ICQ und Skype starten sich von selbst. Erster Mausklick ist das HSUPA-Tool, dann kommen sofort die e-Mails. Browser auf und klick-klick-klick-klick. Facebook-StudiVZ-Blog-StudIP, in exakt dieser Reihenfolge. Die Seiten laden, in der Zeit wird der ICQ-Status aktualisiert: abgeschalten.
Das ist es, was meine Mutter mir seit fast dreiundzwangzigkommafünf Jahren rät. Abschalten. Das das Wort in meiner Kohorte praktisch keine Bedeutung mehr hat, versteht die Parental-Generation nicht. Sozialisiert von Tigerenten-TV, BravoTV, TotalTV und Politrede-TV, parallel zu Internet-Chaträumen, den Resten der Tageszeitung, den etwa 100 Verfolgten bei Twitter und mindestens zwei sozialen Netzwerken hat uns das niemand mehr beigebracht. Inhaltsleer.
Gestern war ein neuer Tag. Ich hab das Netbook gar nicht erst eingeschaltet, der iMac blieb aus, der Fernseher bis 22.30 Uhr auch. Das Telefon auf Nacht-Modus: Wer mir nicht bekannt ist, dringt nicht in meinen Ereignishorizont vor. Die Zeitungsreste blieben bis 21 Uhr unangetastet auf dem Boden gestapelt liegen.
Und ich? Ich hab gelesen. Nichts für Universität oder politische Bildung, nichts, um mir Schreibstile abzugucken. Ein ziemlich gutes Buch (Der verlorene Ursprung) und zwischendurch zwei Einheiten Spanisch-Sprachkurs. Und nur aufgestanden, wenn es unbedingt sein musste.
War das jetzt abgeschalten? Nicht unbedingt. Wenn am Ende des Tages unentspannte Frustration steht, die sich durch überhaupt gar nichts begründen lässt, fehlt zum wirklichen Abschalten noch so einiges.
Aber ich arbeite daran.
Allein der Satz zeigt, dass es vermutlich noch eine Weile dauern wird.
Ich mach den Rechner lieber wieder aus.
mom said:
…ich arbeite dran ist gut. Aber wie so oft bei geliebten und gelebten Gewohnheiten, steht am Anfang einer Änderung immer der Entzug. Nur nicht entmutigne lassen:)