Archive for December, 2011
Was tun Sie, wenn Sie sich über die Bahn ärgern? Ein verpasstes Flugzeug, elend lange Wartezeiten, unfreundliche Service-Kräfte? Ich wähle spontan zwischen zwei Strategien: Durchatmen, entspannen, mich daran erinnern, dass die Welt weniger untergeht, als es mir gerade erscheinen mag. Lächeln. Oder ausrasten und meinen Ärger an Fremden, vorzugsweise komplett Unbeteiligten auslassen.
Eine Freundin von mir weilt in Shanghai, da hat sie eine weit bessere Lösung gefunden: Boxsäcke! In den U-Bahnstationen der chinesischen Metropole hängen diese Dinger von der Decke. Keine schlechte Idee, im Jahr wartet der Durchschnittschinese 1824 Minuten auf seine Bahn. Das sind mehr als 30 Stunden. So verliert man Lebenszeit.
Die Idee also, grundsätzlich schon einmal gar nicht schlecht. Punching-Bälle am Bahnhof in Celle, da freuen sich auch die ICE-Fahrgäste, wenn der Zugführer wieder mal einen Halt vergessen hatte. Tiefenentspannt und gut trainiert können sie in den nächsten Zug einsteigen.
Aber warum die Idee nicht weiterspinnen? Punching-Bälle an Tankstellen, man denke an die Spritpreise. Warum nicht an Straßenrändern; die Hannoversche Straße morgens um acht würde zum Sportgelände werden. Im Wartezimmer bei manchem Arzt und warum nicht gleich auch neben der Waage? Als erstes hänge ich mir einen Boxsack neben den Briefkasten, könnte bald ein Liebesbrief aus Flensburg eintrudeln.
Die Chinesen haben es raus. Wie viel ausgeglichener wären wir, wenn die Energie des Augenblicks in sportliches Boxen fließen würde? Gewalt mag keine Lösung sein, sie lenkt aber vom Problem ab.
Hand aufs Herz: Wie viele Crêpes, wie viele Tüten Schmalzkuchen haben Sie in diesem Winter schon gegessen? Wie viele waren es beim Oktober-, beim Sommer-, beim Frühlingsfest? Und jetzt rechnen Sie das mal auf Ihr Leben hoch. Schmeckt’s noch?
Ich kann das Zeug nicht mehr sehen. In Fett gebackene Kohlenhydrate mit Extra Zucker, quasi Kohlenhydrate zum Quadrat. Und wäre das Fett nicht so alt wie das Rezept selbst, die Dinger würden nach gar nichts schmecken.
Ich fordere: Die sollen sich endlich mal etwas Neues einfallen lassen! Vorzugsweise was mit Schokolade, daran, versprochen, werde ich mich im Leben nicht satt essen. Wir müssen natürlich auch zusammenhalten, nur dann können wir Druck ausüben. Boykott gegen Crêpes und Schmalzkuchen. Ich zähle auf Sie!
„Nimm einen Nagel und zieh ihn quer über das Ceranfeld – du wirst nie wieder Sorgen wegen Kratzern haben“, riet mir einst ein wohlmeinender Kollege; von einer Freundin hörte ich vom glücksbringenden Schicksal eines Ceranfeldes, auf das eine gläserne Gewürzmühle gestürzt war. Nur: warum sollte ich eine Gewürzmühle auf mein Ceranfeld schmeißen? Vertrauen Sie mir: Ziehen Sie sich vernünftige Schuhe an und werfen Sie das Ding auf den Boden. Deutlich effizienter.
Was ich lieber nicht auf meinem Ceranfeld gehabt hätte: Überkochendes Karamell. Auf der heißen Platte. Mit der so erschaffenen Kohle hätte ich die ganze Straße heizen können, ein wenig Druck noch, und ich hätte Diamanten mit Mandelsplittern erfunden. So kam dann nicht der Nagel zum Einsatz, dafür eine Klinge. Sanft abschaben, das Ceranfeld sieht aus wie neu – nix mit Kratzern. Nur die Karamellbonbons frösteln nun im Eisfach – sie werden nicht hart. Wahrscheinlich nicht genug Hitze..?
Völlig losgelöst von der Erde schwebt der Bundestag, nein, schwebt eigentlich das Raumschiff, auch wenn es vielen Bürgern so vorkommt, als habe sich Ersterer längst in Letzterem von ihnen verabschiedet.
Die Bundestags-Abgeordnete Kirsten Lühmann und ihr Landtagskollege Rolf Meyer wissen jetzt, wie es geht: Nahe Faßbergs besichtigten sie eine Firma, die Weltraumlabore und – zum Abheben – Trägerraketen entwickelt. Bei der Kommunalwahl könnte das neue Technikspielzeug der Celler Sozialdemokraten brauchbar sein; ist der Landkreis doch schließlich traditionell von tiefschwarzer politischer Couleur. Mit dem Weltraumlabor könnte es außerdem gelingen, die Linken wieder einzufangen, sie fliegen hierzulande meist eher unter dem Radar. Klappt es am Wahltag wieder nicht, kein Problem: Die Faßberger Firma stellt auch Rettungssysteme für U-Boote her.
Sie können sie bald nicht mehr hören, meine Kollegen, meine Frage aller Fragen: Sind es nun Winser oder Winsener? Berger oder Bergener? Höfer, Höferer, Höferaner? Hermansbürger? Eschedeaner?
