Einer für alle – alle für einen? Aber nicht doch. Lieber alle für alles, statt einer für ein bisschen was. Wo möchte das deutsche Volk hin, mit seiner Demokratie? Klingt sinnfrei? Finde ich auch. Trotzdem wird in der modernen Gesellschaft der Ruf nach etwas, das die moderne Welt eigentlich längst hinter sich gelassen hatte, immer lauter. Und so stieß der französische Staatspräsident mit seinem Vorstoß, bestimmte Unternehmen teilweise verstaatlichen zu wollen, nicht auf die tauben Ohren, die man hätte erwarten sollen.

Wer statt mit tauben Ohren mit einer Welle der Entrüstung gerechnet hatte, irrt ebenfalls. Eigentlich finden die Deutschen die Idee nämlich gar nicht mal so blöd. So wünschen sich schon über die Hälfte der in einer Stern-Umfrage befragten Bürger staatliche Beteiligungen in der Energiewirtschaft, bei Banken und Versicherungen, Fluggesellschaften, der Bahn und der Post. Dabei geht es gar nicht primär um finanziellen Beistand für unsere liebe Wirtschaft – was Deutschland sich wünscht, ist Kontrolle. Regulierung. Nicht über Gesetze, denn die werden gebrochen. An der Wurzel soll das Problem gepackt werden. Gestern waren die Politiker noch die bösen Korrupten, heute sollen sie dem Übel des Tages zu Leibe rücken: Wirtschaft, so böse, dass die Politik glatt wieder liebenswert erscheint.

Das der Neoliberalismus mit seiner sozialen Marktwirtschaft wahnsinnig uncool geworden ist, ist gar nichts Neues mehr. Das unsere liebe Gesellschaft deswegen aber direkt zur Sozialisierung schreiten will, mutet ein ganz klein wenig extrem an.

Denn wie nannte man die Sache mit der flächendeckenden Verstaatlichung doch gleich?

Achso ja. Kommunismus.