Eine Menge Leute sehen eine Menge Sachen kommen. Und wenn genügend Leute da sind, hat auch immer irgendwer Recht, böse Zungen nennen dieses Phänomen “das Gesetz der großen Zahl” oder “auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“. Eigentlich wäre das egal. Mal geht es bergauf, mal geht es bergab… und durch die inflationäre Berieselung der Massen mit allerlei Konjunkturprognosen haben diese eigentlich fast nur noch Horoskopcharakter.

Dabei haben Konjunkturprognosen den Horoskopen etwas entscheidendes – vielleicht überraschendes – voraus: Sie betreffen nicht wahllos ein Zwölftel der Bevölkerung. Sie betreffen einzelne Gruppen. Anleger. Unternehmer. Arbeitnehmer. Sowas halt, Gruppen eben. Gruppen mit (mehr oder auch weniger) Geld, Gruppen, die Zeitung lesen und Nachrichten anschauen. Und an dieser Stelle wird es problematisch, denn die Medien stehen auch in Konkurrenz. Und wenn die Krise angekündigt ist? Jeder weiß bescheid, keiner ist mehr geschockt, Wind aus den Segeln, das wars.

Damit verkauft man aber seine Nachrichten nicht. Neuigkeiten müssen her. Aber die Krise ist interessant. Und so lange nicht irgendwo wieder ein Markt zusamenbricht, woher die Neuigkeiten nehmen? Es bleibt eigentlich überhaupt gar nichts anderes übrig: Ein Ökonom muss her, der in unendlicher Weisheit erkannt hat, dass alles noch schlimmer wird, als befürchtet. Katastrophenjournalismus, die Recherche kann in diesem Fall direkt durch ein “Deutschland sucht den Superquengler”-Casting ersetzt werden.

Konsequenz? Angst. Angst in der Bevölkerung, Angst unter den Unternehmern, Angst unter den Anlegern.

Stillstand in den Märkten.

Auch dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung reicht es damit jetzt. Präsident Klaus Zimmermann schlägt sogar vor, auf unbestimmte Zeit keine Prognosen mehr zu veröffentlichen – eben so lange, wie auch niemand wirklich sagen kann, wie schlimm die Finanzmarktkrise denn nun wirklich werden wird. Das hätte auch den entscheidenden Vorteil, dass keine pessimistischen Erwartungen mehr ausgelöst werden – und die Situation damit zumindest nicht schlimmer wird.

Eigentlich irgendwie zynisch. Denn Prognosen beeinflussen per se das Verhalten der Marktteilnehmer nicht – wenn sie denn nur stimmen. Und davon, dass die eigene Prognose stimmt, wird wohl jeder Ökonom ausgehen.

Und wann darf man wieder Prognosen abgeben? Wenn sie positiv ausfallen? Ich glaube, dafür gibt es ein Wort, auch wenn es leider irgendwie negativ klingt:

Zensur.

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