Ich habe die Winsener und Bergener lange und tapfer durchgehalten, meine Kollegen haben das lange und tapfer und immer wieder korrigiert. Hochdeutsch und korrekt sei es ja durchaus, aber trotzdem rede kein Mensch so und in die Zeitung gehöre das auch nicht.
Nun habe ich mal nachgefragt, in Winsen, am Wochenende beim Kartoffelmarkt. Und siehe da, meine Winsener nennen sich tatsächlich viel lieber Winser. Na gut, sagt sich die engagierte Volontärin, und wird Ihnen die überschüssigen Buchstaben künftig ersparen. Ist ja so auch viel ökonomischer. Nur für die anderen Orte und Gemeinden im Landkreis muss ich das noch klären. Ausschließen kann ich schon einmal die Flotwedelnden, Lohheiden, Bröckelnden und Schwachhausenden.
Bleibt abzuwarten, ob in meiner Zeit als Politik-Volontärin auf Zypern alles ruhig bleibt. Wenn nicht, versprochen, werde ich mit den Auswärtigen Amt mal ein ernstes Wort über die Empfehlungen zu anderen Ländern sprechen. Ich bin ganz klar dafür, die Damen der Insel nicht länger mit dem unschönen Wort “Zypriotinnen” zu quälen, moderner sagt man “Zyprerrinnen”, auch nicht besser. Sprechen Sie das mal laut aus! Viel hübscher: Zypressen.
Da war dieses Rascheln im Haus meines Bekannten. Seine Frau: „Tu was.“ Er: Tat was. Er suchte. Einige Nächte lang stöberte er dem unliebsamen Geräusch nach und, ganz patent, fand den Grund auch bald: Es war eine Ratte, er steckte sie in einen Karton. Sie: „IEEEH!“ Also: Das possierliche Tierchen musste sterben.
Dachte sich mein Bekannter.
So sah seine Frau das dann aber doch nicht mehr: „OOOH!“ und ein trauriger Blick dazu. Das possierliche Tierchen musste doch nicht sterben, die Frau meines Bekannten fütterte es erst einmal.
Das Ende des Rattenlebens? Ist mir persönlich nicht bekannt. Aus ihrem urgemütlichen Karton mit Vollpension flog sie jedenfalls alsbald raus: Mein Bekannter fuhr sie nach Papenhorst und setzte sie am Waldrand aus. Dies ist eine Suchanzeige. Wer die Ratte gesehen hat, die Frau meines Bekannten hätte sie gern zurück. Isabell Prophet
„Sind gelbe Marienkäfer giftig?“, fragte mich einst eine besorgte Leserin und ich fragte natürlich das Internet, unerschöpfliche Quelle aller fragwürdigen Informationen. Nicht so ganz unerwartet wird man sich leider nicht so ganz einig in den unendlichen Weiten des Netzes. Nach eingehender Recherche kann ich sagen: klares Vielleicht; aber das ist ja keine Antwort.
Besser weiß das Dr. Albert Melber vom Institut für Tierökologie und Zellbiologie an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Er sagt: „Auffällig gefärbte Tiere signalisieren ihren Feinden: Ich bin eklig, friss mich lieber nicht.“ Also – essen Sie dezentere Käfer, nicht die ganz bunten.
Wer trotzdem unbedingt mal einen Marienkäfer oder anderes farbenfrohes Getier probieren möchte, kann das gerne tun: Die Käfer schmecken bitter und wenn zu viele verspeist werden, gibt es wahrscheinlich Durchfall. Landet das Käferchen kurz auf dem Mittagssnack, ist alles in Ordnung. Eines steht mit Sicherheit fest: Wenn Sie nicht zu viele der kleinen Krabbler auf einmal knabbern, sollte nichts passieren.
Wahrscheinlich kämen mir in jedem Beruf diese spätabendlichen Eingebungen, die am nächsten Tag unbedingt verarbeitet werden müssen. Insofern habe ich es gut getroffen.
Früher saß ich meist irgendwann am frühen Nachmittag am Schreibtisch und dachte mir, ach… da war doch noch was? Ja, irgendwas war da. Auf Nimmerwiedersehen war der schlaue Gedanke entschwunden; sah ich ihn doch eines Tages wieder, dann fiel mir zu Ostern die nette Weihnachtsgeschichte ein.
Bisschen spät.
Also, neue Strategie: Erinnerungsmails. Die schicke ich mir vom Handy an den Arbeitsrechner. Keine Idee geht mehr verloren, perfekt! Und wenn ich morgens in mein Büro komme und eine Mail von mir an mich sehe, ich weiß sofort: Ganz wichtige Sache. Da reicht schon ein für Außenstehende kryptisches Stichwort, mein Gehirn kramt den Gedankengang wieder hervor.
Also, das zumindest war der Plan.
Meistens finde ich irgendwann raus, was ich mir mit der sehr sehr sehr wichtigen Notiz sagen wollte. Sie kennen das bestimmt, erst: totale Leere im Kopf. Und wenn Sie dann an etwas ganz anderes denken – genau. Da ist er wieder. Allerdings fahndet mein Unterbewusstsein jetzt schon seit vier Wochen nach einer besonders wichtigen Mail.
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Von: Isabell Prophet mobil
An: Prophet, Isabell
Betreff: Laub
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Aber wenn ich so rausgucke... ich denke, das hat sich wohl erledigt.