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	<title>Südnorddeutsche. &#187; Wirtschaft</title>
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		<title>Erwartungen.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 09:16:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Unternehmer. Die Ungleichheit. Und das Wahlergebnis. Die Entscheidungen der Menschen hängen von ihren Erwartungen an zukünftige Entwicklungen ab – die der Unternehmer erst recht. Diese Erwartungen kann die Politik aktiv beeinflussen. Der Unternehmer wählt dann zwischen seinen Handlungsoptionen. Doch schon ein Wahlergebnis kann einen Schock darstellen, der das Wirtschaftswachstum lähmt oder fördert. Die Erwartung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Unternehmer. Die Ungleichheit. Und das Wahlergebnis.</p>
<p><span id="more-756"></span>Die Entscheidungen der Menschen hängen von ihren Erwartungen an zukünftige Entwicklungen ab – die der Unternehmer erst recht. Diese Erwartungen kann die Politik aktiv beeinflussen. Der Unternehmer wählt dann zwischen seinen Handlungsoptionen. Doch schon ein Wahlergebnis kann einen Schock darstellen, der das Wirtschaftswachstum lähmt oder fördert. Die Erwartung einer bestimmten ideologischen Ausrichtung in der Politik – einfach gesagt: sozial oder liberal – beeinflusst die potentiellen Kosten und Nutzen einer jeden Entscheidung. Die Frage nach der guten Regierung könnte dadurch schon am Etikett scheitern. Ist dieser Einfluss in jedem Land gleichstark, oder kann in der „Marx’schen Utopiewelt“ auch eine linke Politik Wachstum hervorbringen?</p>
<p>Erich Streissler beschreibt in seinem Aufsatz Karl Marx‘ Unternehmerbegriff:</p>
<p style="text-align: right;"><em>„Die positive Rolle des Kapitalisten besteht nach Marx darin, daß er der Motor ist, der Investition, technischen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum schafft.“</em><em> </em><em>(S. 271)</em></p>
<p>Marx sah natürlich noch mehr im Unternehmer: vor allem einen Ausbeuter, einen Unterdrücker der Arbeiterklasse. Die von ihm bereits 1867 in „Das Kapital“ beschriebene Rolle des Motors der Wirtschaft haben später jedoch zahlreiche Theoretiker ihren Unternehmertypen zugeschrieben. Um diese Motorenfunktion auch ausfüllen zu können, braucht der Unternehmer jedoch mehr, als nur Produktivkräfte, die er ausbeuten kann: Er braucht Vertrauen.</p>
<p>Schon John Maynard Keynes beschrieb 1936 die Rolle der Hoffnung für die Wirtschaft:</p>
<p style="text-align: right;"><em>“It is safe to say that enterprise which depends on hopes<br />
stretching into the future benefits the community as a whole.”</em><em> </em><em>(p. 162)</em><em></em></p>
<p>Ist der Unternehmer jedoch nicht in der Lage, sich selbst von seiner guten Hoffnung zu überzeugen, so kann er auch kein Vertrauen aufbauen.</p>
<p>Dieses Vertrauen muss sich einerseits an seine Fähigkeiten, ein Projekt überhaupt durchführen zu können, richten. Es muss sich aber auch an die äußeren Umstände, die den Nutzen seines Projektes beeinflussen können, richten. Sind seine Erwartungen an diese negativ oder unsicher, warum sollte er dann Zeit, Geld und Herzblut in seine Unternehmung investieren? Seine Erwartungen an zukünftige Gewinne werden gedämpft, seine Hoffnung schwindet. Vielleicht wird er gar nicht mehr investieren, vielleicht wird er aber auch, wie von William Baumol befürchtet, einer unproduktiven oder destruktiven Tätigkeit nachgehen – auf dem Schwarzmarkt, vorbei an politisch motivierter Regulierung, Besteuerung oder Umverteilung. Politikwechsel können somit einen sehr starken Effekt auf Unternehmer haben, weil sie immer mit bestimmten Erwartungen an die gewählten Parteien und Personen verknüpft sind.</p>
<p>Nun sind es gerade die von Streissler angegriffenen Linken, die häufig selbsternannten marxistischen Politiker, die bei den Unternehmern wenig positive Hoffnungen aufkommen lassen. Ob in marxistischer Tradition oder nicht, soziale Politik verbinden die Wähler vor allem mit einem: Umverteilung. Liberale Politik ruft in der Regel eher nach „mehr Markt, weniger Staat“. Es soll weniger Besteuerung geben, schon gar keine Umverteilung. Jeder erntet die Früchte seiner Arbeit. Die Erhaltung der Leistungsanreize steht im Zentrum dieser Politik.</p>
<p>Was soll sich ein Unternehmer also am Morgen nach einer Wahl denken, wenn die eine oder die andere ideologische Ausrichtung die Politik der kommenden Jahre bestimmen wird? Von der sozialen Politik muss er Umverteilung erwarten. Von der liberalen Politik hingegen muss er erwarten, dass es entweder keine Änderung des Status Quo gibt, oder seine Gewinne sogar noch gesteigert werden, weil mit einer geringeren Besteuerung zu rechnen ist.</p>
<p>Dass die Erwartungen der Unternehmer nicht allein von der Politik abhängig sind, sondern auch von der bestehenden Ungleichheit im Land, legt Christian Bjørnskov dar. Sein Argument: In „links“ regierten Ländern steht mehr Ungleichheit mit weniger Wachstum in Verbindung, in „rechts“ regierten Ländern (im liberalen Sinne) hingegen mit mehr Wachstum. Begründet man Wachstum mit unternehmerischer Aktivität und unternehmerische Aktivität mit den Erwartungen an Politikmaßnahmen, wird offensichtlich, dass Wahlergebnisse das Wachstum schon beeinflussen können, bevor auch nur ein einziges Gesetz verabschiedet worden ist. Ob diese Reaktion positiv oder negativ ist, hängt vom bestehenden Niveau an Ungleichheit in der Gesellschaft ab.</p>
<p>Welchen Effekt auf das Unternehmertum soll ein Politikwechsel jedoch haben, wenn in einem Land bereits eine sehr geringe Ungleichheit vorherrscht? Ein Wechsel in Richtung einer sozialeren Politik als zuvor hätte kaum einen Effekt, da kaum eine höhere Besteuerung zu Umverteilungszwecken zu erwarten ist. Denkbar – und in der Forschung bislang kaum bedacht – wäre allerdings ein Effekt hinsichtlich der Absicherungsfunktion des Staates, wenn es zu einer liberaleren Politik käme. In einem sehr gleichen Staat wäre der soziale Abstieg im Fall eines unternehmerischen Misserfolges nur gering – wie es im Falle eines Erfolges auch der Aufstieg wäre. Die liberalere Politik macht nun größere soziale Unterschiede möglich – und erhöht damit das Risiko einer Unternehmung.</p>
<p>In einem Umfeld geringer Ungleichheit wird eine soziale Politik in der Regel kaum einen Einfluss auf das Unternehmertum haben, weil kaum Änderungen zu erwarten sind. Eine liberalere Politik hingegen könnte das Wachstum sogar bremsen. Nichtsdestotrotz: Der Effekt wird gering ausfallen.</p>
<p>Ganz anders sind da die zu erwartenden Reaktionen der Unternehmer in einer ungleichen Gesellschaft. Wird die Politik liberal – vermutlich war sie es vorher schon – ändert sich für sie nichts. Auch hier könnten Absicherungsfunktionen verloren gehen, auch hier wird der Effekt jedoch gering sein. Anders jedoch bei einem Wechsel zu einer sozialeren Politik. Deren Vertreter treten in der Regel mit dem Anspruch zur Wahl an, die Gesellschaft gleicher zu machen. Wer eine Unternehmung mit dem Ziel finanziellen Gewinns starten möchte, muss nun damit rechnen, dass die Früchte seiner Arbeit zu Umverteilungszwecken besteuert werden. Er erwartet also, dass zukünftige Politiken den erzielbaren Gewinn reduzieren. Sein Anreiz, die Unternehmung zu wagen, wird somit verringert, wie sich auch sein erwarteter Nutzen verringert.</p>
