Es war eines der ganz großen Themen im vergangenen Jahr: Die Mittelschicht schrumpft. Au weia. Für sich genommen wäre das ja eigentlich egal, das Problem liegt eher in der wachsenden Gruppe der Armen. Und die wird nicht nur größer – die wird vor allem auch ärmer. Das ist der Preis für etwas, das wir leider nicht ändern können – und mit gehobener Sicherheit auch nicht ändern wollen.
Kalter Kaffee
Nein, dieses Thema ist nicht neu. Es ist vielleicht aktuell, aber wenn, dann ist es das auch schon ziemlich lange. Über die letzten zehn Jahre hinweg war der traurige Trend bereits zu beobachten, im Oktober 2008 schockte dann das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit neuen Zahlen: Die Mittelschicht schrumpft. Die Armen werden Ärmer, die Reichen reicher. Die Mittelschichtler rutschen ab, kaum jemand steigt auf. “Die Schere geht auf”, metaphorisiert das Problem auf ganz hübsche Weise, man könnte aber auch ganz einfach sagen “die Gesellschaft bricht auseinander.”

Einkommensschichtung in Deutschland 1984 bis 2006
Warum?
Für diese Entwicklung gibt es viele Gründe und eigentlich kennt die auch jeder. Warum? So isses halt. Darum.
Es gibt eine viel spannendere Frage:
Warum nicht?
Wer sagt eigentlich, dass diese Entwicklung nicht ganz natürlich ist? Verteufelter Sozialdarwinismus hin oder her – wird sich das Ende der Mittelschicht langfristig überhaupt verhindern lassen? “Verhindern” in diesem Fall hieße vor allem, jenen Teil der “Armen” davor zu bewahren, so richtig-richtig arm zu werden. Und es hieße, den Anteil der Armen klein zu halten. Ersteres lässt sich aus Sicht des Staates durch Umverteilung durchaus bewerkstelligen – so lange Letzteres gegeben ist.
Nur so, als Gedankenspiel – wie sollte das aussehen? Ein großter Teil der “neuen” Armen im vergangenen Jahr waren Alleinerziehende – das werden durch den gesellschaftlichen Wandel mehr werden, klar. Trotzdem gibt es eine Obergrenze, die sich immerhin noch an der heimatlichen Bevölkerungszahl misst. Der andere, noch größere, Teil liegt ganz wo anders. Nämlich bei den Einwanderern. Und das ist eine Zahl, die sich in der Globalisierung nicht mehr so leicht begrenzen lässt. Beide Faktoren drücken auf den Arbeitsmarkt, die Bildungskrise (na liebe BILD, wär das nicht ne 72pt wert?) tritt direkt nochmal nach: Viele gering qualifizierte – günstige – Arbeitskräfte, die viele – aber nicht so viele – Jobs haben wollen. Und schon muss sogar auf die Arbeitnehmer umverteilt werden.
Ausbeutung? Nein. Markt. Kapitalismus? Sicher. Naturgesetz.
Lösung?
Ich überleg mir was, versprochen. Aber da es halb 6 am Morgen ist habe ich außer “Geburtenkontrolle” und “Grenzen schließen” leider nichts anzubieten. Wir können stolz auf unsere liberale, weltoffene Gesellschaft sein. Aber wir müssen auch mit ihr leben. Und wenn wir viele Arbeitskräfte ins Land lassen, dann sinken die Löhne. So ist das nämlich an einem Markt. Wenn viele Kartoffelchips da sind, werden die ja auch billiger und keiner beschwert sich. Und wenn Menschen, die in ihrer Partnerschaft nicht glücklich sind, diese dann beenden… was soll dabei denn rauskommen? Sollte es anders laufen?
Ja. Nein. Vielleicht. Keine Ahnung wie.
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