <em>Mindestlöhne</em>, die die Unternehmen dazu zwingen, höhere Gehälter zu zahlen, würden die Arbeitsnachfrage negativ beeinflussen und das Angebot positiv. Ein Marktgleichgewicht durch Preisanpassung wäre nicht mehr möglich. Jene Arbeitnehmer, die einen Arbeitsplatz ergattern konnten, haben in der Folge höhere Einkommen. Es werden jedoch weniger sein als vorher. Die Ungleichheit würde also nicht fallen, sondern tendenziell sogar steigen. Als zweifelhafte Lösung bietet sich hier die Schwarzarbeit an. Wie sich ohne Mindestlohn Arbeitskräfte finden, die für einen geringen Stundenlohn arbeiten, werden sich diese auch nach der Gesetzesänderung finden.<br />
Ein zweites Problem entsteht durch die Güterpreise. Unternehmen haben nicht nur die Möglichkeit, ihre Tätigkeit einzustellen oder ins Ausland zu verlagern, wenn ihre Faktorpreise steigen. Sie können die Erhöhung der Produktionskosten auch an die Konsumenten weitergeben. Dies gilt ins¬besondere, wenn konkurrierende Unternehmer sich bereits aus dem Markt zurückgezogen haben und das Güterangebot unter die Güternachfrage gesunken ist. An dieser Stelle kann im Extremfall eine Erhöhung des generellen Preisniveaus eintreten, also Inflation. Geringqualifizierten Arbeitnehmern droht also nicht nur ein verringertes Einkommen durch den Jobverlust, sondern auch noch höhere nominale Lebenshaltungskosten.<br />
Staatliche <em>Lohnaufstockung</em>, finanziert ebenfalls über die Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkünften, hätte auf die Freizeitpräferenz der Arbeitnehmer nur einen geringen Einfluss. Die höheren Löhne würden stattdessen das Arbeitsangebot positiv beeinflussen. Dadurch hätten die Arbeitgeber jedoch einen Anreiz, die Löhne zu senken. Da die Einkommen durch die staatliche Aufstockung faktisch nicht absinken können, könnte der Produktionsfaktor „Arbeit“ aus Unternehmerischer Perspektive auf diese Art sehr billig werden. Deutschland wäre damit für Unternehmer attraktiver und es würden mehr Güter im Inland produziert werden. Gleichzeitig würden die absoluten Konsumausgaben steigen. Beides hätte positive Effekte auf das Volkseinkommen. Die ständig sinkenden Löhne würden den Staat in der Praxis jedoch sehr schnell vor das Problem der Finanzierbarkeit stellen. Staat und Arbeitgeber müssten also ihren jeweiligen Anteil am Gesamtlohn regelmäßig neu aushandeln, wobei der Staat einen Machtvorteil und die Unternehmer einen Informationsvorsprung hätten.</p>
<h2>Machtkämpfe</h2>
<p>Auch die den Lohn selbst aushandelnden Parteien würden sich verändern. Wo aktuell Gewerkschaften und Arbeitgeber den Lohn festsetzen, stünden sich von nun an Gewerkschaften und Staat gegenüber. Korruptionsvorwürfe und –vorgänge würden die Verhandlungen erschweren. Dennoch erscheint diese Lösung aus der Perspektive der ökonomischen Theorie als die geeignetste. In der Praxis gilt dies nur unter Abwesenheit besserer Alternativen.</p>
<h2>Zaungast</h2>
<p>Auch die ökonomische Theorie hat also ihre Tücken. Was in der Modellwelt funktioniert, wird in der Realität von unzähligen Faktoren beeinflusst. Eine Studie über bereits eingeführte Mindestlöhne hat übrigens gezeigt, dass die Beschäftigung sogar angestiegen ist . Ob die Ursache hierfür überhaupt etwas mit den Mindestlöhnen zu tun hat, lässt sich nur schwer feststellen. Das zweite Problem ist, dass am Vorabend einer Wahl der eigene Nutzen immer wichtiger ist, als der wirtschaftliche Erfolg des Staates. Dies gilt für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und auch für Politiker. So lange die Ökonomie also keine Lösung findet, bei der jede Interessensgruppe glaubt, hinterher besser da zu stehen als vorher, kann sie beim Entscheidungsprozess nur zuschauen.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Als Essay bei Dr. Jan-Otmar Hesse  im Hauptseminar zu den Klassikern der Wirtschaftstheorie eingereicht, überarbeitete Version.</em></strong></p>
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		<title>Logik gegen Erfahrung</title>
		<link>http://blog.isabellprophet.net/2009/methodenstreit-schmoller.html</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 11:41:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gustav von Schmoller: Grundriss der allgemeinen Volkswirtschaftslehre Der Methodenstreit Der Weg von Gefühlen und Bedürfnissen hin zu allgemein gültigen Gesetzen der Volkswirtschaftslehre ist ein weiter. Die deutsche Historische Schule um Gustav von Schmoller versuchte dennoch, diesen Weg zu gehen. Doch der Ansatz, an Hand historischer Entwicklungen und ethischer Moralvorstellungen staatliche Institutionen zu fordern, führte zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Gustav von Schmoller: Grundriss der allgemeinen Volkswirtschaftslehre</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>Der Methodenstreit</em></p>
