Boxsack.

Dec 28
Posted by Isa Filed in Celle

Was tun Sie, wenn Sie sich über die Bahn ärgern? Ein verpasstes Flugzeug, elend lange Wartezeiten, unfreundliche Service-Kräfte? Ich wähle spontan zwischen zwei Strategien: Durchatmen, entspannen, mich daran erinnern, dass die Welt weniger untergeht, als es mir gerade erscheinen mag. Lächeln. Oder ausrasten und meinen Ärger an Fremden, vorzugsweise komplett Unbeteiligten auslassen.

Eine Freundin von mir weilt in Shanghai, da hat sie eine weit bessere Lösung gefunden: Boxsäcke! In den U-Bahnstationen der chinesischen Metropole hängen diese Dinger von der Decke. Keine schlechte Idee, im Jahr wartet der Durchschnittschinese 1824 Minuten auf seine Bahn. Das sind mehr als 30 Stunden. So verliert man Lebenszeit.

Die Idee also, grundsätzlich schon einmal gar nicht schlecht. Punching-Bälle am Bahnhof in Celle, da freuen sich auch die ICE-Fahrgäste, wenn der Zugführer wieder mal einen Halt vergessen hatte. Tiefenentspannt und gut trainiert können sie in den nächsten Zug einsteigen.

Aber warum die Idee nicht weiterspinnen? Punching-Bälle an Tankstellen, man denke an die Spritpreise. Warum nicht an Straßenrändern; die Hannoversche Straße morgens um acht würde zum  Sportgelände werden. Im Wartezimmer bei manchem Arzt und warum nicht gleich auch neben der Waage? Als erstes hänge ich mir einen Boxsack neben den Briefkasten, könnte bald ein Liebesbrief aus Flensburg eintrudeln.

Die Chinesen haben es raus. Wie viel ausgeglichener wären wir, wenn die Energie des Augenblicks in sportliches Boxen fließen würde? Gewalt mag keine Lösung sein, sie lenkt aber vom Problem ab.

Wutbürger.

Dec 22
Posted by Isa Filed in Celle

Hand aufs Herz: Wie viele Crêpes, wie viele Tüten Schmalzkuchen haben Sie in diesem Winter schon gegessen? Wie viele waren es beim Oktober-, beim Sommer-, beim Frühlingsfest? Und jetzt rechnen Sie das mal auf Ihr Leben hoch. Schmeckt’s noch?

Ich kann das Zeug nicht mehr sehen. In Fett gebackene Kohlenhydrate mit Extra Zucker, quasi Kohlenhydrate zum Quadrat. Und wäre das Fett nicht so alt wie das Rezept selbst, die Dinger würden nach gar nichts schmecken.

Ich fordere: Die sollen sich endlich mal etwas Neues einfallen lassen! Vorzugsweise was mit Schokolade, daran, versprochen, werde ich mich im Leben nicht satt essen. Wir müssen natürlich auch zusammenhalten, nur dann können wir Druck ausüben. Boykott gegen Crêpes und Schmalzkuchen. Ich zähle auf Sie!

Tiefflug.

Dec 17
Posted by Isa Filed in Celle

Völlig losgelöst von der Erde schwebt der Bundestag, nein, schwebt eigentlich das Raumschiff, auch wenn es vielen Bürgern so vorkommt, als habe sich Ersterer längst in Letzterem von ihnen verabschiedet.

Die Bundestags-Abgeordnete Kirsten Lühmann und ihr Landtagskollege Rolf Meyer wissen jetzt, wie es geht: Nahe Faßbergs besichtigten sie eine Firma, die Weltraumlabore und – zum Abheben – Trägerraketen entwickelt. Bei der Kommunalwahl könnte das neue Technikspielzeug der Celler Sozialdemokraten brauchbar sein; ist der Landkreis doch schließlich traditionell von tiefschwarzer politischer Couleur. Mit dem Weltraumlabor könnte es außerdem gelingen, die Linken wieder einzufangen, sie fliegen hierzulande meist eher unter dem Radar. Klappt es am Wahltag wieder nicht, kein Problem: Die Faßberger Firma stellt auch Rettungssysteme für U-Boote her.