<p>In einer sehr ungleichen Gesellschaft fällt die Reaktion der Unternehmer auf einen Politikwechsel also umgekehrt aus: Sozialere Politik beeinflusst die Erwartungen stark negativ, und damit auch das Wachstum. Eine liberalere Politik hingegen sorgt für geringe Änderungen in den Leistungsanreizen, der Effekt tritt vor allem durch die Absicherungsfunktion eines umverteilenden Staates auf.</p>
<p>Sowohl bei starker, wie auch bei geringer Ungleichheit gibt es jene Unternehmer, die im Falle einer liberaleren Politik ein schwinden der Absicherungsfunktion befürchten. Diese Angst trifft jedoch nicht alle Unternehmer gleich. Wer relativ reich ist, kann sich selbst absichern. Wer relativ arm ist, hat in der Regel gar nicht die Mittel, ein unternehmerisches Wagnis einzugehen. Die Mittelschicht jedoch wird durch eine staatliche Absicherung darin befördert, als Unternehmer zum Wachstum beizutragen. Fehlt diese, wird ein Teil der Gesellschaft von der unternehmerischen Tätigkeit ferngehalten.</p>
<p>Ist der Grad an Ungleichheit jedoch gering, wird die Mittelschicht in der Regel sehr groß sein. Mit dem richtigen Maß an Absicherung kann die Politik die wirtschaftliche Entwicklung daher positiv beeinflussen, weil mehr Menschen, die nach Wohlstand streben, Wagnisse eingehen, um diesen zu erreichen.</p>
<p>Soziale Politik kann also durchaus funktionieren. Sie muss nicht die Produktions- und Investititonsanreize hemmen oder, drastischer gesagt: die Leistungsanreize zerstören, wie ihr so oft vorgeworfen wird. Ist die Gesellschaft aus materieller Perspektive bereits gleich, so dass keine Umverteilung mehr zu befürchten ist, so stellt sich auch der wachstumshemmende Effekt einer befürchteten Umverteilung nicht ein. Es gibt gar keinen Grund für eine weitere Umverteilung! Damit ist der hier untersuchte Kern der sozialen Politik jedoch auch erschöpft, eine Steigerung erscheint unnötig. Vielleicht ist in einer „gleichen“ Gesellschaft die Frage nach der politischen Ausrichtung der Regierung damit auch obsolet geworden? Nein, denn die Absicherungsfunktion, deren Fehlen die Gleichheit in der Gesellschaft ebenfalls zerstören kann, rechtfertigt die Aufrechterhaltung dieser Politik.</p>
<p>In den Fokus der Forschung könnte nun die Frage nach dem Wahlergebnis rücken: Wenn eine Gesellschaft mit geringer Ungleichheit eine liberale Politik wählt – tut sie es, weil sie keine weitere Notwendigkeit für soziale Politikmaßnahmen sieht, oder tut sie es, weil sie eigentlich gar nicht gleich sein will?</p>
<p>Politiker, die das Unternehmertum fördern wollen, sollten bei der Wahl ihrer ideologischen Ausrichtung – ihrer Partei also – die bestehende Ungleichheit im Land berücksichtigen. Weder in der liberalen noch in der sozialen Orientierung ist das Heilmittel zu finden. Auch ökonomische Gesetze der Erwartungsbildung gelten immer nur in ihrem ganz speziellen Umfeld.</p>
<p>Bei dieser Argumentation, die aus ökonomischer Sicht eher <em>gegen</em> eine linke Politik spricht, fällt allerdings auch ein starkes Argument <em>für</em> die soziale, umverteilende Politik ab: In ungleicheren Staaten ist der Effekt eines Politikwechsels stärker. Wer als Unternehmer Erwartungen bilden soll, sieht sich dadurch einer größeren Unsicherheit über kommende Umverteilungsmaßnahmen ausgesetzt. Staaten mit weniger Ungleichheit sind hingegen stabiler. Unternehmer müssen daher zwar damit rechnen, unter sozialen Politikern einer gewissen Umverteilung ausgesetzt zu sein, diese wird im Vergleich zu ungleicheren Gesellschaften nicht besonders stark ausfallen.</p>
<p>Wer ein stabiles Wachstum einem stärkeren, aber dafür unsicheren Wachstum vorzieht, sollte erst zu einer gleicheren Gesellschaft streben und dann versuchen, diese in einem Mittelmaß aus Absicherung und geringer Besteuerung möglichst stabil zu halten. Der Weg zur gleicheren Gesellschaft muss jedoch teuer erkauft werden: Mit wachstumshemmender Umverteilung.</p>
<h2>Literatur:</h2>
<p>Baumol, William J. 1990. Entrepreneurship: Productive, unproductive, and destructive. <em>Journal of Political Economy</em> 98: 893–921.</p>
<p>Bjørnskov, Christian. 2008. The Growth-Inequality Association: Government Ideology Matters. <em>Journal of Development Economics</em> 87: 300-308.</p>
<p>Keynes, John M. 1936, The General Theory of Employment, Interest and Money. 12th ed, Macmillan &amp; Co Ltd. London.</p>
<p>Streissler, Erich. Die Rolle des Unternehmers bei Marx und der Neuen Linken. In: G. Schmölders. <em>Der Unternehmer im Ansehen der Welt</em>. Lübbe.</p>
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		<title>Jobs Job.</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 09:02:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fast einhundert Jahre alt ist Joseph Schumpeters Idee des Entrepreneurs, des innovativen, gestaltenden Unternehmers, der die Wirtschaft seiner Zeit durch die Durchsetzung neuer Kombinationen entscheidend voranbringt. Schumpeter zeichnet 1911/1926 als „Grundphänomen der wirtschaftlichen Entwicklung“, das Charakterbild eines Unternehmers, dessen außergewöhnliche Eigenschaften und – viel wichtiger – außergewöhnliche Taten ihn erst zu einem solchen machen. Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast einhundert Jahre alt ist Joseph Schumpeters Idee des Entrepreneurs, des innovativen, gestaltenden Unternehmers, der die Wirtschaft seiner Zeit durch die Durchsetzung neuer Kombinationen entscheidend voranbringt. Schumpeter zeichnet 1911/1926 als „<em>Grundphänomen der wirtschaftlichen Entwicklung</em>“, das Charakterbild eines Unternehmers, dessen außergewöhnliche Eigenschaften und – viel wichtiger – außergewöhnliche Taten ihn erst zu einem solchen machen. Ein moderner Beleg für die alte Theorie ist Steven Paul Jobs, „Steve Jobs“, einstiger Mitgründer und heutiger CEO der Firma Apple Inc.</p>
<h2><span id="more-743"></span>Der frühe Jobs.</h2>
<p>Nachdem er Mitte der 1970er Jahre zunächst die sogenannte „Blue Box“ vertrieb, mit der umsonst telefoniert werden konnte, gründete er 1976 gemeinsam mit Ronald Wayne und Steve Wozniak die Apple Computer Company. Die ersten Produkte der Firma werden die ersten Computer für Heimanwender sein. 1984 erscheint schließlich der Macintosh, der mit seiner grafischen Benutzeroberfläche als erster wirklich benutzerfreundlicher Heimcomputer gilt. Die Idee hatten die Gründer nicht aus ihrem eigenen Reihen sondern von der Firma Rank Xerox – Apple hatte lediglich die Gelegenheit ergriffen, den privaten Markt als Zielgruppe zu wählen. Schon die Gründungszeit der Firma ist daher ein deutliches Indiz für Jobs unternehmerische Tätigkeit. Schumpeter spricht von der „<em>Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreise noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes.</em>“</p>