<p style="text-align: left;">Der Weg von Gefühlen und Bedürfnissen hin zu allgemein gültigen Gesetzen der Volkswirtschaftslehre ist ein weiter. Die deutsche Historische Schule um Gustav von Schmoller versuchte dennoch, diesen Weg zu gehen. Doch der Ansatz, an Hand historischer Entwicklungen und ethischer Moralvorstellungen staatliche Institutionen zu fordern, führte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum so genannten „Werturteilsstreit“, den die Historische Schule gewisser Maßen „verloren“ hat. Doch ist es in der heutigen Gesellschaft noch angemessen, die Wissenschaft von Werturteilen zu trennen? Wie logisch ist eine Logik, die geschichtliche Erfahrungen außer Acht lassen will?</p>
<p style="text-align: left;"><span id="more-454"></span>Gefühle prägen Bedürfnisse, Bedürfnisse prägen das menschliche Handeln. Sie treiben den Fort-schritt an, den wirtschaftlichen, vor allem aber auch den sozialen Fortschritt. Und so wie sich in Darwins Evolutionsszenario vorteilhafte biologische Eigenschaften in der Entwicklung des Men-schen durchsetzen, so setzen sich auch vorteilhafte Verhaltensweisen im gemeinschaftlichen Zu-sammenleben durch. Was dabei wirklich als Vorteilhaft anzusehen ist, kann sich über Jahrhunderte hinweg in der Gesellschaft entwickelt haben. So entstehen, nach Gustav von Schmoller, aus einer „Summe von Gewohnheiten und Regeln der Moral, der Sitte und des Rechtes, die einen gemeinsamen Mittelpunkt oder Zweck haben“ , bestimmte Institutionen und Organe, die dem gesellschaftlichen Zusammenleben einen Rahmen setzen. So sah Schmoller die Hauptaufgabe der Nationalökonomie darin, die moralischen und sittlichen Entstehungspfade gesellschaftlicher Insti-tutionen und Organe zu erforschen, da diese formend für die unterschiedlichen Epochen seien. Im Mittelpunkt der Untersuchungen sollte die Nation als Gemeinschaft stehen, nicht einzelne Akteure.</p>
<h2 style="text-align: left;">Diese Österreicher&#8230;</h2>
<p style="text-align: left;">Die Mitglieder der österreichischen „Grenznutzenschule“ der Nationalökonomie hatten im Gegensatz dazu vor allem das wirtschaftliche Handeln einzelner „rationaler Individuen“ untersucht. Im Rahmen der „exakten Richtung“ der Nationalökonomie stellten sie konkrete Regeln auf. Wesentli-che beobachtbare Verhaltensweisen wurden in Modellen isoliert um allgemein gültige Gesetze über das Verhalten von Individuen zu ermitteln. Normative, auf Werturteilen begründete Regeln zur Steigerung des Gemeinwohls lehnten sie ab.<br />
Im Methoden- oder auch Werturteilsstreit der beiden Gruppen ging es insbesondere auch um die Realitätsnähe der Nationalökonomie. Die eigene Methode galt jeweils als die einzig richtige. Doch in der Rückschau auf beide Vorgehensweisen ergeben sich eben in Bezug auf die Selbstdarstellung als Wirklichkeitswissenschaft gravierende Probleme:<br />
Die experimentelle Wirtschaftsforschung des neuen Jahrtausends widerlegt logisch-rationale Vor-stellungen vom wirtschaftlichen Handeln eines „homo oeconomicus“ immer wieder. Individuen handeln nicht egoistisch-rational, sondern werden von ihren Moralvorstellungen, ihrem Umfeld und ihren Erfahrungen beeinflusst. Auch nutzen sie nicht alle ihnen zur Verfügung stehenden Informationen. Es sind eben unter anderem genau jene von Schmoller beschriebenen Gefühle, die eine ökonomische Gesetzgebung so schwierig machen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Hilft alles nichts.</h2>
<p style="text-align: left;">Doch auch der normative Ansatz birgt Gefahren. So sind die auf Erfahrungen basierten Institutionen stark pfadabhängig. Schmollers Behauptung, es handele sich bei seinen Schlussfolgerungen nicht um „subjektive Anläufe“, sondern vielmehr um objektive Ergebnisse „dessen, was die Erfahrung, die Weisheit der Jahrhunderte in Bezug auf die vernünftige und richtige Behandlung prakti-scher Verhältnisse gefunden“ habe, ist selbst stark subjektiv geprägt. Auch was sich über Jahrhun-derte als akzeptabel oder vorteilhaft herausgestellt hat, ist schlussendlich nichts anderes, als ein Konsens innerhalb einer Gemeinschaft. Hierin liegt auch die Schwäche der Methode, wie sie unter anderem Carl Menger immer wieder kritisiert hat: Es ergeben sich keine allgemein gültigen Aussagen, Ergebnisse sind immer nur für die betrachtete Gesellschaft gültig. So nimmt die Frage nach den richtigen Erkenntnissen fast die Züge eines Konfessionsstreits an.</p>
