Was tun Sie, wenn Sie sich über die Bahn ärgern? Ein verpasstes Flugzeug, elend lange Wartezeiten, unfreundliche Service-Kräfte? Ich wähle spontan zwischen zwei Strategien: Durchatmen, entspannen, mich daran erinnern, dass die Welt weniger untergeht, als es mir gerade erscheinen mag. Lächeln. Oder ausrasten und meinen Ärger an Fremden, vorzugsweise komplett Unbeteiligten auslassen.
Eine Freundin von mir weilt in Shanghai, da hat sie eine weit bessere Lösung gefunden: Boxsäcke! In den U-Bahnstationen der chinesischen Metropole hängen diese Dinger von der Decke. Keine schlechte Idee, im Jahr wartet der Durchschnittschinese 1824 Minuten auf seine Bahn. Das sind mehr als 30 Stunden. So verliert man Lebenszeit.
Die Idee also, grundsätzlich schon einmal gar nicht schlecht. Punching-Bälle am Bahnhof in Celle, da freuen sich auch die ICE-Fahrgäste, wenn der Zugführer wieder mal einen Halt vergessen hatte. Tiefenentspannt und gut trainiert können sie in den nächsten Zug einsteigen.
Aber warum die Idee nicht weiterspinnen? Punching-Bälle an Tankstellen, man denke an die Spritpreise. Warum nicht an Straßenrändern; die Hannoversche Straße morgens um acht würde zum Sportgelände werden. Im Wartezimmer bei manchem Arzt und warum nicht gleich auch neben der Waage? Als erstes hänge ich mir einen Boxsack neben den Briefkasten, könnte bald ein Liebesbrief aus Flensburg eintrudeln.
Die Chinesen haben es raus. Wie viel ausgeglichener wären wir, wenn die Energie des Augenblicks in sportliches Boxen fließen würde? Gewalt mag keine Lösung sein, sie lenkt aber vom Problem ab.

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