<h2>Jobs neue Welt.</h2>
<p>Dem wurde Jobs nicht nur in den frühen Jahren Apples gerecht. Er wiederholte seine schöpferische Tätigkeit zum Beispiel 2001 mit dem Musikspieler iPod – den er weder erfunden noch technisch möglich gemacht hatte. Steve Jobs Leistung bestand darin, den Entwicklern seine Unterstützung zuzusagen und das Produkt dem Markt vorzustellen. Tragbare Musikgeräte mit vergleichbarer Speicherkapazität hatte es zu dieser Zeit noch nicht gegeben – es handelte sich um eine völlig neue Qualität des Gutes. Gleiches gilt auch mit Blick auf die Apple-Produkte iMac und iPhone. Vor allem mit iPod, iPhone und der Synchronisations-Software prägte er den Wert der Marke Apple am Markt neu. Das aktuellste Beispiel ist das iPad. Zwar war auch die Idee eines Tablet-Computers nicht neu, das Produkt hatte sich jedoch am Markt nie durchsetzen können. Erst Jobs gelang es, das Gerät am Markt zu etablieren.</p>
<p>Zur Durchsetzung neuer Organisationsstrukturen am Markt kommt Jobs vor allem durch den „App Store“, die Softwareplattform Apples, von der Nutzer verschiedener Apple-Geräte Software herunterladen können. Apple hat sich damit ein Monopol geschaffen: Nur über den App Store kann Software vertrieben werden, diese wird von der Firma kontrolliert – und zensiert, wie häufig kritisiert wird.</p>
<h2>Jobs Weg.</h2>
<p>Jobs Karriere bei Apple verläuft nicht kontinuierlich. Bereits 1985 muss er das Unternehmen verlassen. Es war zu Streitigkeiten mit John Sculley, dem damaligen CEO von Apple Computer gekommen, dieser setzte sich durch. Schumpeters Modell des Unternehmers hätte Jobs dieses Ereignis vielleicht prognostizieren können: <em>„Weiter kann es zu gesellschaftlicher Ablehnung des Betreffenden und schließlich zu physischer Verhinderung seiner Absicht kommen”. </em>Jobs ist von seinem selbstgegründeten Unternehmen getrennt worden. Auch nachdem er 1996 Apple Inc. zurückkehrt begegnen ihm nicht selten Anfeindungen, diesmal von Seiten der Öffentlichkeit. Von Jobs gehen also auch Effekte der<em> Führung</em> aus. Diese beziehen sich jedoch eher auf die Konsumenten als auf die Produzenten anderer Produkte der Computer-Branche. Es gilt als Teil der unternehmerischen Strategie Jobs‘, die Exklusivität der Marke und ihrer Produkte zu erhalten. Vor allem Apples technologische Struktur steht dabei in der Kritik. Die Geräte sind mit fremden Produkten in der Regel nicht oder nur nach komplexer Einstellung kompatibel, sodass zum Beispiel Hardwareproduzenten es schwer haben, für Apple zu produzieren. In Bezug auf Software hat Jobs seine Politik zwar gelockert, aber die jüngsten Streitigkeiten mit dem Adobe-Konzern haben gezeigt, dass Apple selbst einer so verbreiteten Technologie wie dem Flash-Player seine Betriebssysteme nicht öffnen muss, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.</p>
<p>Effekte der <em>Führung</em> in Verbindung mit Apple-Produkten gibt es auf der Produzentenseite folglich nur sehr selektiv, wobei die Selektionskriterien nicht immer klar sind. Häufig scheint es sich um persönliche Animositäten Jobs‘ zu handeln, an anderer Stelle wieder um ein Kleinhalten potentieller zukünftiger Konkurrenten. In größerem Ausmaß lassen sich Führungseffekte daher in Bezug auf Nachahmer feststellen. Insbesondere das iPhone hat einen Konkurrenz-Markt für vielseitige und benutzerfreundliche Smartphones nach sich gezogen. Auch für das iPad deutet sich derzeit eine ähnliche Entwicklung an. Bemerkenswert ist dies insbesondere deshalb, weil es vorab keinerlei Nachfrage nach einem neuen Tablet-Computer gab. Einige Modelle waren während der 1990er Jahre am Markt sogar gescheitert. Jobs führt also ein Produkt ein, das eigentlich niemand nachfragen sollte – und findet trotzdem Absatz.</p>
<p>Mit dem iPhone, bei welchem auch die Bewegung hin zu immer kleiner werdenden Mobiltelefonen ignoriert und auf ein großes Display gesetzt wird, zeichnet sich auch ein Trend ab, der zu einer größeren Produktivität des gesamten sozioökonomischen Lebens beiträgt: Die Expansion des mobilen Internets. Als in großer Zahl Empfangsgeräte in das Netzwerk einströmten, mussten die Anbieter von Internetplattformen und Netzzugängen reagieren. Die Seiten-Betreiber hatten neue Arbeit in der Umprogrammierung ihrer Seiten und dem zur Verfügung stellen von „Apps“. Die Netzbetreiber hatten einen Anreiz, ihre Infrastruktur möglichst schnell zu mehr Leistungsfähigkeit auszubauen. So regte Steve Jobs mit einem neuen Mobiltelefon eine ganze Industrie zu neuem Wachstum an. Walt Rostow würde hier von einem Führungssektorkomplex sprechen und tatsächlich geht dieses Konzept auf die Ideen Schumpeters zurück.</p>
<h2>Jobs Einfachheit.</h2>
<p>Ein weiterer Aspekt ist die Einfachheit in der Bedienung. Jobs legt alle Apple-Produkte auf Unkompliziertheit aus – und dies, obwohl Apple-Computer bis vor wenigen Jahren meist geschäftlich genutzt wurden. Als Apple seinen Marktanteil vergrößern konnte und sich durch die Verfügbarkeit neuer, mit anderen Produkten kompatibler Software Netzwerkeffekte einstellen, müssen auch andere Anbieter reagieren und die Bedienbarkeit ihrer Programme vereinfachen. Diese hatten zuvor eher komplexere Systeme geschaffen. Hier folgte Apple als einziger Anbieter einer Nachfrage der Konsumenten.</p>
<p>Jobs verliert in der Zeit zwischen seiner Apple-Tätigkeit jedoch nicht seine Eigenschaft als Schumpeter’scher Entrepreneur. Er gründet die Computerfirma NeXT, die später die Basis für das Apple Betriebssystem OS X liefern wird. Außerdem kauft Jobs eine GrafikAbteilung von George Lucas‘ Lucasfilm Graphics Groups und gründet die Pixar Animation Studios. Zunächst werden nur Kurzfilme, zum Beispiel zu Werbezwecken, produziert. 1995 erscheint in Zusammenarbeit mit Disney die „Toy Story“, der erste vollständige Animationsfilm. Und Steve Jobs, der wohl schon vier Jahre nach der Gründung von Apple Computer Millionär geworden war, wird zum Milliardär. So scheint auch dieser Satz Schumpeters charakteristisch für einen Mann zu sein, den er niemals kennengelernt hatte: <em>„Er schafft rastlos, weil er nicht anders kann, er lebt nicht dazu, um sich des Erworbenen genießend zu erfreuen.“ </em></p>
<h2><em>Jobs Wille.<br />
</em></h2>
<p>Es mag zu weit gehen, Steve Jobs zu unterstellen, er wolle weder reich werden noch sich an seinem Reichtum erfreuen. Doch tatsächlich hat er sich seit seiner Rückkehr zu Apple jeweils nur einen US-Dollar Lohn pro Jahr zahlen lassen. Dafür bekam er, der wie erwähnt längst Milliardär ist, allerdings Aktienoptionen und ein Flugzeug von seinem Unternehmen – und natürlich Spesenerstattungen.</p>
<p>Steve Jobs Charakterzüge ohne gezielte Befragung feststellen zu wollen gestaltet sich schwierig. Dennoch können auf der Basis von Schumpeters Modell des Entrepreneurs einige Annahmen über die tieferen Beweggründe seines Handelns getroffen werden:</p>