<h2 style="text-align: left;">Hätte wäre wenn.</h2>
<p style="text-align: left;"><em>Vielleicht hätten sich die Parteien des Werturteilsstreits nicht so sehr auf die Methoden der je-weils anderen konzentrieren sollen, sondern stärker auf ihre eigenen Forschungsergebnisse. Kommen zwei Wissenschaften zu unterschiedlichen Befunden, so muss nicht zwangsläufig eine der Vorgehensweisen falsch sein. Wahrscheinlicher ist, dass auf Grund unvollständiger Informationen falsche Schlussfolgerungen gezogen wurden. So waren die Erkenntnisse der „exakten Richtung“ nur in einer auf konkreten Annahmen basierenden Wirklichkeit gültig, die der Historischen Schule nur in der eigenen.</em></p>
<h2 style="text-align: left;">Tugenden?</h2>
<p>Dennoch – oder gerade aus diesem Grund – erscheinen die von Schmoller aufgestellten Anforderungen an gesellschaftliche Institutionen für unsere eigene Gesellschaft tatsächlich angebracht zu sein. Insbesondere die nur kaum zu vereinbarenden gesellschaftlichen „Tugenden“ von Freiheit und Gleichheit stellt er dabei heraus.</p>
<h2>Freiheit</h2>
<p>„Schrankenlose Freiheit“, wie sie auch die liberale Ökonomie fordern würde, führe zwangsläufig zu Ausbeutung und Unterdrückung der „unteren Klassen“ und sei daher abzulehnen. Diese normative These, hinter der sich durchaus ein Sozialist vermuten lässt, hat sich nicht nur empirisch bewahrheitet. Sie behält auch in der Ökonomie der Gegenwart ihre Gültigkeit. Würde beispielsweise am Arbeitsmarkt ein Gleichgewicht über die Anpassung der Löhne hergestellt, hätte das große Arbeitsangebot diese unterhalb des Existenzminimums bewegt. So entwickelten sich die Institutionen des Arbeitsrechts und der sozialen Sicherung und als Organ die Möglichkeit der Ar-beitnehmer, sich zu Gewerkschaften zusammen zu schließen. Das Absinken der Löhne unter das Existenzminimum ohne soziale Absicherung hätte das Verhungern der Erwerbstätigen zur Folge. Da dies die Kaufkraft der „unteren Klassen“ mindert, birgt die „Anarchie des Marktes“, wie Karl Marx es formulierte, auch wertneutrale, ökonomisch erfassbare Risiken. Dem Politiker und Ökonom John Maynard Keynes gelang später in seinem makroökonomischen Modell der Konsumfunktion die formale Herleitung einer mit dem Einkommen fallenden Konsumquote.</p>
<h2>Gleichheit</h2>
<p>Auch die vielfach geforderte Gleichheit griff Schmoller an: Die „Unterschiede der Menschen“ ließen sich nicht leugnen und seien nur mit Gewalt zu beseitigen. Zudem sieht er Einkommen und Besitz, vor allem aber „Differenzierung“, als Motor für „höhere Entwicklung“. Auch an dieser Stelle gibt ihm die Geschichte Recht: Der erst Jahre später aufkommende Sozialismus der Sowjetunion führte nicht nur zu Gewalt und Unterdrückung, sondern auch zu mangelnder Produktivität. Gleichheit im Sinne einer „Ergebnisgerechtigkeit“ führt unter ökonomischer Betrachtung zu fehlenden Leistungsanreizen. Das rationale Individuum, welches die Ergebnisse seiner Arbeit mit weniger produktiven Individuen teilen muss, wird ebenfalls weniger Produzieren, da sein Lohn unter das Grenzprodukt seiner Arbeit sinkt und sich somit seine Leistungsanreize verringern. Auch wenn sich historische und Grenznutzenschule gegenseitig mehr als kritisch betrachteten, kamen dennoch beide Methoden zum gleichen Ergebnis.</p>
<h2>Gerechtigkeit</h2>
<p>Dennoch lässt sich aus diesen Beispielen nicht schlussfolgern, dass die formale Ökonomie alles leisten kann, was die historische Forschung als normativ angemessen ermittelt. Anstelle von Freiheit und Gleichheit sprach sich Schmoller schließlich für das Modell der Gerechtigkeit aus, welches den modernen Ideen von „Chancengleichheit“ vorgreift. Dieses Konzept verlangt die rechtliche Gleichbehandlung aller Menschen, sowohl vor dem Staat wie auch untereinander. Eine allgemein gültige Definition dieser Gerechtigkeit fehlt bei Schmoller jedoch, da die „feineren Gefühle“ und „geläuterten Urteile in Bezug auf das Gerechte“ immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen führen würden.</p>
<h2>Geht nicht gibts nicht.</h2>