Von Winsern und Zypressen.

Dec 12
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Sie können sie bald nicht mehr hören, meine Kollegen, meine Frage aller Fragen: Sind es nun Winser oder Winsener? Berger oder Bergener? Höfer, Höferer, Höferaner? Hermansbürger? Eschedeaner?

Ich habe die Winsener und Bergener lange und tapfer durchgehalten, meine Kollegen haben das lange und tapfer und immer wieder korrigiert. Hochdeutsch und korrekt sei es ja durchaus, aber trotzdem rede kein Mensch so und in die Zeitung gehöre das auch nicht.

Nun habe ich mal nachgefragt, in Winsen, am Wochenende beim Kartoffelmarkt. Und siehe da, meine Winsener nennen sich tatsächlich viel lieber Winser. Na gut, sagt sich die engagierte Volontärin, und wird Ihnen die überschüssigen Buchstaben künftig ersparen. Ist ja so auch viel ökonomischer. Nur für die anderen Orte und Gemeinden im Landkreis muss ich das noch klären. Ausschließen kann ich schon einmal die Flotwedelnden, Lohheiden, Bröckelnden und Schwachhausenden.

Bleibt abzuwarten, ob in meiner Zeit als Politik-Volontärin auf Zypern alles ruhig bleibt. Wenn nicht, versprochen, werde ich mit den Auswärtigen Amt mal ein ernstes Wort über die Empfehlungen zu anderen Ländern sprechen. Ich bin ganz klar dafür, die Damen der Insel nicht länger mit dem unschönen Wort “Zypriotinnen” zu quälen, moderner sagt man “Zyprerrinnen”, auch nicht besser. Sprechen Sie das mal laut aus! Viel hübscher: Zypressen.

Suchanzeige.

Dec 8
Posted by Isa Filed in Celle

Da war dieses Rascheln im Haus meines Bekannten. Seine Frau: „Tu was.“ Er: Tat was. Er suchte. Einige Nächte lang stöberte er dem unliebsamen Geräusch nach und, ganz patent, fand den Grund auch bald: Es war eine Ratte, er steckte sie in einen Karton. Sie: „IEEEH!“ Also: Das possierliche Tierchen musste sterben.

Dachte sich mein Bekannter.

So sah seine Frau das dann aber doch nicht mehr: „OOOH!“ und ein trauriger Blick dazu. Das possierliche Tierchen musste doch nicht sterben, die Frau meines Bekannten fütterte es erst einmal.

Das Ende des Rattenlebens? Ist mir persönlich nicht bekannt. Aus ihrem urgemütlichen Karton mit Vollpension flog sie jedenfalls alsbald raus: Mein Bekannter fuhr sie nach Papenhorst und setzte sie am Waldrand aus. Dies ist eine Suchanzeige. Wer die Ratte gesehen hat, die Frau meines Bekannten hätte sie gern zurück. Isabell Prophet

Pflaumenkuchen.

Aug 20
Posted by Isa Filed in Celle, Gesellschaft

Ich mag meine Mittagspause. Ich verbringe sie mit mir selbst auf einer Parkbank und beobachte Menschen. Vorzugsweise Touristen, in Celle bietet sich das irgendwie an. Manchmal rede ich auch mit ihnen; was täte ich lieber, als Ratschläge zu verteilen? Man sieht es mir wohl mittlerweile an, das leicht Klugscheißerische.

So kam es gestern, dass ich vor der Stadtkirche saß, die (Achtung, Insider-Schmunzler) Sichtachse zum Schloss auf mich wirken ließ, ein Fischbrötchen futterte, dabei liebevoll die Sauce auf meiner Jeans verteilte. Eine nicht ganz jungebliebene und auch sonst alles andere als rüstige Dame setzte sich zu mir. Sah mich an; Ich sah sie an.