<p><em>„Da ist zunächst der Traum und der Wille, ein privates Reich zu gründen”. </em>Eben dieses ist Steve Jobs gelungen. Als CEO von Apple ist er in der Lage, strategische Entscheidungen für das Unternehmen annähernd allein zu treffen. Nachdem ihm „sein Reich“ 1985 zwischenzeitlich abhanden gekommen war, gründete er mit NeXT und Pixar direkt zwei neue und führte sie zu ähnlichem Erfolg. Nachdem er Apple wieder übernommen hatte, gilt der Konzern als fixiert auf seine Person – so sehr, dass der Markenname Apple mit 11 Milliarden U.S.-Dollar im Vergleich zu anderen Marken wenig wert ist.</p>
<p><em>„Da ist sodann der Siegerwille. Kämpfenwollen einerseits, Erfolghabenwollen des Erfolges als solchen wegen andrerseits.“ </em>Steve Jobs hat gesiegt. Spätestens 1996, als Apple Inc. ihn in das von der gewaltigen Konkurrenz am Markt stark geschwächte Unternehmen zurückholte und ihm zunächst beratende, dann die leitende Tätigkeit gab. Und dann war es gerade die letzte von Schumpeters zentralen Eigenschaften des Unternehmers, der Apple wieder attraktiv machte: <em>„Freude am Gestalten endlich ist eine dritte solche Motivfamilie“. </em>Das Design machte die Produkte des Konzerns zu Trendobjekten. So steht beim Kauf nicht nur die Funktionalität im Vordergrund, sondern auch die Gestaltung des Artikels und die Attraktivität der Marke.</p>
<p>Schumpeter fordert von seinem Unternehmertypus jedoch viel. Nur die tatsächliche unternehmerische Aktivität zählt, um ein solcher zu sein, <em>„weshalb der den Charakter verliert, wenn er die geschaffene Unternehmung dann kreislaufmäßig weiterbetreibt“. </em>Diesen Charakter hat Jobs bis heute wohl niemals verloren. Eine dauerhafte Untätigkeit, ein Verharren in der funktionierenden Produktlinie lässt sich nicht feststellen.</p>
<p>So scheint es gerade einer wie Steve Jobs zu sein, von dem Joseph Schumpeter zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gesprochen hatte. Die Bewertung dieser Tätigkeit gestaltet sich jedoch schwierig. Gerade die quasi-monopolistischen Bestrebungen des Unternehmens sind mit Blick auf die Gesamtwirtschaft durchaus kritisch zu sehen, ebenso wie es die totale Fokussierung des Unternehmens auf die Figur Steve Jobs ist. So leicht wird es keinem anderen Entrepreneur gelingen, später einmal an Jobs Stelle zu treten.</p>
<h2>Literatur:</h2>
<p>Schumpeter, Joseph A., <em>Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus</em>, Zweite Aufl. Berlin 1926, S. 99-139.</p>
<p>Observer.guardian.co.uk: „<a title="Observer" href="http://www.guardian.co.uk/media/2006/jan/29/citynews.apple" target="_blank"><em>The non-stop revolutionary</em></a>“ vom 29. Januar 2006.</p>
<p>Welt.de: „<a title="WELT.de" href="http://www.welt.de/print-wams/article140717/Der_Mann_der_die_Welt_neu_erfand.html" target="_blank"><em>Der Mann, der die Welt neu erfand</em></a>“ vom 9. April 2006.</p>
<p>Capital.de: „<a title="Capital.de" href="http://www.capital.de/unternehmen/100008049.html" target="_blank"><em>His Steveness</em></a>“ vom 26. Oktober 2007.</p>
<p>Welt.de: „<a title="WELT.de" href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article2419788/Steve-Jobs-Superheld-der-Generation-iPod.html" target="_blank"><em>Steve Jobs – Superheld der Generation iPod</em></a>“ vom 9. September 2008.</p>
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		<title>Danke. Post.</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Dec 2009 18:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ding. Dong. Aha, mein Paket. Das ging ja schön schnell. Tür aufgemacht, schnell angezogen, der gute Mann kann kommen. So langsam. Jetzt aber. Nein? Dann halt nicht. Dafür fand sich später ein nettes oranges Kärtchen im Postkasten. Und und so wurde ich zur Rentnerin. Man kann es doch mal erwähnen. Dachte ich mir und erklärte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ding. Dong. <em>Aha, mein Paket. Das ging ja schön schnell.</em> Tür aufgemacht, schnell angezogen, der gute Mann kann kommen. So langsam. Jetzt aber. Nein? Dann halt nicht. Dafür fand sich später ein nettes oranges Kärtchen im Postkasten. Und und so wurde ich zur Rentnerin.</p>
<p><span id="more-657"></span><em>Man kann es doch mal erwähnen</em>. Dachte ich mir und erklärte dem Mann hinterm Postschalter, dass ich es besser finde, entweder zu klingeln <em>oder </em>eine Karte einzuwerfen. Oder zu sagen, dass man keinen Bock auf seinen Job hat und daher das Paket nicht ausliefern wird. Das wär okay, hätte ich Amazon.de einfach Bescheid gesagt, die DHL möchte keine Pakete mehr ausliefern, hätten die Bescheid gewusst. Das hab ich natürlich nicht alles gesagt &#8211; aber entweder klingeln oder Karte, das find ich <em>normal</em>.</p>
<p>Er fand das auch normal, konnte mir aber nicht helfen. Dafür aber das extra aufgestellte gelbe Sorgentelefon der Deutschen Post. <em>Am Eingang links, alles klar</em>.</p>
<p>Fehler, ganz klar. Von der Telekom (die sich in letzter Zeit übrigens handzahm zeigte) sollte ich es gelernt haben &#8211; mit ehemals staatlichen Unternehmen <em>kann. man. nicht. reden</em>. Aber kleinenthusiastisch-Isa hat ja jetzt schon mal angefangen, jetzt kann mans auch zu Ende bringen. So lange wird es ja nicht dauern. <em>Fehler, ganz klar</em>.</p>
<p>Die Frau am anderen Ende der Leitung war offensichtlich nicht gut drauf. Nach diversen Abfragen begann ich mich zu fragen, ob man ihr vielleicht eine Waffe an den Kopf hielt, um meine privaten Daten zu erfahren. Warum sie das denn so genau wissen möchte, ich wollte doch nur sagen, dass ich nicht angeklingelt werden möchte, wenn der Lieferant gar nicht liefern möchte. Oder, dass er lieber liefern möchten soll.</p>
<p>Das wars. Die junge Dame am Telefon verlor die Nerven. Ich versuchte sie zu beruhigen, dass es ja weder schlimm noch ihr Fehler sei. <em>Sie fühlte sich ja gar nicht angegriffen!</em> Meine Ohren in dem Moment dann schon. Ich legte wortlos auf und verließ die Post. Ende des Rentnerdaseins, genug gemeckert.</p>
<p>Service ist eben noch ein junger Wirtschaftssektor.</p>
<p><span style="color: #800080;">Im Paket waren übrigens die zwei bestellten Teile einer Buchreihe &#8211; in unterschiedlichen Auflagen. Der Mann an der Amazon-Hotline zeigte Verständnis und begann nach dem zweiten Band in der neueren Auflage zu wühlen. Erfolglos. Aber sehr nett.</span></p>
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		<title>Auf Wachstum setzen.</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 19:19:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wachstum muss sein. Das wissen wir. Wachstum muss allein schon deshalb sein, weil wir sonst unser eigenes Rentensystem vergessen können. Jetzt muss Wachstum aber auch sein, weil die Bundesregierung sonst unsere Staatsausgaben nicht mehr mit Steuereinnahmen gegenfinanzieren kann. Schon gar nicht, weil Staatsausgaben  steigen und Steuereinahmen gesenkt werden sollen. Klingt nach Schulden? Ja. Es sei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wachstum muss sein. Das wissen wir. Wachstum muss allein schon deshalb sein, weil wir sonst unser eigenes Rentensystem vergessen können. Jetzt muss Wachstum aber auch sein, weil die Bundesregierung sonst unsere Staatsausgaben nicht mehr mit Steuereinnahmen gegenfinanzieren kann. Schon gar nicht, weil Staatsausgaben  steigen und Steuereinahmen gesenkt werden sollen. Klingt nach Schulden? Ja. Es sei denn, wir haben ordentlich Wirtschaftswachstum und geben alle so viel Geld aus, dass so praktische Institutionen wie die Umsatzsteuer und so dem Staat ganz viel Geld bringen.</p>