<p>Aus ökonomischer Perspektive hat sich auch bis heute kein Mechanismus zur Herstellung objektiver Gerechtigkeit gefunden und auch normativ konnte man zu keinem Konsens gelangen. Politisch wird sie dennoch angestrebt und im Werturteil eines Großteils unserer heutigen Gesellschaft als erstrebenswert angesehen. Doch auch eine allgemein gültige gesellschaftliche Definition von Gerechtigkeit fehlt bislang. Die Ausrichtung staatlicher Organe und Institutionen auf Chancengleich-heit mag daher normativ geprägt sein, sie ist jedoch von der neutraleren Ökonomie abhängig, um nicht am Effizienzkriterium zu scheitern. Auf der anderen Seite ist auch die Ökonomie von den Werturteilen einer Historischen Schule abhängig, um nicht an den „irrationalen“ Handlungen der Individuen zu scheitern. Die in der Historischen Schule benutzten Werturteile entspringen schließlich den innerhalb einer Gesellschaft entstandenen Werturteilen der Individuen.</p>
<h2>Was ist Wissenschaft?</h2>
<p>Die Vorgehensweise der Historischen Schule mag dem heutigen Verständnis von „Nationalökonomie“ nicht mehr entsprechen, die Frage nach der Wissenschaftlichkeit scheitert daran jedoch nicht. Während zu Zeiten Schmollers die Nationalökonomie noch eine Disziplin an der Schnittstelle von Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften war, ist die aktuelle „Volkswirtschaftslehre“ oder „Ökonomie“ den Wirtschaftswissenschaften zugehörig. Schmollers Ansatz hingegen ist eher der Sozial- und Verhaltenspsychologie, und damit den Gesellschaftswissenschaften zuzuordnen. Allerdings sollte man, gerade in Hinblick auf Politikempfehlungen, den Gesellschaftswissenschaf-ten ihre Wissenschaftlichkeit keinesfalls absprechen. Politik wird nicht nur für die Wirtschaft gemacht, sondern auch und vor allem für die Gesellschaft.<br />
Der Streit um die richtige Methode ist daher obsolet, beide können und sollten nebeneinander praktiziert werden. Der Streit um Werturteile in der Wissenschaft hingegen ist auch heute noch wichtig, denn was eine formale Wissenschaft nicht leisten kann, muss von einer ethischen übernommen werden. Was eine ethische Wissenschaft leisten kann, muss eine formale evaluieren. Beide Wissenschaften stehen nicht entgegengesetzt zu einander, dafür sind sie einfach zu unterschiedlich.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Als Essay bei Dr. Jan-Otmar Hesse  im Hauptseminar zu den Klassikern der Wirtschaftstheorie eingereicht, überarbeitete Version.</em></strong></p>
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		<title>Masterstudienplatz für alle?</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 10:48:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestags gibt es eine neue Petition zum Thema Masterstudienplätze für alle. Ich halte es weiterhin für einen riesen Fehler, Masterstudienplätze unabhängig von Noten vergeben zu wollen und die Phrase &#8220;unabhängig von Note, Herkunft und sozialem Stand&#8221; ist nichts weiter als deplazierte Polemik. Trotzdem sollte es in meinen Augen möglich sein, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestags gibt es eine neue Petition zum Thema Masterstudienplätze für alle.</p>
<p><a href="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/07/bundestag.jpg"><img class="size-full wp-image-503" title="bundestag" src="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/07/bundestag.jpg" alt="Deutscher Bundestag, ePetitionen" width="277" height="106" /></a></p>
<p><span id="more-502"></span></p>
<p>Ich halte es weiterhin für einen riesen Fehler, Masterstudienplätze unabhängig von Noten vergeben zu wollen und die Phrase &#8220;unabhängig von Note, <em>Herkunft und sozialem Stand</em>&#8221; ist nichts weiter als deplazierte Polemik.</p>
<p>Trotzdem sollte es in meinen Augen möglich sein, dass jeder Student, der gewisse Vorleistungen erbracht hat, auch einen Masterstudienplatz erhält. Insbesondere in Bezug auf die Lehrerausbildung bleibt dies unumgänglich.</p>
<p>Daher, und weils ja irgendwie im Sinne aller ist und bleibt:</p>
<h2>Die Petition im Wortlaut:</h2>
<blockquote>
<div class="normaltext">Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass jeder Bachelorabsolvent einen Masterstudienplatz erhält, unabhängig von Note, Herkunft und sozialem Stand.</div>
<p><em>Begründung</em></p>
