Was für ein Wortungetüm, fies. Finanzmarkttransaktionssteuer. Aber Europa nähert sich, seit heute sind Leerverkäufe untersagt, berichtet die Süddeutsche. Was für Dinger? Das ist jetzt erst einmal egal. Sie machen Spaß und bringen viel Geld, wenn man sich denn traut. Und wenn man halt Glück hat. Viel wichtiger ist jedoch das Signal dieses Schrittes: We are not afraid.
Angst haben darf die deutsche Regierung nicht, wenn sie auch eine Finanzmarkttransaktionssteuer (manohman) tatsächlich einführen will. Selbst alle europäischen Regierungen gemeinsam, müssten mit blindem Mut zustimmen, sollte es ein solches Gesetz tatsächlich bald geben. Tatsächlich funktionieren tut dies nämlich nur, wenn alle mitmachen. Sollst sucht sich das Geld, man denke an Wasser, einfach einen anderen Markt und Europa guckt mit seiner schönen Steuer in die Röhre. Situation schlimmer als vorher – viel schlimmer.
Aber wie bringt man jetzt alle Markt-beherbergenden Länder der ganzen weiten Welt dazu, glaubhaft darzulegen, dass sie auch eine derartige Steuer einführen werden? Und wie kriegt man sie eigentlich dazu, dies selber zu wollen? Erschwerend hinzu kommt schließlich, dass der freie Finanzmarkt mit seinen modernen Produkten als Schmiermittel der Weltwirtschaft gilt und die Entwicklung der vergangenen 150 Jahre ohne sie wohl niemals denkbar gewesen wäre. Nicht in dieser Intensität.
Europa soll vorangehen, eigentlich sogar nur Deutschland, aber wäre man nicht unglaublich dämlich, dies zu tun? Defection is rational, wer defekt spielt, gewinnt Milliarden.
Es ließen sich vielleicht Krisen vermeiden, wenn alle mitspielen – okay, doofes Wort – mitziehen würden. Noch dazu lässt sich schon mit einem einfachen Gedankenspiel konstruieren, warum freie Märkte nicht mehr zur Wohlfahrtsmaximierung führen. Die kollektive Handlung wäre also zum positiven Nutzen aller, fein. Aber ohne diesen einsamen Schritt nach vorn – direkt über die Klippe des Problembäerges – wird es eine solche Steuer niemals geben. Und eigentlich sollte ihn auch kein verantwortungsbewusster Politiker tun.
Lösung des Problems? Irrationales Handeln, zum Schaden des Volkes und der Volkswirtschaft. Und hoffen, dass alle mitspielen. Dann mal munter voran, Kameraden.

Hans-Werner said:
Es ist rein gar nicht illusorisch, so eine Steuer auch weltweit durchzudrücken, wenn die Bretton-Woods-Instrumente ausgepackt werden. Da haben wir schon weitaus blödsinnigeres drüber durchgedrückt.
Leerverkäufe untersagen ist natürlich nur eine Kleinigkeit, da wird nur einigen Leuten ihr Spielzeug weggenommen, weil man findet, dass sie nicht damit umgehen können. Kleinigkeit und daher auch nur per ordre BaFin.
Was aber soll an einer Finanzmarkttransaktionssteuer denn so schlecht sein? Ich meine, Zinsen werden auch besteuert und andere Kapitalerträge auch. Was ist so schlimm an einer Umsatzsteuer? Steuern sind per se eigentlich nie richtig oder falsch, wenn man vom Menschen ausgehend argumentiert. Sie treffen nur die “richtigen” oder die “falschen”, und hier scheint man mir zumindest auf die richtigen zu zielen…
Isa said:
Es wäre nach Bretton-Woods tatsächlich möglich, so etwas weltweit durchzudrücken? Kann ich gar nicht glauben, echt?
Zur Frage nach der Bewertung einer solchen Steuer hab ich auch noch was im Kopf
schreibe ich morgen mal auf.
Allerdings: Auf wen man mit der Besteuerung zielt ist gar nicht die Frage, die Steuer ist schließlich nicht als Einnahmequelle gedacht. Sie soll eine gewisse Lenkungswirkung der Investitionen entfalten, vor allem weg von kurzfristigen, hin zu langfristigen. Und da ist das Problem: Wir können zwar sagen: Wir als Volk wollen keine Spekulationsinvestitionen. Das ist sogar okay, auch wenn es eine klare Wertung enthält.
Aber: Dann spekulieren die halt wo anders. Und das tut unseren Märkten so richtig schön weh. Und weh tut es vor allem jenen Unternehmen, die Investitionen dringend brauchen würden.
Spielzeuge wegnehmen ist halt so eine Sache… Dann spielt man eben in der Nachbarsandkiste.