<p>Das mach ich dann ab jetzt auch so.<span id="more-613"></span>Ich geh mir morgen erstmal die Stiefel kaufen, die im Carré heute so laut meinen Namen gerufen haben. Das läuft dann zwar erst einmal auf rote Zahlen hinaus, aber ich setze einfach auf Wirtschaftswachstum. Dann übersteigen vielleicht bald die Kapitalanlagezinsen die Kreditzinsen.</p>
<p>Man könnte auch direkt auf Inflation hoffen, hat in etwa die gleiche Wirkung.</p>
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		<title>Heute vor einem Jahr&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 06:51:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute vor einem Jahr war vieles genau wie heute auch. Heute vor einem Jahr hatte ich aber auch noch einen Zahn mehr. Heute vor einem Jahr habe ich an einem Teil der Serie zur Celler Architekturmeile gearbeitet. Heute vor einem Jahr kamen plötzlich DPA-Meldungen über angebliche Bankenprobleme Heute vor einem Jahr habe ich einen Text [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute vor einem Jahr war vieles genau wie heute auch.</p>
<p>Heute vor einem Jahr hatte ich aber auch noch einen Zahn mehr.</p>
<p>Heute vor einem Jahr habe ich an einem Teil der Serie zur Celler Architekturmeile gearbeitet.</p>
<p>Heute vor einem Jahr kamen plötzlich DPA-Meldungen über angebliche Bankenprobleme</p>
<p>Heute vor einem Jahr habe ich einen Text über Sozialphobie und Schüchternheit geschrieben.</p>
<p>Heute vor einem Jahr wars glaub ich ziemlich warm draussen.</p>
<p>Heute vor einem Jahr hat mich DPA irgendwie genervt.</p>
<p>Heute vor einem Jahr war übrigens Montag und nicht Dienstag.</p>
<p>Heute vor einem Jahr habe ich mir Gedanken über die Börse in Wien gemacht.</p>
<p>Heute vor einem Jahr hab ich mir anhören müssen, die sei uninteressant.</p>
<p>Heute vor einem Jahr hatte ich nen ziemlichen Kater vom Vorabend.</p>
<p>Heute vor einem Jahr stand plötzlich &#8220;US-Bank pleite&#8221; auf meinem Display.</p>
<p>Heute vor einem Jahr begann etwas, das ich in fast jede Kategorie dieses Blogs eintüten kann.</p>
<p>Heute vor einem Jahr begann das, was meine Kinder später als &#8220;zweite große Wirtschaftskrise&#8221; in der Schule lernen werden.</p>
<p>Heute vor einem Jahr begann das, was ich zuerst für ziemlich überbewertet gehalten habe.</p>
<p>Heute vor einem Jahr ist Lehmann-Brothers zusammengebrochen.</p>
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		<title>Masterplätze: Es tut sich was</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Jul 2009 12:16:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was momentan Deutschlandweit zur kritischen Diskussion steht, wurde an der Universität Paderborn jetzt verwirklicht: Unbegrenzte Masterstudienplätze für jeden, der einen haben will &#8211; aber Notenabhängig. So hab ich mir das gewünscht. Dem deutschen Bundestag liegt eine Petition zu dem Thema vor. Besonders Lehramtstudenten protestierten schon Bundesweit für unbegrenzte Masterstudienplätze. Gerade in der Einstellungsflaute der Wirtschaftskrise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/07/uni-logo1.jpg"><img class="size-medium wp-image-530 alignright" title="uni-logo1" src="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/07/uni-logo1-300x79.jpg" alt="uni-logo1" width="300" height="79" /></a>Was momentan Deutschlandweit zur kritischen Diskussion steht, wurde an der Universität Paderborn jetzt verwirklicht: Unbegrenzte Masterstudienplätze für jeden, der einen haben will &#8211; aber Notenabhängig. So hab ich mir das gewünscht.</p>
<p><span id="more-529"></span></p>
<p>Dem deutschen Bundestag liegt eine <a title="Masterstudienplätze für alle" href="http://blog.isabellprophet.net/2009/masterstudienplatz-fuer-alle.html" target="_blank">Petition</a> zu dem Thema vor. Besonders Lehramtstudenten protestierten schon Bundesweit für unbegrenzte Masterstudienplätze. Gerade in der Einstellungsflaute der Wirtschaftskrise verlassen Studenten nur ungern den sicheren Uni-Hafen. Warum die Masterstudienplätze wirklich unabhängig von der Endnote des Bachelorabschlusses sein sollen, bleibt weiter unklar. Die <a title="wiwi.upb.de" href="http://wiwi.uni-paderborn.de" target="_blank">wirtschaftswissenschaftliche Fakultät</a> an der Universität Paderborn hat jetzt einen Schritt nach vorne gemacht.</p>
<p>Die Masterstudiengänge in Wirtschaftswissenschaften, International Economics, International Business, Wirtschaftspädagogik und Wirtschaftsinformatik werden von nun an jedem <a title="Mitteilung der Fak-WW" href="http://pbfb5www.uni-paderborn.de/www/fb5/wiwi-web.nsf/id/962E3DE69C686CE6C12575FB00259E36" target="_blank">zugänglich</a> sein, der den Bachelor unter den besten 35% seines Jahrgangs abgeschlossen hat oder besser als 2,3 (bzw. 2,7 bei Winfo und Wipäd) ist.</p>
<p>Schön <img src='http://blog.isabellprophet.net/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Jetzt müssen das nur noch ganz viele andere Universitäten nachmachen.</p>
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		<title>Untrivialer Blödsinn</title>
		<link>http://blog.isabellprophet.net/2009/untrivialer-bloedsinn-antrittsvorlesung-andreas-loeffler-paderborn.html</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 11:59:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;So ein Psychopath&#8230; Ich studiere hier Wirtschaft und nicht Physik!&#8221; zwischte ein legendärer Student im Fahrstuhl der Universität Paderborn. Der meinte zwar nicht Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbs. Finanzierung und Investition, trotzdem brach dieser am 22. Juli 2009 mal eine Lanze für die geplagte Studentenschaft der Wirtschaftswissenschaften. Am Mittwoch hielt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_518" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-518" title="loeffler" src="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/07/loeffler-300x213.jpg" alt="Prof. Dr. Andreas Löffler" width="300" height="213" /><p class="wp-caption-text">Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler (Foto: UPB)</p></div>
<p>&#8220;So ein Psychopath&#8230; Ich studiere hier Wirtschaft und nicht Physik!&#8221; zwischte ein legendärer Student im Fahrstuhl der Universität Paderborn. Der meinte zwar nicht Prof. Dr. Dr. Andreas <a title="Löfflers Homepage auf den Seiten der Universität Paderborn" href="http://groups.uni-paderborn.de/loeffler/" target="_blank">Löffler</a> vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbs. Finanzierung und Investition, trotzdem brach dieser am 22. Juli 2009 mal eine Lanze für die geplagte Studentenschaft der Wirtschaftswissenschaften.</p>
