Eigentlich sollte man sich ja schämen. Einfach so studieren. Sowas.
Studieren bedeutet unter der Armutsgrenze zu leben.
Studieren bedeutet, dass Krankheit kein Argument ist.
Studieren bedeutet, dass man in seinem “Arbeitsumfeld” immer der Unterste ist.
Studieren bedeutet, dass man von dem Geld, dass man kaum oder gar nicht verdienen kann, noch die Studiengebühren zusammen sparen muss.
Studieren bedeutet im ständigen Kampf mit einer Bürokratie zu stehen.
Studieren bedeutet für viele, täglich unter starkem psychischen Druck zu stehen.
Studieren bedeutet ständig als Sozialschmarotzer dargestellt zu werden.
Studieren bedeutet sich acht Monate im Jahr als Arbeitsloser zu fühlen.
Das. ist. zum. Kotzen.
Aber:
Studieren bedeutet ausdauernd zu werden.
Studieren bedeutet sein Weltbild zu erweitern.
Studieren bedeutet klüger zu werden.
Studieren bedeutet mit Menschen und Meinungen umgehen zu lernen.
Liebe Gesellschaft, ich habe es absolut satt, dass wir uns permanent dafür schämen müssen, noch nicht fertig mit der Ausbildung zu sein.

Till said:
Das ist nun aber arg stark verallgemeinert.
- Ich bin selbst Student und kenne keinen, der (zumindest gefühlt) unter der Armutsgrenze lebt. Alle haben ein Dach über dem Kopf, jeden Tag mehrere Mahlzeiten und Klamotten, die nicht auseinanderfallen.
- Krankheit ist sehr wohl ein Argument, denn wer krank ist, ist bei Klausuren entschuldigt bzw. erhält (in aller Regel) bei Hausarbeiten Aufschübe.
- “Der Unterste” war ich in meinen Praktika nie. Klar, das kommt auf das Arbeitsumfeld an – ist aber eben keineswegs immer der Fall.
- Den ständigen Kampf mit der Bürokratie hat man auch, wenn man ausgelernt hat
- Als Sozialschmarotzer wurde ich nie beschimpft.
- Und..wieso sollte man sich arbeitslos fühlen? Die Ausbildung gehört zum Arbeitsleben halt dazu.
Just my 2 Cents
Isa said:
Die meisten Menschen unter der Armutsgrenze haben ein Dach über dem Kopf
Mir gings da eher um die viel zitierte statistische Grenze.
Die Praktika meine ich gar nicht so sehr – ich habe tolle und schlimme Sachen gehört. Aber der Umgang des Lehrpersonals mit Studenten lässt manchmal wirklich zu wünschen übrig. Ja, ich hab selbst schon tolle Ausnahmen erlebt, keine Sorge.
Mir fehlt die Arbeit schon sehr, wenn ich mit der Uni beschäftigt bin.
Und: Sozialschmarotzer mag hart ausgedrückt sein, trifft aber den Kern. Das Studentenleben, wie es in amerikanischen Fernsehserien dar gestellt wird, hat eben mit dem Bildungsalltag wenig zu tun.
Unserer Gesellschaft fehlt die Wertschätzung für Studenten.
Aleja said:
Warum und vor allem woher sollte sie die auch haben? Die Gesellschaft “verblödet” ja auch irgendwie, sie besteht ja immer mehr aus Harz IV-Empfängern, die keine Lust auf Bildung haben, so hart sich das auch anhören mag.
Und die meisten Arbeitnehmer beschweren sich doch darüber, dass sie uns Studenten das Studieren bezahlen müssen…
Krankheit gilt vielleicht bei Klausuren oder Hausarbeiten und ähnlichem als Grund, aber was Praktika etc angeht nicht unbedingt. Bei uns ist es auch oft genug so, dass man zwar gern krank sein kann während des Praktikums, aber wenn man am Ende nicht alles geschafft hat, was man hätte schaffen sollen, dann wirds schon wieder bürokratisch…
kitty koma said:
später kommentar, aber ich wollte so gern noch was ergänzen.
@aleja das glaube ich nicht. unser anspruch ist höher geworden. ein mensch in europa ist heute im durchschnitt so klug wie ein wissenschaftler vor 400 jahren. und es gibt nicht immer mehr hartz IV-empfänger, sondern weniger.
in einer hochspezialisierten und mechanisierten gesellschaft fallen dumme einfach mehr auf. die domäne der intellektuell nicht gebildeten: handarbeiter und einfache dienstleister (knechte, mägde, köche, diener, dienstmädchen) gibt es nicht mehr.
und zu den studiums-thesen (auskotzen ist notwendig) würde ich ergänzen:
-studium ist eine wegstrecke, auf der man entbehrungen in kauf nimmt, weil man ein ziel oder mehrere ziele damit erreichen will
Isa said:
Liebe Kitty Koma,
der letzte Satz trifft es wirklich gut. Klarer Fall von: Muss man durch.
Vielleicht macht der demographische Wandel die Bevölkerung – im Schnitt – jetzt auch wieder klüger. Oder, um mal ein doofes ausgelutschtes Bild zu bemühen: Die Schere geht weiter auf.
Aber wenn sie das tut, zahlen keine Knechte und Mägde für die bedürftige Studenten, sondern ausgelernte Akademiker.
Deutschland, ein Land der Wissenschaft? Bismarcks Traum würde wahr.