Archive for the 'Celle' Category
„Nimm einen Nagel und zieh ihn quer über das Ceranfeld – du wirst nie wieder Sorgen wegen Kratzern haben“, riet mir einst ein wohlmeinender Kollege; von einer Freundin hörte ich vom glücksbringenden Schicksal eines Ceranfeldes, auf das eine gläserne Gewürzmühle gestürzt war. Nur: warum sollte ich eine Gewürzmühle auf mein Ceranfeld schmeißen? Vertrauen Sie mir: Ziehen Sie sich vernünftige Schuhe an und werfen Sie das Ding auf den Boden. Deutlich effizienter.
Was ich lieber nicht auf meinem Ceranfeld gehabt hätte: Überkochendes Karamell. Auf der heißen Platte. Mit der so erschaffenen Kohle hätte ich die ganze Straße heizen können, ein wenig Druck noch, und ich hätte Diamanten mit Mandelsplittern erfunden. So kam dann nicht der Nagel zum Einsatz, dafür eine Klinge. Sanft abschaben, das Ceranfeld sieht aus wie neu – nix mit Kratzern. Nur die Karamellbonbons frösteln nun im Eisfach – sie werden nicht hart. Wahrscheinlich nicht genug Hitze..?
Völlig losgelöst von der Erde schwebt der Bundestag, nein, schwebt eigentlich das Raumschiff, auch wenn es vielen Bürgern so vorkommt, als habe sich Ersterer längst in Letzterem von ihnen verabschiedet.
Die Bundestags-Abgeordnete Kirsten Lühmann und ihr Landtagskollege Rolf Meyer wissen jetzt, wie es geht: Nahe Faßbergs besichtigten sie eine Firma, die Weltraumlabore und – zum Abheben – Trägerraketen entwickelt. Bei der Kommunalwahl könnte das neue Technikspielzeug der Celler Sozialdemokraten brauchbar sein; ist der Landkreis doch schließlich traditionell von tiefschwarzer politischer Couleur. Mit dem Weltraumlabor könnte es außerdem gelingen, die Linken wieder einzufangen, sie fliegen hierzulande meist eher unter dem Radar. Klappt es am Wahltag wieder nicht, kein Problem: Die Faßberger Firma stellt auch Rettungssysteme für U-Boote her.
Sie können sie bald nicht mehr hören, meine Kollegen, meine Frage aller Fragen: Sind es nun Winser oder Winsener? Berger oder Bergener? Höfer, Höferer, Höferaner? Hermansbürger? Eschedeaner?
Ich habe die Winsener und Bergener lange und tapfer durchgehalten, meine Kollegen haben das lange und tapfer und immer wieder korrigiert. Hochdeutsch und korrekt sei es ja durchaus, aber trotzdem rede kein Mensch so und in die Zeitung gehöre das auch nicht.
Nun habe ich mal nachgefragt, in Winsen, am Wochenende beim Kartoffelmarkt. Und siehe da, meine Winsener nennen sich tatsächlich viel lieber Winser. Na gut, sagt sich die engagierte Volontärin, und wird Ihnen die überschüssigen Buchstaben künftig ersparen. Ist ja so auch viel ökonomischer. Nur für die anderen Orte und Gemeinden im Landkreis muss ich das noch klären. Ausschließen kann ich schon einmal die Flotwedelnden, Lohheiden, Bröckelnden und Schwachhausenden.
Bleibt abzuwarten, ob in meiner Zeit als Politik-Volontärin auf Zypern alles ruhig bleibt. Wenn nicht, versprochen, werde ich mit den Auswärtigen Amt mal ein ernstes Wort über die Empfehlungen zu anderen Ländern sprechen. Ich bin ganz klar dafür, die Damen der Insel nicht länger mit dem unschönen Wort “Zypriotinnen” zu quälen, moderner sagt man “Zyprerrinnen”, auch nicht besser. Sprechen Sie das mal laut aus! Viel hübscher: Zypressen.