<p>Am Mittwoch hielt András Gábor Löffler, wie er eigentlich mal hieß, seine Antrittsvorlesung in Paderborn zum Thema &#8220;Zeitdiskrete und Zeitstetige Modelle in der Unternehmensbewertung&#8221;. Klingt ganz furchtbar? War es eigentlich gar nicht.</p>
<p><span id="more-517"></span></p>
<p>Dabei hätte der gebührtige Ungar sogar die besten Voraussetzungen, die Studenten nach Strich und Faden zu quälen, hat er schließlich 1993 in Mathematik promoviert. 1995 hatte er den Weg ins Licht dann doch noch gefunden und schob einen zweiten Titel in Wirtschaftswissenschaften hinterher.</p>
<p>Statt die versammelte Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät mit Formeln und hochkomplexen, aber auch hochmodernen Modellen zu beladen, warf Löffler die Frage auf, was diese Modelle eigentlich bringen. Warum hat man ein zeitstetiges Modell für die Kursberechnung &#8211; das heisst jetzt soviel wie in jedem Augenblick tut sich da was, auch zwischen den Augenblicken, und dazwischen, und so weiter &#8211; wenn die Börse nur zehnmal in der Sekunde tickert? Klingt, als wär das ziemlich oft. Aber zwischen unendlich oft und zehnmal in der Sekunde gibt es eben doch noch einen Unterschied. Modelle, die diesen Umstand berücksichtigen, sind <em>trivial</em>. So urteilen zumindest die beliebten A-Journals.</p>
<p>Modelle, die diesen Umstand nicht berücksichtigen, sind vielleicht nicht trivial. Allerdings sind sie leider realitätsfern. Jetzt muss man sich halt entscheiden. Die Universitäten haben sich natürlich längst entschieden. So sieht Löffler in den komplexen Modellen vor allem eine Eintrittsbarriere für Ph.D (die Ami-Version vom Dr.) und Professoren-Aspiranten. Allerdings haben sie sich damit auch entschieden, dass man ohne fundierte mathematische Ausbildung &#8211; Löffler schätzt mindestens zwei Semester reine Mathematik als realistisch ein &#8211; eben nicht mehr forschen darf. Zumindest kriegt man keine Stelle und keine Aufmerksamkeit (also Geld) dafür. Warum? Warum auch immer. Es ist halt so.</p>
<p>Bleibt zu hoffen, dass einige der Paderborner Entscheidungsträger in der vergangenen Nacht über Löfflers Argumenten wach gelegen haben. Die neuen Professoren sind zwar hochqualifiziert und forschungsaktiv &#8211; aber sie sind auch zu einem großen Teil Mathematiker. Das geht zu Lasten der Studenten, die dieses Niveau dann von Anfang an abbekommen. Warum? Warum wenn überhaupt nicht erst im Masterstudium? Warum auch immer&#8230;</p>
<p>Ich war immer für ein hohes Studienniveau, aber nicht im ersten Jahr. Viele der heutigen Bachelorstudenten wollen nur eins &#8211; arbeiten. Und wenn die Forschung sich selbst nur noch infinitesimal interessant macht, können sich die Wirtschaftswissenschaftler ihren Nachwuchs bald wirklich nur noch unter den Mathematikern suchen.</p>
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		<title>Fürs Leben lernen?</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 00:27:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Leidtgedanken keiner Historikerin, keiner Ökonomin, keiner Wirtschaftsjuristin und keiner Ökonometrikerin bei rotem Mond über den Dächern von  Göttingen, die irgendwie ganz viel weiß, nichts kann aber am Ende wenigstens  schlauer ist als vorher. Vielleicht werde ich mal professionelle Klausurenschreiberin. Eine andere Zukunft erscheint mir morgens, halb drei in Göttingen, zwei Wochen bevor in 15 Stunden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lei<span style="text-decoration: line-through;">d</span><del datetime="2009-07-01T00:12:15+00:00"></del>tgedanken keiner Historikerin, keiner Ökonomin, keiner Wirtschaftsjuristin und keiner Ökonometrikerin bei rotem Mond über den Dächern von  Göttingen, die irgendwie ganz viel weiß, nichts kann aber am Ende wenigstens  schlauer ist als vorher.</p>
<p><span id="more-422"></span></p>
<p>Vielleicht werde ich mal professionelle Klausurenschreiberin. Eine andere Zukunft erscheint mir morgens, halb drei in Göttingen, zwei Wochen bevor in 15 Stunden die letzte Prüfung dieses Semesters geschrieben ist, kaum denkbar.</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Buchautorin, dann kann ich meine Geschichtskenntnisse in historischen Romanen verwerten&#8230; aber wer sollte ausgerechnet meine Bücher schon lesen wollen?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Wissenschaftlerin in der Ökonomie, mit dem Methodenwissen würde es mir wohl nicht so schwer fallen, interessant wäre es jeden Tag und Frustration bin ich ja schon gewohnt&#8230; aber wer würde ausgerechnet mich schon dafür bezahlen wollen, Sachen rauszufinden und wie sollte ich es schaffen, Aufsätze publiziert zu kriegen?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Wissenschaftlerin in der Geschichtsforschung und erfosche spannende Ereignisse&#8230; aber wie sollte ausgerechnet ich mich in einem so umkämpften Feld durchsetzen, in dem Wahrheit immer nur Mehrheitsmeinung zu sein scheint?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Wirtschaftspolitik-Journalistin und setze mich mit Politikern über ihre Maßnahmen auseinander&#8230; aber wieso sollten ausgerechnet meine Texte &amp; Kommentare von den Verlagen für lesenswerter als die anderer Autoren angesehen werden?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Dozentin und veranstalte mit interessierten Studenten kreative Seminare&#8230; aber wieso sollte man ausgerechnet mir eine Stelle geben und wie um Gottes Willen soll man davon leben?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Lehrbuchautorin und erkläre zukünftigen Generationen, wie die Volkswirtschaft funktioniert&#8230; aber wieso sollte jemand ausgerechnet mein Buch benutzen wollen?</p>
<p>Vielleicht werde ich mal Polit&#8230; nein.</p>
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		<title>Wählen und wählen lassen</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 11:43:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Wahlkampf wird wichtiger. Nichtmal mehr 50% der Deutschen wählen aus &#8220;Tradition&#8221;, besser gesagt, Parteibindung. Heute zählen die Inhalte. Was genau das nun eigentlich sein soll, wer weiß das schon? Aber wichtig sind sie, das hat jeder verstanden. Auch nicht ganz uninteressant: Die Kandidaten. Aber wie gewinnt man den jetzt eigentlich so eine Wahl? Am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Wahlkampf wird wichtiger. Nichtmal mehr 50% der Deutschen wählen aus &#8220;Tradition&#8221;, besser gesagt, Parteibindung. Heute zählen die Inhalte. Was genau das nun eigentlich sein soll, wer weiß das schon? Aber wichtig sind sie, das hat jeder verstanden. Auch nicht ganz uninteressant: Die Kandidaten. Aber wie gewinnt man den jetzt eigentlich so eine Wahl? Am besten mit ganz ganz viel Schlamm.</p>
