
Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler (Foto: UPB)
“So ein Psychopath… Ich studiere hier Wirtschaft und nicht Physik!” zwischte ein legendärer Student im Fahrstuhl der Universität Paderborn. Der meinte zwar nicht Prof. Dr. Dr. Andreas Löffler vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbs. Finanzierung und Investition, trotzdem brach dieser am 22. Juli 2009 mal eine Lanze für die geplagte Studentenschaft der Wirtschaftswissenschaften.
Am Mittwoch hielt András Gábor Löffler, wie er eigentlich mal hieß, seine Antrittsvorlesung in Paderborn zum Thema “Zeitdiskrete und Zeitstetige Modelle in der Unternehmensbewertung”. Klingt ganz furchtbar? War es eigentlich gar nicht.
Dabei hätte der gebührtige Ungar sogar die besten Voraussetzungen, die Studenten nach Strich und Faden zu quälen, hat er schließlich 1993 in Mathematik promoviert. 1995 hatte er den Weg ins Licht dann doch noch gefunden und schob einen zweiten Titel in Wirtschaftswissenschaften hinterher.
Statt die versammelte Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät mit Formeln und hochkomplexen, aber auch hochmodernen Modellen zu beladen, warf Löffler die Frage auf, was diese Modelle eigentlich bringen. Warum hat man ein zeitstetiges Modell für die Kursberechnung – das heisst jetzt soviel wie in jedem Augenblick tut sich da was, auch zwischen den Augenblicken, und dazwischen, und so weiter – wenn die Börse nur zehnmal in der Sekunde tickert? Klingt, als wär das ziemlich oft. Aber zwischen unendlich oft und zehnmal in der Sekunde gibt es eben doch noch einen Unterschied. Modelle, die diesen Umstand berücksichtigen, sind trivial. So urteilen zumindest die beliebten A-Journals.
Modelle, die diesen Umstand nicht berücksichtigen, sind vielleicht nicht trivial. Allerdings sind sie leider realitätsfern. Jetzt muss man sich halt entscheiden. Die Universitäten haben sich natürlich längst entschieden. So sieht Löffler in den komplexen Modellen vor allem eine Eintrittsbarriere für Ph.D (die Ami-Version vom Dr.) und Professoren-Aspiranten. Allerdings haben sie sich damit auch entschieden, dass man ohne fundierte mathematische Ausbildung – Löffler schätzt mindestens zwei Semester reine Mathematik als realistisch ein – eben nicht mehr forschen darf. Zumindest kriegt man keine Stelle und keine Aufmerksamkeit (also Geld) dafür. Warum? Warum auch immer. Es ist halt so.
Bleibt zu hoffen, dass einige der Paderborner Entscheidungsträger in der vergangenen Nacht über Löfflers Argumenten wach gelegen haben. Die neuen Professoren sind zwar hochqualifiziert und forschungsaktiv – aber sie sind auch zu einem großen Teil Mathematiker. Das geht zu Lasten der Studenten, die dieses Niveau dann von Anfang an abbekommen. Warum? Warum wenn überhaupt nicht erst im Masterstudium? Warum auch immer…
Ich war immer für ein hohes Studienniveau, aber nicht im ersten Jahr. Viele der heutigen Bachelorstudenten wollen nur eins – arbeiten. Und wenn die Forschung sich selbst nur noch infinitesimal interessant macht, können sich die Wirtschaftswissenschaftler ihren Nachwuchs bald wirklich nur noch unter den Mathematikern suchen.

Puerta said:
Dieser Beitrag ist vom ersten bis zum letzten Wort dummes Zeug. Staatliche Universitäten haben im Bereich der Wiwi seit jeher Wissen auf einer theoretischen und mathematischen Basis vermittelt.
All denjenigen, welchen dieser Umstand nicht zusagt, bleibt die Fachhochschule als Alternative. Wer nach dem Bachelorstudium ohnehin arbeiten gehen möchte, sollte sich überlegen, ob eine Ausbildung oder berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen nicht eine bessere Wahl zum Studium an der Uni wären, insbesondere dann wenn mathematische Grundlagen fehlen.
Die Doktoranden in Wiwi haben sicherlich keine Schwierigkeiten mit der von Professor Löffler empfohlenen mathematischen Ausbildung, denn sonst wären sie keine Doktoranden.
Offenbar mangelt es dem Verfasser des Hauptthreads an mathematischen Fähigkeiten, ebenso wie dem Willen sich dieses von BEGINN AN im Studium anzueignen.
Ihm und allen anderen, die sich seiner Haltung anschließen sollen beruhigt sein: Die Laber-Profs an der Uni Paderborn halten den Weg des geringsten Widerstands gesichert. Zu Bedenken bleibt hier jedoch eines: Die Personalabteilungen der Betriebe sind auch net doof. MEDAMA, Arbeitspsychologie und haufenweise werden von ihnen als Unsinn identifiziert.