<div class="normaltext">Mit der jetzigen Regel, bei der es so organisiert ist, dass nicht alle einen Masterplatz erhalten, steigt der Konkurrenzkampf unter den Studenten. Es geht nur noch darum gute Noten zu erzielen, um einen Masterstudienplatz zu erhalten. Die Möglichkeit Interessen auch innerhalb des Studiums zu vertiefen bleibt aus. Der Bachelor ist meist nicht berufsqualifizierend, sodass die übrig gebliebenen Studenten kaum etwas mit dem Abschluss erreichen können. Zunehmend wird die Qualität sinken durch das angestrebte Ziel, dass die Studenten möglichst schnell das Studium beendet haben müssen. Dies alles ist nicht tragbar, wenn ein Studium interessant sein soll und auf den Beruf vorbereiten soll!</div>
</blockquote>
<div class="normaltext">Und nochmal der <a title="ePetitionen für den Deutschen Bundestag" href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=5178" target="_blank">Link</a>.</div>
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		<title>Freiheit, Gleichheit, Effizienz</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 10:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[War der sowjetische Sozialismus zum Scheitern verurteilt? Die sozialistische Umgestaltung der sowjetischen Republiken war Lebens-aufgabe und Lebensberechtigung der bolschewistischen Partei. Doch ohne weiteres wollte sich die Bevölkerung nicht umgestalten lassen. Bald schon sah man aus der Perspektive der Parteispitze überall Feinde der geplanten „Modernisierung“. Doch war die versprochene Gleichheit und Freiheit unter der eingeforderten wirtschaftlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>War der sowjetische Sozialismus zum Scheitern verurteilt?</em></p>
<p>Die sozialistische Umgestaltung der sowjetischen Republiken war Lebens-aufgabe und Lebensberechtigung der bolschewistischen Partei. Doch ohne weiteres wollte sich die Bevölkerung nicht umgestalten lassen. Bald schon sah man aus der Perspektive der Parteispitze überall Feinde der geplanten „Modernisierung“. Doch war die versprochene Gleichheit und Freiheit unter der eingeforderten wirtschaftlichen Effizienz überhaupt realisierbar, oder war die Beseitigung angeblicher Sowjetfeinde ein Kampf an der völlig falschen Front?</p>
<p><span id="more-442"></span></p>
<h2>Ein perfekter Plan</h2>
<p>Es hätte funktionieren müssen. Ob man seitens der Parteiführung nun an die sozialistische Ideologie glaubte oder sie nur als Machtinstrument einsetzte, ei-gentlich hätte die vollständige Beseitigung des Kapitalismus hin zur Erschaffung eines sozialistischen Staates viel reibungsloser ablaufen müssen. Schließlich war das Proletariat das Volk und die „Diktatur des Proletariats“ eine Übergangsphase im Sinne dieses Volkes. Freiheit und Gleichheit und fortschrittliche Industrialisie-rung hätten sich eigentlich zu Selbstläufern entwickeln müssen. Stattdessen fand man sich in den späten 1920er Jahren in einem semi-kapitalistischen System wieder, in der nach wie vor Privateigentum sowie die „Anarchie des Marktes“ von Lenins Neuer Ökonomischer Politik die Freiheit und Gleichheit des Volkes unterwanderten – und von erfolgreicher Industrialisierung konnte man auch nicht sprechen. Die Parteispitze wurde aktiv und es begann eine Politik des „Gärtnerstaates“: Die Gesellschaft sollte vereinheitlicht werden, ideologische Gegner als Unkraut entfernt.</p>
<h2>Zeichen des Erfolgs</h2>
<p>Zehn Jahre später, nach Vollendung des ersten und etwa zur Mitte des zweiten Fünf-Jahres-Plans, war man dem Sozialismus zumindest näher gekommen: Es gab kein Privateigentum und damit auch keinen Markt mehr. Die persönliche Bereicherung einzelner Unternehmer aus markwirtschaftlichen Profiten war unterbunden worden. Und auch wenn die Untersuchung der Machtverhältnisse in der Landbevölkerung durchaus lokale Abweichungen offenbart, in der Gesamtbe-trachtung konnte man tatsächlich von „Gleichheit“ in der Bevölkerung sprechen.<br />
Auch in Hinblick auf die industrielle Entfaltung hatte es Fortschritte gegeben. Die Fabriken waren aufgebaut und weiterentwickelt worden. Problematisch war je-doch, als Folge des hohen Effizienzdrucks der Parteiführung, die hohe Fehleranfälligkeit – sowohl von Mensch, wie auch von Maschine. Das zweite Problem lag in der Versorgung der Arbeiter: Die Kollektivierung der Landwirtschaft hatte die Produktion von Nahrungsmitteln stark gedämpft, da niemand mehr vom Enga-gement bei der eigenen Arbeit profitieren konnte und alternative Leistungsanreize fehlten. Aus sozialistischer Perspektive war die Vergesellschaftung der Produktionsmittel also erfolgreich vorangeschritten. Der Preis des gesellschaftlichen Fortschritts wurde jedoch mit wirtschaftlichem Erfolg bezahlt: Der Wohlstand wuchs nicht, er verringerte sich.</p>
<h2>Proletarische Revolution</h2>