<p><span id="more-402"></span>Es hat begonnen: Das Superwahljahr. Aus diesem Anlass hielt <a title="Niedermayer an der FU Berlin" href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/empsoz/mitarbeiter/niedermayer/index.html" target="_blank">Prof. Dr. Oskar Niedermayer</a> von der FU Berlin an der Universität Göttingen einen Vortrag zum Thema &#8220;Wahlverhalten der Bürger und Wahlkampfstrategien der Parteien&#8221;. Schnell wird klar: Gewählt werden ist gar nicht so einfach. Nicht nur, dass die Wähler sich dauernd umentscheiden, sie entscheiden auch noch vollkommen unvorhersehbar. Das musste auch der Wissenschaftler eingestehen und weigerte sich, eine konkrete Prognose abzugeben.</p>
<div id="attachment_406" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/05/dsc01833.jpg"><img class="size-medium wp-image-406" title="900520Vortrag" src="http://blog.isabellprophet.net/wp-content/uploads/2009/05/dsc01833-300x173.jpg" alt="Niedermayer" width="300" height="173" /></a><p class="wp-caption-text">Niedermayer</p></div>
<p>Ganz vernünftig, denn im Wahlkampf kann man viel falsch machen. Personenkult á la Obama &#8211; zero points in Germany. Was in Amerika von der Presse sogar mitgetragen wurde (nachweislich beeinflusste einseitige Berichterstattung in den Medien den Ausgang der US-Wahl), würde in Deutschland &#8220;von der Presse zerfleischt werden&#8221;. Auch das Internet kann gefährlich werden. Präsenz ja &#8211; aber bloß nicht übertreiben, das kann nach hinten los gehen. Und während sich so mancher mehr Nähe zum Politiker wünschen würde &#8211; Twitter, Blogging, Web 2.0 generell &#8211; überwiegt bei den Parteien die Angst, bei zuviel Nähe auch Schwächen zu offenbaren.</p>
<p>Stattdessen muss also die Presse gefüttert werden. Am besten mundgerecht für die Vorabendnachrichten serviert, fertige Texte (denn welcher Journalist schreibt schon gerne selbst oder so?), spannende Ereignisse, <span style="text-decoration: line-through;">kontroverse äh </span>kompetente Selbstdarstellung im nagelneuen &#8220;Polittainment&#8221;. Unterschichtenfernsehen für die Oberschicht, oder solche, die es werden wollen.</p>
<p>Wie gesagt, ganz wichtig: Die Inhalte. So eine Wirtschaftskrise kommt da schon ganz gelegen, bietet sich insbesondere als die-anderen-sind-alle-doof-Thema an. Aber besser wäre wirklich mal wieder eine kleine Naturkatastrophe. So war es wohl die Flut von <a title="Analyse bei Stern.de" href="http://www.stern.de/politik/panorama/510930.html" target="_blank">2002</a>, die die CDU die Wahl kostete. Während die damals über Steueranpassungen diskutierte, stand Gerhard Schröder mit Gummistifeln im Matsch.</p>
<p>So macht man Politik.</p>
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		<title>Kein Brot für euch, Ernährer!</title>
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		<pubDate>Wed, 13 May 2009 17:20:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hatte Stalin eine Wahl? Kapitalisten gegen Arbeiter, es hätte so einfach sein können. Doch Stalins Feldzug gegen die Verschärfung des Klassenkampfes fand auf einem Schlachtfeld mit unscharfen Fronten statt. Zwischen Freund und Feind zu unterscheiden war nicht nur schwierig, es wurde mit zunehmendem Druck seitens der Parteielite auch hinderlich – oder gefährlich. Fernab der ländlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Hatte Stalin eine Wahl?</em></p>
<p>Kapitalisten gegen Arbeiter, es hätte so einfach sein können. Doch Stalins Feldzug gegen die Verschärfung des Klassenkampfes fand auf einem Schlachtfeld mit unscharfen Fronten statt. Zwischen Freund und Feind zu unterscheiden war nicht nur schwierig, es wurde mit zunehmendem Druck seitens der Parteielite auch hinderlich – oder gefährlich. Fernab der ländlichen Wirklichkeit schürte Stalin unter seinen Anhängern eine Angst vor den „Bauern-Kapitalisten“, die vor Ort in Hass, Terror und Massenmord resultierte. Doch Angst mussten Stalins Zeitgenossen auch vor ihm selbst und seinem Parteiapparat haben. Eine Spaltung, die die Wirtschaft des Landes an den Rande des Ruins trieb.</p>
<p><span id="more-381"></span></p>
<h2>Armut für alle</h2>
<p>„Bolschewistische Bescheidenheit“ wollten sie im Kreml leben. Die deutlich gelebte Abgrenzung ihres Lebensstils von allem, was damals als „bourgeois“ galt, prägte das Leben Josef Stalins, seiner Funktionäre und ihrer Familien um 1930. Das Geld war überall knapp, oft hatten die Frauen der Parteielite kaum genug Geld, um ihre Kinder einzukleiden oder zu ernähren. Selbst Stalins Frau Nadja kannte dieses Problem.</p>
<p>Bei der Landbevölkerung sah es kaum besser aus &#8211; aber alles andere als freiwillig. Aus normalem bäuerlichem Leben, über dessen Wohlstand im weitesten Sinne Fleiß und Wetterlage entschieden, wurde während Stalins Regierungszeit mehr und mehr ein alltäglicher Kampf ums Überleben. Wer nicht enteignet, deportiert oder ermordet wurde, litt unter den Zwangsabgaben an die Regierung Hunger. Die Entkulakisierungskampagne von 1929/1930 und die zeitgleich intensivierte Kollektivierung der landwirtschaftlichen Betriebe sorgten für Angst und Misstrauen unter den Bauern. Es kam zu Beschuldigungen und Verleumdungen, viele traten aus Angst, zwangsenteignet oder deportiert zu werden, in die Kolchosen ein. Ein Schritt, der sie nicht immer rettete. Je stärker die Abgrenzung zwischen „Kulaken“ (Familien, die Aufgrund ihres Privateigentums als „Bauern-Kapitalisten“ angesehen wurden) und Mittelbauern verschwamm, desto willkürlicher wurden die Repressionen.</p>
<h2>Druck für alle</h2>
<p>Doch selbst die Parteimitglieder gerieten unter Druck. Besonders wenn die Unterstützung der „Dorfarmen“, welche die Kulaken identifizieren sollten, fehlte, war es für sie schwer, zwischen „Freund“ und „Feind“ zu unterscheiden. Auf der Suche nach Kulaken stellte die Parteiführung klar, dass ein zu geringer Erfolg als Sabotage der Kampagne gedeutet werden würde – mit entsprechenden Folgen. Selbst ranghohe Führungsmitglieder der Partei sahen sich der Kritik ausgesetzt. So musste sich Andrei Andrejew, immerhin Sekretär der Nordkaukasischen Parteiorganisation und späterer Vorsitzender der Zentralen Kontrollkommission der Partei vorwerfen lassen, bei der Getreidebeschaffung nicht erfolgreich genug zu sein. Ein Vorwurf, den Stalin selbst später zurücknehmen musste, um seine Mitstreiter nicht durch unrealistische Ansprüche zu demoralisieren.</p>
<h2>Hunger für alle</h2>
<p>Die stetig steigenden Abgaben, die Kolchosen und Einzelbauern an den Staat zu leisten hatten, machten das Landleben zu einer Tortur. Oftmals hatte die Landbevölkerung keine andere Wahl, als Getreide zu verstecken, um sich selbst ernähren zu können. Hinzu kam, dass viele der reicheren Bauern sich entschieden ihr Vieh zu schlachten, um nicht als Kulake zu gelten. So ging die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion zu Beginn der 1930er Jahre erheblich zurück.</p>