Da war dieses Rascheln im Haus meines Bekannten. Seine Frau: „Tu was.“ Er: Tat was. Er suchte. Einige Nächte lang stöberte er dem unliebsamen Geräusch nach und, ganz patent, fand den Grund auch bald: Es war eine Ratte, er steckte sie in einen Karton. Sie: „IEEEH!“ Also: Das possierliche Tierchen musste sterben.
Dachte sich mein Bekannter.
So sah seine Frau das dann aber doch nicht mehr: „OOOH!“ und ein trauriger Blick dazu. Das possierliche Tierchen musste doch nicht sterben, die Frau meines Bekannten fütterte es erst einmal.
Das Ende des Rattenlebens? Ist mir persönlich nicht bekannt. Aus ihrem urgemütlichen Karton mit Vollpension flog sie jedenfalls alsbald raus: Mein Bekannter fuhr sie nach Papenhorst und setzte sie am Waldrand aus. Dies ist eine Suchanzeige. Wer die Ratte gesehen hat, die Frau meines Bekannten hätte sie gern zurück. Isabell Prophet
„Sind gelbe Marienkäfer giftig?“, fragte mich einst eine besorgte Leserin und ich fragte natürlich das Internet, unerschöpfliche Quelle aller fragwürdigen Informationen. Nicht so ganz unerwartet wird man sich leider nicht so ganz einig in den unendlichen Weiten des Netzes. Nach eingehender Recherche kann ich sagen: klares Vielleicht; aber das ist ja keine Antwort.
Besser weiß das Dr. Albert Melber vom Institut für Tierökologie und Zellbiologie an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Er sagt: „Auffällig gefärbte Tiere signalisieren ihren Feinden: Ich bin eklig, friss mich lieber nicht.“ Also – essen Sie dezentere Käfer, nicht die ganz bunten.
Wer trotzdem unbedingt mal einen Marienkäfer oder anderes farbenfrohes Getier probieren möchte, kann das gerne tun: Die Käfer schmecken bitter und wenn zu viele verspeist werden, gibt es wahrscheinlich Durchfall. Landet das Käferchen kurz auf dem Mittagssnack, ist alles in Ordnung. Eines steht mit Sicherheit fest: Wenn Sie nicht zu viele der kleinen Krabbler auf einmal knabbern, sollte nichts passieren.
Wahrscheinlich kämen mir in jedem Beruf diese spätabendlichen Eingebungen, die am nächsten Tag unbedingt verarbeitet werden müssen. Insofern habe ich es gut getroffen.
Früher saß ich meist irgendwann am frühen Nachmittag am Schreibtisch und dachte mir, ach… da war doch noch was? Ja, irgendwas war da. Auf Nimmerwiedersehen war der schlaue Gedanke entschwunden; sah ich ihn doch eines Tages wieder, dann fiel mir zu Ostern die nette Weihnachtsgeschichte ein.
Bisschen spät.
Also, neue Strategie: Erinnerungsmails. Die schicke ich mir vom Handy an den Arbeitsrechner. Keine Idee geht mehr verloren, perfekt! Und wenn ich morgens in mein Büro komme und eine Mail von mir an mich sehe, ich weiß sofort: Ganz wichtige Sache. Da reicht schon ein für Außenstehende kryptisches Stichwort, mein Gehirn kramt den Gedankengang wieder hervor.
Also, das zumindest war der Plan.
Meistens finde ich irgendwann raus, was ich mir mit der sehr sehr sehr wichtigen Notiz sagen wollte. Sie kennen das bestimmt, erst: totale Leere im Kopf. Und wenn Sie dann an etwas ganz anderes denken – genau. Da ist er wieder. Allerdings fahndet mein Unterbewusstsein jetzt schon seit vier Wochen nach einer besonders wichtigen Mail.
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Von: Isabell Prophet mobil
An: Prophet, Isabell
Betreff: Laub
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Aber wenn ich so rausgucke... ich denke, das hat sich wohl erledigt.