<p>Stalin selbst bezeichnete die „Diktatur des Proletariats“ bereits 1924 als „Instrument der proletarischen Revolution“ (Lit. 1). Diese Diktatur sei notwendig, um die geänderten Machtverhältnisse im Staat festigen zu können. Als Abgrenzung zur totalitären Diktatur sagt er jedoch in Bezug auf die sowjetische Regierung, dass „die Diktatur des Proletariats die Diktatur der ausgebeuteten Mehrheit über die ausbeutende Minderheit ist“. Ob er nun gelogen oder geirrt hat – in der Diktatur der Sowjetunion herrschten wenige über viele. Das Politbüro um Stalin beschnitt – nur als Beispiele – die Freizügigkeit innerhalb des eigenen Staates, etablierte die Zwangsarbeit für ganze Bevölkerungsgruppen und betrachtete Kritiker und selbst Zweifler als Feinde der sozialistischen Ideologie. Demokratisch vom Volk legitimiert waren sie dabei nicht. Marktwirtschaftliche Zwänge gab es – in Abwesenheit einer Marktwirtschaft – natürlich nicht mehr, dieses Ziel war erreicht worden. Was die Freiheit des Einzelnen betrifft, zeigte sich die „Diktatur des Proletariats“ im buchstäblichen Sinne: als Diktatur, aufgezwungen einer pro-letarischen Elite.<br />
Wäre das sowjetische Volk, insbesondere die Bauern und Landarbeiter, also lie-ber kapitalistisch geblieben? Scheiterte die neue Gesellschaftsordnung an der Ablehnung der Bevölkerung? Oder ist der Sozialismus ohne die Ausübung von Zwang (und damit auf Kosten der Freiheit) nicht dauerhaft realisierbar?</p>
<h2>Marxistischer Kapitalismus</h2>
<p>Vielleicht gingen sie einfach zu schnell vor. In anderen Ländern stellte besonders der Schutz des privaten Eigentums eine der bedeutendsten Antriebskräfte des wirtschaftlichen Fortschritts dar. Die Notwendigkeit des Eigentumsrechts im Sin-ne einer staatlichen Institution war über lange Zeit in der Gesellschaft erwachsen und erst dann realisiert worden. Ebenso war auch die Notwendigkeit für die Züge einer Marktwirtschaft in Lenins Neuer Ökonomischen Politik quasi „von selbst“ entstanden und dann von Seiten des Staates umgesetzt worden. So sehen auch Karl Marx und Friedrich Engels den Kapitalismus als eine zwingende notwendige Etappe jeder Geschichte. Nur der Kapitalismus kann eine Krise zwischen Bour-geoisie und Proletariat erzeugen, die stark genug ist, eine Revolution auszulösen, nach deren Abschluss sich kommunistisch-sozialistische Gesellschaftsstrukturen durchgesetzt haben.<br />
Gustav von Schmoller, Vertreter der „Historischen Schule“, beschreibt gesell-schaftliche Institutionen als „dauernde Formen des gesellschaftlichen Lebens, welche den verschiedenen Zwecken der Gesellschaft, vielleicht vor allem den wirtschaftlichen dienen“. Sie entstehen aus „Sitte, Recht und Moral“, aber auch aus „den täglich sich ergebenden Berührungen“. Allgemein gültige und aner-kannte Regeln erwachsen somit aus der Erfahrung einer ganzen Gesellschaft. Schmoller spricht dabei nicht nur von einer bestimmten Gegenwart, sondern über „Jahrhunderte und Jahrtausende“ gesellschaftlichen Handelns, welche bestimmte Regeln des Zusammenlebens als Vorteilhaft erkennen lassen.<br />
Der Sozialismus der Sowjetunion war nicht gewachsen. Auch wenn die Kollekti-vierung des Eigentums nur schrittweise erfolgte, so fehlten ihr sowohl die histo-rische Tradition wie auch ein gesellschaftliches Gefühl der Notwendigkeit. Insbe-sondere die Landbevölkerung hatte gelernt, dass Wohlstand nur aus harter Arbeit und Verteidigung des Eigentums erwachsen konnte. Plötzlich sollten sie ihre Arbeit für den Wohlstand anderer leisten und ihr Eigentum teilen.</p>
<h2>Zu viel und zu schnell</h2>
<p>Gustav von Schmoller sieht in den Institutionen, die den Vorgaben der bolsche-wistischen Parteiführung entsprechen, den Rahmen für bereits vorhandenes, gesellschaftlich seit langem praktiziertes Verhalten. Die sowjetischen „Institutionen“ beschränkten das Handeln der Bevölkerung jedoch nicht auf einen konkreten Rahmen: Sie wollten es von Grund auf verändern und beseitigten jene Bevölkerungsteile, die im Weg standen – oder im Weg stehen könnten.<br />
Dieser Sprung war zu groß. Ob Sozialismus möglich ist, kann auch das Modell der Historischen Schule nicht erklären. Wirklich realisiert werden wird er jedoch nur, wenn er sich auf lange Sicht als gesellschaftlich optimal erweist. Dies war in der Sowjetunion nicht passiert, daher war der Sozialismus, wie ihn die Diktatoren des Proletariats verwirklichen wollten, von Anfang an zum Scheitern verurteilt.</p>
<h2>Literatur</h2>