<p>Selbst die Kollektivbauern, denen bei Eintritt in die Kolchosen Wohlstand versprochen worden war, blieben von dieser Entwicklung nicht verschont. Die gemeinschaftlichen Landwirtschaftsbetriebe mussten bald soviel ihrer Produktion abgeben, dass es für die Versorgung der Mitglieder nicht mehr reichte. Doch Stadtbevölkerung und die Rote Armee waren auf die Lieferungen der Bauern angewiesen. „Kein Brot für euch, Ernährer!“ zitiert Carsten Goehrke (Lit. 2).</p>
<h2>Gründe für alles</h2>
<p>Die Frage nach dem Gründen für den Terror wurde in der Forschungsdebatte immer wieder gestellt. Abschließend zu beantworten ist sie nicht. Stalin selbst rechtfertigte den Terror gegen die Landbevölkerung mit der Ausbeutung von Arbeitern einerseits, mit der eigennützigen Bewirtschaftung, die nicht zum Wohle des gesamten Volkes war, andererseits. Doch sah er nicht, dass er damit der Produktivität der gesamten Sowjetischen Volkswirtschaft immens schadete?</p>
<p>Zunächst einmal ist zu sagen, dass das Ausmaß des Terrors, wie er auch auf die „normale“ Landbevölkerung ausgeübt wurde, niemals offene Strategie Stalins war. Der Zusammenschluss der Einzelbauern zu Kolchosen sollte freiwillig ablaufen. Wie es um diese Freiwilligkeit wirklich bestellt war, zeigte sich jedoch frühzeitig, als die Abgaben der Einzelbauern nicht mehr nur doppelt so hoch waren wie jene der Kolchosen, sondern drei- bis viermal so hoch. Wer dies nicht leisten konnte, wurde oftmals der Sabotage am sowjetischen Staat bezichtigt, die Strafen waren hart. Der auf die Bauern ausgeübte Terror umfasste nicht nur Deportation und Zwangsarbeit sondern auch Mord und die Vertreibung aus dem eigenen Haus, was in der Regel ebenfalls den Tod der betroffenen Familie bedeutete.</p>
<p>Das Schicksal der Kolchos-Bauern war jedoch kein besseres. Konnten sie die ihnen auferlegten Abgabequoten nicht erfüllen, drohten auch ihnen Demütigung, Folter und Tod. Als Begründung hierfür diente die Behauptung, die Bauern hätten Lebensmittel versteckt oder verkommen lassen. Führten diese Repressionen zum gewünschten Erfolg, der Herausgabe von Getreide, so fehlte zunächst der betroffenen Familie die Ernährungsgrundlage. Überlebte sie dennoch, so fehlte ihr im darauffolgenden Jahr das Saatgut.</p>
<h2>Unschuld für einen</h2>
<p>Stalin selbst wies die Verantwortung für die massive Gewaltanwendung von sich. Stattdessen gab er 1930 in verschiedenen offenen Briefen die Schuld den Funktionären vor Ort, die im Überschwang des Erfolges zu weit gegangen seien. „Was ist das – eine Politik zur Leitung der Kollektivwirtschaft oder eine Politik zu ihrer Zersetzung und Diskreditierung?“ fragte er am 2. März in der Zeitung Prawda (Lit. 5) und fordert: „Um die Linie unserer Arbeit auf dem Gebiet des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus zu korrigieren, muss diesen Stimmungen ein Ende gemacht werden.“ Vor allem in der verfrühten Kollektivierung von Vieh und Wohneigentum sieht er ein großes Problem. Für ihn war die Zeit für eine Vergesellschaftung, die über die Getreideproduktion hinausgeht, noch nicht gekommen.</p>
<p>Lässt sich daraus schlussfolgern, dass die Gewaltanwendung entgegen Stalins Willen war? Sowohl für diese Annahme wie auch dagegen lassen sich genügend Hinweise finden. Bauern, welche die Quoten nicht erfüllen konnten, stellten für ihn Feinde der sowjetischen Gesellschaft dar. Er beschuldigte sie, durch gezielten Streik und Sabotage, „die Arbeiter und die Rote Armee ohne Brot zu lassen“ (Lit.1). Damit brandmarkte er sie als Kriegsgegner der Sowjetunion, die bekämpft werden mussten und schürte bei der Bevölkerung großes Misstrauen gegen sie.</p>
<h2>Die Spirale dreht sich&#8230;</h2>
<p>Fakt ist außerdem, dass die eingeforderten Getreidemengen ohne Gewalt kaum zu beschaffen waren: Die Landbevölkerung hatte Hunger zu leiden und die Existenz weiterer Ernten in den Folgejahren war gefährdet. Anders konnte Stalin aber, nachdem die „Entkulakisierung“ die Produktivität der Landwirtschaft stark verringert hatte, weder Stadtbevölkerung noch Militär ernähren. Die Volkskommissare mussten seinen Forderungen nachkommen, um sich nicht dem Vorwurf des „Rechtsopportunismus“ auszusetzen. So gaben sie den Druck an die verantwortlichen Dorfsowjets vor Ort weiter, welche ihn wiederrum auf Einzelbauern und die Kolchosen ausübte. Das Resultat war weiter sinkende Produktivität.</p>
<p>Dass Stalin von den Geschehnissen nichts wusste, kann nicht behauptet werden, schrieben doch viele der Bauern Briefe an ihn. Doch die sich zuspitzende Lebensmittelkrise setzte auch der Stadtbevölkerung zu und wurde somit auch im Kreml spürbar. So wurde es auch für die Frauen der Parteifunktionäre spürbar schwieriger, mit den geringen finanziellen Mitteln hauszuhalten. In Moskau wurden die landwirtschaftlichen Produkte dringend benötigt, war hier doch die Modernisierung der Industrie in vollem Gange. Die Stadtbevölkerung wuchs rapide und konnte weder untergebracht noch versorgt werden.</p>
<h2>&#8230;und wird gestoppt.</h2>
<p>Knappe Lebensmittel hätten eigentlich zu Preissteigerungen führen müssen, die wiederrum die Erhöhung der Produktivität gewährleistet hätten. Stattdessen hielt Stalin die Preise künstlich unten, damit in der Stadt die Getreideprodukte erschwinglich blieben. Was ursprünglich einmal als das russische Industrialisierungswunder hatte werden sollen, resultierte 1932 in einer großen Hungerkrise, bei der Schätzungen zu Folge zehn Millionen Menschen ums Leben kamen.</p>
<h2>Anreize für keinen</h2>
<p>Das ursprüngliche Ziel der Bolschewiki, das gesamte Volk auf kollektivwirtschaftlicher Basis ernähren zu wollen und die Arbeiter gemeinschaftlich in Freiheit zu beschäftigen, waren durchaus nicht unehrenhaft. Die Gruppe jener Bauern mit Privateigentum zu dämonisieren, die verbliebenen zu enteignen und ihre Ernte zu konfiszieren nahm der Landbevölkerung jeden Anreiz für Fleiß und hohe Produktivität. Die Chance der sich anpassenden Getreidepreise wurde nicht wahrgenommen, stattdessen hat man mit Gewalt vorgehen müssen, um Stalins Anforderungen nachzukommen. Stalin selbst hätte sehen müssen, dass er damit die landwirtschaftliche Produktivität immer weiter in den Abgrund treibt.</p>
<p><em>Hatte er eine Wahl? </em>Vielleicht, aber wenn, dann konnte er sie nicht kennen, dafür fehlte ihm jedes Gefühl für die wirtschaftliche Leitung einer Gesellschaft.</p>
<p style="text-align: right;"><strong><em>Als Essay bei Dr. David Feest im Aufbauseminar zur Osteuropäischen Geschichte eingereicht, überarbeitete Version.</em></strong></p>
<p style="text-align: right;"><strong><em><br />
</em></strong></p>
<h2>Literatur</h2>
<p>1. Courtois, Carsten et al: „Das Schwarzbuch des Kommunismus“; (1997)<br />
2. Goehrke, Carsten: “Russischer Alltag: Eine Geschichte in neun Zeitbildern”; (2005), Band 3,<br />
3. Montefiore, Simon Sebag: “Stalin. Am Hof des roten Zaren”; (2004).<br />
4. Stalin, Josef: „Vor Erfolgen von Schwindel befallen” (1930); in: „Stalin: Werke“, Band 12 (1952)<br />
5. Stalin, Josef: „Antwort an die Genossen Kollektivbauern” (1930); in: „Stalin: Werke“, Band 12 (1952)</p>
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