In auffällig unauffällig verrenkter James-Bond-Manier schlich neulich ein junger Mann um sein Auto herum. Er stand an einer Kreuzung hinter Altenhagen, vor sich ein Maisfeld, an seinem roten Golf ein Hannoveraner Kennzeichen. Er ging streng nach der wen-ich-nicht-seh-der-sieht-mich-nicht-Methode vor, ignorierte alles um sich herum – so auch mich auf dem Weg direkt hinter ihm – und lugte vorsichtig am Maisfeld vorbei auf die Straße vor sich. Dann nahm er Anlauf, sprang über einen Wassergraben, ab ins Maisfeld. Und klaute Mais!
Und, dreihundert Meter weiter, was sah ich? Ein Uelzener! Und der klaute auch Mais! Liebe Hannoveraner, liebe Uelzener, ja, wir haben hier eine fantastische Landwirtschaft. Das wissen wir. Das kann man aber auch anders zum Ausdruck bringen. Würden Sie Ihren Mais bitte von nun an im Supermarkt klauen? Vorzugsweise in Ihrer Heimat, danke.
Ich mag meine Mittagspause. Ich verbringe sie mit mir selbst auf einer Parkbank und beobachte Menschen. Vorzugsweise Touristen, in Celle bietet sich das irgendwie an. Manchmal rede ich auch mit ihnen; was täte ich lieber, als Ratschläge zu verteilen? Man sieht es mir wohl mittlerweile an, das leicht Klugscheißerische.
So kam es gestern, dass ich vor der Stadtkirche saß, die (Achtung, Insider-Schmunzler) Sichtachse zum Schloss auf mich wirken ließ, ein Fischbrötchen futterte, dabei liebevoll die Sauce auf meiner Jeans verteilte. Eine nicht ganz jungebliebene und auch sonst alles andere als rüstige Dame setzte sich zu mir. Sah mich an; Ich sah sie an.
Das war der Fehler.
Gibt es hier gar keine Cafés? Ich hätte die Klappe halten sollen. Deutliches Warnsignal: Elf und elfeinhalb Meter entfernt – jeweils ein Café. Ich hätte die Klappe halten sollen. Hab ich natürlich nicht, ich erklärte ihr den Weg zu den nächsten Cafés – war ja nicht schwer, lagen schließlich auf der anderen Seite der Sichtachse – und dann noch den zum angeblich besten Café der Stadt. Pflaumenkuchen wollte sie.
Gibt es hier soetwas gar nicht? Pflaumenkuchen gab es gegenüber nicht, elf Meter entfernt nicht, elfeinhalb Meter entfernt nicht. Wie das denn sein kann? Ich habe wirklich keine Ahnung, ob es hier soetwas gar nicht gibt und es ist mir auch wirklich ziemlich egal. Schwanger konnte sie nicht sein, zumindest hoffte ich das. Aber für Pflaumenkuchen mögen Rentner auch ihre ganz eigenen Beweggründe haben, man verzeihe mir die Bilder, die diese Andeutung erzeugt. Das angeblich beste Café der Stadt jedenfalls, das würde sie ja wohl nicht schaffen, mit ihrem Knie und so und ich widmete mich wieder meinem Jeansfischsaucenmodedesign aber das war ihr auch wirklich ziemlich egal. Das es soetwas in Celle nicht gab? Und das war ja alles viel zu weitläufig hier. Zu anstrengend. Darauf erst einmal eine rauchen, ob mich das störe?
Glaubt ihr wirklich, das hat sie gefragt?
Oder einer aus der Kategorie “Isabell hat heute viel gelernt.” Vom Backen nämlich. Read the rest of this entry »
Ich muss gestehen, so ein wenig unjournalistisch ist das ja schon. Man könnte auch ganz ehrlich sagen: Eigentlich ist das ja schlicht weg falsch. Aggroliner. Ach, so nennt sich doch keiner.