<address>Lit.1:	Stalin, Josef: „Über die Grundlagen des Leninismus IV: Die Diktatur des Proletariats“, (1926), in: &#8220;Stalin-Werke“, Band 6.</address>
<address>Malia, Martin: „The soviet tragedy: A History of Socialism in Russia“; in: D.L. Hoffmann (Hrsg): “Stalinism. The Essential Readings” (2003).<br />
Von Schmoller, Gustav: „Grundriss der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre“; (1890).</address>
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		<title>Caritas in veritate</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 17:16:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebe in Wahrheit. Das klingt für die Zyniker unter uns schon etwas nach Widerspruch. Wenn die Kirche, allen voran der Papst, sich an die Wirtschaft wendet, dann klingt das für noch mehr Menschen nach Widerspruch. War das alles? Schön wärs. Denn um Moralvorstellungen geht es auch noch. Moral? Kirche? Ohje. Vorstellungen. Achso. Die Forderungen sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Liebe in Wahrheit.</em> Das klingt für die Zyniker unter uns schon etwas nach Widerspruch. Wenn die Kirche, allen voran der Papst, sich an die Wirtschaft wendet, dann klingt das für noch mehr Menschen nach Widerspruch. War das alles? Schön wärs. Denn um Moralvorstellungen geht es auch noch. Moral? Kirche? <em>Ohje</em>. Vorstellungen. <em>Achso</em>.</p>
<p><span id="more-460"></span>Die Forderungen sind nicht so weltfremd, wie man an dieser Stelle befürchten könnte. Schutz für Schwache, Marktregulation, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit. Das klingt gut. Nicht neu, aber auch nicht schlecht.</p>
<p><span style="text-decoration: line-through;">Der Originaltext</span> Der Text des Vatikans klingt vermutlich nicht ganz so schön, ist er schließlich <span style="text-decoration: line-through;">auf Latein verfasst</span> extra ins Lateinische übersetzt worden. Warum ist nicht klar, aber darin liegt für den Spiegel zumindest der Grund für die Verstpätung der Päpstlichen Maßregelung: Worte wie &#8220;Kreditklemme&#8221; oder &#8220;Investmentbank&#8221; wollen schließlich erstmal übersetzt werden.</p>
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		<title>Forschung für nichts</title>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2009 19:29:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unglaublich. Die benutzen Quoten zur Messung von Armut. Tiefe der Armut, Ungleichheit, Subsistenzniveau&#8230; Wen kümmerts? Können wir die VWL als Fach bitte abschaffen? Zählen und ein bisschen Rechnen scheint absolut zu reichen. Everything I need to know in life I learned in Kindergarten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unglaublich.</p>
<p>Die benutzen Quoten zur Messung von Armut.</p>
<p>Tiefe der Armut, <a title="Williamson in Goettingen" href="http://blog.isabellprophet.net/2009/goettingen-history-without-evidence-williamson-inequality-latin-america.html" target="_blank">Ungleichheit</a>, Subsistenzniveau&#8230; Wen kümmerts?</p>
<p>Können wir die VWL als Fach bitte abschaffen? Zählen und ein bisschen Rechnen scheint absolut zu reichen.</p>
<p>Everything I need to know in life I learned in Kindergarten.</p>
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		<title>Geschichte ohne Anhaltspunkte</title>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 10:09:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Is this guy nuts? He&#8217;s got data for 1491? Well&#8230; probably not. I&#8217;m just guessing. Was der rennomierte Harvard-Forscher Jeffrey Williamson am 14. Mai 2009 an der Universität Göttingen vorstellte war vielleicht wirklich nur gut geraten. Vor allem aber war es der &#8220;Take-Off&#8221; für einen Richtungswechsel in der Ungleichheitsforschung. Sein Ergebnis: Persistent inequality in Latin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><em>Is this guy nuts? He&#8217;s got data for 1491?</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>Well&#8230; probably not. I&#8217;m just guessing.</em></p>
<p>Was der rennomierte Harvard-Forscher <a href="http://www.economics.harvard.edu/faculty/williamson" target="_blank">Jeffrey Williamson</a> am 14. Mai 2009 an der Universität Göttingen vorstellte war vielleicht wirklich nur gut geraten. Vor allem aber war es der &#8220;Take-Off&#8221; für einen Richtungswechsel in der Ungleichheitsforschung. Sein Ergebnis: Persistent inequality in Latin America is a myth!</p>
