Is this guy nuts? He’s got data for 1491?

Well… probably not. I’m just guessing.

Was der rennomierte Harvard-Forscher Jeffrey Williamson am 14. Mai 2009 an der Universität Göttingen vorstellte war vielleicht wirklich nur gut geraten. Vor allem aber war es der “Take-Off” für einen Richtungswechsel in der Ungleichheitsforschung. Sein Ergebnis: Persistent inequality in Latin America is a myth!

Latein Amerika ist ein Land der Extreme. Extreme Armut, extremer Reichtum. Und so ist es auch schon immer gewesen. Und deswegen hat sich das Land auch so spät entwickelt.  Eine einleuchtende These, nur leider falsch.

In seinem Paper “History without evidence: Latin American inequality since 1491” untersuchte Williamson an Hand von so genannten Social Tables (Klasseneinteilungen mit Einkommensdaten) die Ginikoeffizienten einer Grundgesamtheit von… 29 (unterschiedliche Länder und Zeitpunkte). Ohne Daten über die Varianz innerhalb der Gruppen zu haben. Ist das Signifikant? Nein. Aber das ändert auch nichts an seinem überraschenden Ergebnis: Das die Ungleichheit, vor allem zu Zeiten vor der Kolonialisierung, mehr als niedrig war. Sie war die niedrigste überhaupt.

Auch kann man wirklich nicht behaupten, dass Ungleichheit das Wachstum behindert. Das hätte dann nämlich die Industrielle Revolution (oder wie auch immer man es nennen möchte) in Europa verhindert, hier wars nämlich viel ungleicher als drüben.

Die Datenbasis lässt sich natürlich kritisieren, insbesondere der Punkt, dass einige Ungleichheitswerte schlichtweg mittels ökonometrischer Regression ermittelt wurden. Dennoch, die These, dass traditionell starke Ungleichheit in Latein Amerika nichts als ein Mythos ist, kann man auch mit wenigen Daten stützen, wenn man diese mit europäischen Werten vergleicht.

Derweil sitzen andere Forscher schon wieder in Archiven und stellen neue Social Tables zusammen. In zehn Jahren, erwartet Williamson, wird seine Forschung wesentlich aufgearbeitet sein. Umdrehen wird sich das Ergebnis allerdings nicht mehr.

Neue Methode – maximale Ungleichheit

Mit seinem Paper stellte Williamson auch eine neue Methode der Ungleichheitsforschung vor. Anstatt nur den Gini-Koeffizienten zu ermitteln, bei dem die Ungleichheit an Hand der Einkommensverteilung gemessen wird, betrachtete er die extraction ratio und die inequality possibility frontier. Hierbei wird die Kaufkraft von 300$ (von 1990) als überlebensnotwendig angenommen. Alles andere können “die Reichen” gerne von den Armen nehmen, verhungern tun die dann nicht. Je höher das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf also ist, desto ungleicher kann so ein Land auch sein. Die extraction ratio beizeichnet dann das, was sie in der Realität genommen haben bzw nehmen, geteilt durch das, was sie hätten nehmen können.

Vielleicht ein interessantes Konzept, dass den Gini-Index jetzt vergleichbarer und realistischer macht.

Share and Enjoy:
  • Print
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • Blogplay