Professor Löffler bietet ohne Zweifel ein ganz anderes Format, dessen Vorlesungen für normale BWLer angemessen schwer sind. Mit Nacharbeiten ist den von ihm gebotenen Lerninhalten jedoch gut zu folgen. Richtig krachen Professor Löffler es jedoch in seinen Prüfungen. Hier gibt der vorhandene Zeitdruck sein Übriges und das habe ich auch leidvoll erfahren müssen. An die wenige Zeit muss man sich ersteinmal gewöhnen. Sein gesamter Lehrstuhl ist jedoch sehr hilfsbereit und für Fragen stets gut erreichbar. Hervorzuheben ist an dieser Stelle seine Assistentin, Frau Zhu. Die ist wirklich top!
outro
Isa said:
So recht ist mir das Ziel des Beitrages nicht klar geworden, daher hat die Antwort auch so lange auf sich warten lassen. Lob an Herrn Löffler, Kritik an mich. Es geht weder um den Schreibstil noch um die – wiedergegebenen – Thesen (Neudeutsch: Inhalte). Im Grunde sind es eigentlich nur Schüsse in meine Richtung. Natürlich bleibt es jedem Nutzer freigestellt, unbestätigte Behauptunten über meine Person zu äußern. Mir selbst stelle ich es frei, auf diese nicht näher einzugehen. Ich hab auch wirklich keine Lust, jetzt noch mein Abschlusszeugnis einzuscannen und ich sehs auch eigentlich gar nicht ein, irgendwelche Qualifikationen vorweisen zu müssen.
Also zur Kritik:
Zunächst die individuelle Fachwahl bzw. das Lehrangebot einzelner Lehrstühle:
Das Arbeitsschutz – nichts anderes wird in MEDAMA gelehrt – als “Unsinn identifiziert” wird, kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung heraus so nicht bestätigen. Aber vielleicht habe ich da nur Einblick in die wenigen Ausnahmen gehabt. Von einem Schülerjob mal abgesehen begegnete mir das Thema übrigens in jeder Firma schon. Mit solchen Aussagen wäre ich in der Öffentlichkeit also vorsichtig.
Arbeitspsychologie siehst du ebenfalls als “Unsinn”. Das ist eigentlich sehr schade. Gerade erst haben ökonomisch-soziologische Untersuchungen erneut empirisch wie auch experimentell belegt, dass sich gute Mitarbeiterführung auf die Leistung auswirkt. Prinzipal-Agent-Kontrolle-ist-besser my ass
Und sowas muss man lernen – und lehren. So lange Paderborn also auf die Ausbildung von Führungskräften abzielt, bieten sich solche Fächer also durchaus an.
Auch wenn ich Herrn Löfflers Vorlesungen nicht besucht habe, kann ich mir schon vorstellen, dass sie für “typische BWLer” recht schwer sein können. Da fehlt mir schlichtweg das Wissen. Hält er sich an das, was er in seiner Antrittsvorlesung propagiert hat, werden sie schon nicht zu schwer sein.
Ich bin wohl die letzte, die einen Niveauverfall der Universitäten wünscht. Aber das ändert nichts daran, dass sie eines Tages – ähnlich wie die von dir ziemlich selbstbrüskierend angegriffenen Fachhochschulen – Nachfrageorientiert werden anbieten müssen. Mag sein, dass Fachzeitschriften eine gewisse Nachfrage nach vierdimensionalen Abbildern unserer dreidimensionalen Welt aufbringen – die Wirtschaft wird es langfristig vermutlich nicht tun. Und selbst wenn sie es tut – gebildete, herausgeforderte Kollegen mag ich auch am liebsten – bleibt die Frage offen, welcher Nutzen für die Gesellschaft daraus resultiert.
Ein Gedanke übrigens, der damals offene Türen bei mir einrannte. Ich hatte die Universität frisch verlassen, weil mir bei all den mathematischen Methoden – die nicht-selten entweder Wiederholung aus Bachelormodulen oder für mich persönlich recht uninteressant – der Realitätsbezug fehlte.
Der Beitrag ist recht alt, bleibt also die Frage offen, ob ich den Inhalt nach wie vor so unterschreiben würde. Ich denke ja. Mit der Einschränkung, dass ich die Forderung nach einem hohen Grad an mathematischer Ausbildung heute nicht mehr so kritisch sehe wie damals.
Die Forderung nach mehr Realitätstreue wird sich mit dem Generationswechsel ohnehin durchsetzen. Die ökonomische BWL mag in einem hochelitären Elfenbeinturm verbleiben können, weil vieles dann doch auf der Basis des Studiums im Beruf selbst gelernt wird – Erfahrungswissen. Die Ökonomie selbst wird sich das in meinen Augen nicht erlauben können, wenn sie – gerade in Paderborn – überleben wollen sollte.