<p><span id="more-395"></span>Latein Amerika ist ein Land der Extreme. Extreme Armut, extremer Reichtum. Und so ist es auch schon immer gewesen. Und deswegen hat sich das Land auch so spät entwickelt.  Eine einleuchtende These, nur leider falsch.</p>
<p>In seinem Paper &#8220;<a title="Paper als PDF via harvard.edu" href="http://www.wcfia.harvard.edu/sites/default/files/Williamson.pdf" target="_blank">History without evidence: Latin American inequality since 1491</a>&#8221; untersuchte Williamson an Hand von so genannten Social Tables (Klasseneinteilungen mit Einkommensdaten) die Ginikoeffizienten einer Grundgesamtheit von&#8230; 29 (unterschiedliche Länder und Zeitpunkte). Ohne Daten über die Varianz innerhalb der Gruppen zu haben. Ist das Signifikant? <em>Nein</em>. Aber das ändert auch nichts an seinem überraschenden Ergebnis: Das die Ungleichheit, vor allem zu Zeiten vor der Kolonialisierung, mehr als niedrig war. Sie war die niedrigste überhaupt.</p>
<p>Auch kann man wirklich nicht behaupten, dass Ungleichheit das Wachstum behindert. Das hätte dann nämlich die Industrielle Revolution (oder wie auch immer man es nennen möchte) in Europa verhindert, hier wars nämlich viel ungleicher als drüben.</p>
<p>Die Datenbasis lässt sich natürlich kritisieren, insbesondere der Punkt, dass einige Ungleichheitswerte schlichtweg mittels ökonometrischer Regression ermittelt wurden. Dennoch, die These, dass traditionell starke Ungleichheit in Latein Amerika nichts als ein Mythos ist, kann man auch mit wenigen Daten stützen, wenn man diese mit europäischen Werten vergleicht.</p>
<p>Derweil sitzen andere Forscher schon wieder in Archiven und stellen neue Social Tables zusammen. In zehn Jahren, erwartet Williamson, wird seine Forschung wesentlich aufgearbeitet sein. Umdrehen wird sich das Ergebnis allerdings nicht mehr.</p>
<h2>Neue Methode &#8211; maximale Ungleichheit</h2>
<p>Mit seinem Paper stellte Williamson auch eine neue Methode der Ungleichheitsforschung vor. Anstatt nur den Gini-Koeffizienten zu ermitteln, bei dem die Ungleichheit an Hand der Einkommensverteilung gemessen wird, betrachtete er die <em>extraction ratio </em>und die <em>inequality possibility frontier. </em>Hierbei wird die Kaufkraft von 300$ (von 1990) als überlebensnotwendig angenommen. Alles andere können &#8220;die Reichen&#8221; gerne von den Armen nehmen, verhungern tun die dann nicht. Je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf also ist, desto ungleicher kann so ein Land auch sein. Die extraction ratio beizeichnet dann das, was sie in der Realität genommen haben bzw nehmen, geteilt durch das, was sie hätten nehmen können.</p>
<p>Vielleicht ein interessantes Konzept, dass den Gini-Index jetzt vergleichbarer und realistischer macht.</p>
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		<title>Crisis, what (&#039;s a) crisis?</title>
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		<pubDate>Wed, 13 May 2009 12:24:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts als Probleme in der Welt. Hypothekenkrise, Bankenkrise, Finanzmarktkrise, <em>Wirtschaftskrise</em>&#8230; Weltkrise? Lässt sich ja alles noch steigern. Aber wo fängt eine Krise an? Und gibts eigentlich auch irgendwann mal keine Krise?</p>
<p><span id="more-366"></span></p>
<p>Keine Krise. Wann gab es das mal? Börsenkrise herrscht eigentlich immer, wenn die Kurse einige Tage abwärts tendieren. Nahrungsmittelkrisen gibt es schon mein ganzes Leben lang: BSE, Pflanzengift, Schweinepest, Geflügelpest, Geflügelgrippe, Schweinegrippe. Eigentlich kann niemand von mir erwarten, dass ich überhaupt noch etwas anderes als Schokolade zu mir nehme.</p>
<p>Ist auf den ersten Blick keine Krise erkennbar, findet sich meistens schnell eine: Mindestens für eine Klimakrise ist mitlerweile sowieso schon egal, welches Wetter gerade herrscht. Ansonsten ist es halt die Saure-Gurken-Zeit, auch irgendwie eine Krise. Generell scheint der Begriff  &#8220;Krise&#8221; heute synonym zu &#8220;Gegenwart&#8221; verwendet zu werden.</p>
<p>Die Medizin begreift die Krise übrigens als jene Phase, in der unklar ist, ob der Patient leben oder sterben wird. Im Krisenbegriff geht es eigentlich um eine finale Zuspitzung zweier Extreme, von denen zwangsläufig eines eintreten wird. Dem kann man eigentlich Intuitiv zustimmen&#8230; warten wir also ab, ob es nach der aktuellen <em>Krise </em>noch eine <em>Wirtschaft </em>geben wird &#8211; oder nicht.</p>
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