Der Wahlkampf wird wichtiger. Nichtmal mehr 50% der Deutschen wählen aus “Tradition”, besser gesagt, Parteibindung. Heute zählen die Inhalte. Was genau das nun eigentlich sein soll, wer weiß das schon? Aber wichtig sind sie, das hat jeder verstanden. Auch nicht ganz uninteressant: Die Kandidaten. Aber wie gewinnt man den jetzt eigentlich so eine Wahl? Am besten mit ganz ganz viel Schlamm.

Es hat begonnen: Das Superwahljahr. Aus diesem Anlass hielt Prof. Dr. Oskar Niedermayer von der FU Berlin an der Universität Göttingen einen Vortrag zum Thema “Wahlverhalten der Bürger und Wahlkampfstrategien der Parteien”. Schnell wird klar: Gewählt werden ist gar nicht so einfach. Nicht nur, dass die Wähler sich dauernd umentscheiden, sie entscheiden auch noch vollkommen unvorhersehbar. Das musste auch der Wissenschaftler eingestehen und weigerte sich, eine konkrete Prognose abzugeben.

Niedermayer

Niedermayer

Ganz vernünftig, denn im Wahlkampf kann man viel falsch machen. Personenkult á la Obama – zero points in Germany. Was in Amerika von der Presse sogar mitgetragen wurde (nachweislich beeinflusste einseitige Berichterstattung in den Medien den Ausgang der US-Wahl), würde in Deutschland “von der Presse zerfleischt werden”. Auch das Internet kann gefährlich werden. Präsenz ja – aber bloß nicht übertreiben, das kann nach hinten los gehen. Und während sich so mancher mehr Nähe zum Politiker wünschen würde – Twitter, Blogging, Web 2.0 generell – überwiegt bei den Parteien die Angst, bei zuviel Nähe auch Schwächen zu offenbaren.

Stattdessen muss also die Presse gefüttert werden. Am besten mundgerecht für die Vorabendnachrichten serviert, fertige Texte (denn welcher Journalist schreibt schon gerne selbst oder so?), spannende Ereignisse, kontroverse äh kompetente Selbstdarstellung im nagelneuen “Polittainment”. Unterschichtenfernsehen für die Oberschicht, oder solche, die es werden wollen.

Wie gesagt, ganz wichtig: Die Inhalte. So eine Wirtschaftskrise kommt da schon ganz gelegen, bietet sich insbesondere als die-anderen-sind-alle-doof-Thema an. Aber besser wäre wirklich mal wieder eine kleine Naturkatastrophe. So war es wohl die Flut von 2002, die die CDU die Wahl kostete. Während die damals über Steueranpassungen diskutierte, stand Gerhard Schröder mit Gummistifeln im Matsch.

So macht man Politik.

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Blogplay