Das war der Fehler.

Gibt es hier gar keine Cafés? Ich hätte die Klappe halten sollen. Deutliches Warnsignal: Elf und elfeinhalb Meter entfernt – jeweils ein Café. Ich hätte die Klappe halten sollen. Hab ich natürlich nicht, ich erklärte ihr den Weg zu den nächsten Cafés – war ja nicht schwer, lagen schließlich auf der anderen Seite der Sichtachse – und dann noch den zum angeblich besten Café der Stadt. Pflaumenkuchen wollte sie.

Gibt es hier soetwas gar nicht? Pflaumenkuchen gab es gegenüber nicht, elf Meter entfernt nicht, elfeinhalb Meter entfernt nicht. Wie das denn sein kann? Ich habe wirklich keine Ahnung, ob es hier soetwas gar nicht gibt und es ist mir auch wirklich ziemlich egal. Schwanger konnte sie nicht sein, zumindest hoffte ich das. Aber für Pflaumenkuchen mögen Rentner auch ihre ganz eigenen Beweggründe haben, man verzeihe mir die Bilder, die diese Andeutung erzeugt. Das angeblich beste Café der Stadt jedenfalls, das würde sie ja wohl nicht schaffen, mit ihrem Knie und so und ich widmete mich wieder meinem Jeansfischsaucenmodedesign aber das war ihr auch wirklich ziemlich egal. Das es soetwas in Celle nicht gab? Und das war ja alles viel zu weitläufig hier. Zu anstrengend. Darauf erst einmal eine rauchen, ob mich das störe?

Glaubt ihr wirklich, das hat sie gefragt?

Aggroline.

Nov 18
Posted by Isa Filed in Arbeit, Celle

Ich muss gestehen, so ein wenig unjournalistisch ist das ja schon. Man könnte auch ganz ehrlich sagen: Eigentlich ist das ja schlicht weg falsch. Aggroliner. Ach, so nennt sich doch keiner.

Read the rest of this entry »

Von Blinkern und Blitzern.

Nov 16
Posted by Isa Filed in Arbeit, Celle

Nein, es ist nicht alles schlecht. Also zumindest nicht immer. Es gibt sie auch noch, diese echt netten Menschen, die mit der Lichthupe ein kleines Feuerwerk entfachen und einen entrückt und verwirrt zurücklassen. Was war denn nur passiert? Mein Licht kaputt? Aber nein, die vergangene Nacht, da ging es doch noch! Also was? Was denn nur? Mache ich etwas falsch? Ich konnte es mir nicht erklären. Vielleicht war es ein Freund? Hätte ich zurückblinkern sollen? Nein, also Menschen mit solchen Autos kenne ich nicht. Also was war denn nur? Mein Weg war nicht unbedingt mit Erklärungen gepflastert.

Read the rest of this entry »

Geisteskranke, ich hatte es ja erwähnt…

Nov 9
Posted by Isa Filed in Arbeit, Celle

Die ersten Verrückten konnten ja nicht lange auf sich warten lassen. An dieser Stelle noch einmal danke an den Hannoveraner, der mich mit Hupe und Lichtgewitter bedrängelt hat. Der LKW-Fahrer vor mir, der ja nun wirklich schneller um die enge Kurve hätte fahren müssen, unmöglich sowas, ist wahrscheinlich immer noch traumatisiert. 50 ist an der Straße danach übrigens, weil vor einigen Jahren ein Mädchen sterben musste. Aber für 10 Minuten hupen, blinken und drängeln gabs bestimmt nen echt guten Grund.

Gute Fahrt.

Vogel.

Pendlerin.

Nov 8
Posted by Isa Filed in Arbeit, Celle

Ich gehöre dazu – ich bin eine Pendlerin. Ja. Super, ich weiß. Read the rest of this entry »