Für manche Aussagen kann selbst ich mich eigentlich nur bedanken, in vollem Ernst dieses Mal.
Eine Wirtschaftsordnung, welche die Finanzmärkte eng an die Kandare nimmt, ist nicht nur denkbar, sondern auch Geschichte. Die Amerikaner haben als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise das Kapital streng kontrolliert mit der Folge, dass das Wachstumspotential deutlich schrumpfte. Der Sozialismus war noch konsequenter: Spekulationskrisen gab es in der DDR keine; Wohlstand indessen auch nicht. Gewiss kann jetzt nicht weitergewurstelt werden wie bisher. Wenn freilich nichts als Regulierung, Staatskontrolle und Beschränkungen des Börsenhandels dabei herauskommt, wird der Schaden langfristig womöglich noch größer werden.
Danke, liebe F.A.Z., liest sich gut, seh ich auch so.
Viele Dinge kommen als höchstes Gut der Menschen in Frage. Im Zuge einer Umfrage sagte mir vor einigen Wochen ein Schüler (Jahrgang ’93), die Wiedervereinigung habe für ihn vor allem eine Bedeutung: Ein Symbol der Freiheit. Ob es diese nun ist, die uns am stärksten am Herzen liegt, bleibt wohl für immer strittig. Aber für mich ist sie das und das prägt mich eben. Also danke Rainer Hank und danke 15-jähriger Schüler, dessen Namen ich nicht mehr weiß.
Natürlich kann ein nicht-regulierter Markt versagen! Aber deshalb gleich in Ketten legen? Natürlich handeln Menschen nicht rational, wie könnten sie auch? Vielleicht eine Eigenschaft, die mit der Emotion kollidiert? Mindestens. Lösung: Bevormunden? Zwanghaft verändern?
Die Freiheit gegen Fehlerlosigkeit einzutauschen hat wohl sowieso einen entscheidenden Makel: Wo kriegen wir bloß die Fehlerlosigkeit her? Wer entscheidet, was richtig ist? Zugegeben, stürzen die Märkte ab, lief vermutlich einiges daneben. Und natürlich: Das hätte man verhindern können. Mein Vorschlag: Internationalen Finanzmarkt abschaffen, reicht doch, wenn jedes Land sich isoliert vernichtet (Sarkasmus hin oder her, was die Vereinigten Staaten angeht komme ich nicht umhin, diese Idee gar nicht so übel zu finden…).
Ich hab das Fahrradfahren übrigens auch mit aufgeschlagenem Kinn lernen müssen. Heute kann ich es – und trotzdem fliegen weiterhin Kinder in den Kies. Meine mit Sicherheit auch irgendwann.
Nebenbei werden im Artikel direkt noch mal die ursprünglichsten Ursprünge der Finanzmarktkrise erläutert, wurde Zeit, dass das mal jemand – für die Allgemeinheit verständlich – in die Hand nimmt.
Erst wagen die Menschen gar nichts und scheuen jedes Risiko. Dann entdeckt plötzlich einer irgendwo ein Geschäft und ein anderer, der daran mitverdienen will, ist bereit, ihm Geld zu leihen. Plötzlich machen alle mit, weil sie ziemlich dumm da stünden, wenn ihre Umwelt den großen Reibach ohne sie machen würde. Weil die Zinsen niedrig sind, ist Geld billig zu haben. Und weil die wirtschaftlichen Aussichten stabil sind, taucht Kassandra ab. „Lebe riskant, und verdiene viel Geld“, heißt die Devise. Der Spekulant ist ein höchst emotionsgeladenes Wesen mit animalischen Instinkten.
Dann kommt der Minsky-Punkt. Irgendein Mitspieler bekommt es mit der Angst und verweigert die Zahlung. Einer ist noch nicht schlimm, der zweite vielleicht schon; denn sein Verhalten steckt an: Die Blase platzt. Und die Neigung, Risiken einzugehen, nimmt rapide ab. Plötzlich kann niemand mehr verstehen, wie alle noch vor wenigen Jahren berauscht waren: Die Helden von gestern sind die Dummen von heute.
Schön

Siggi said:
“Ich hab das Fahrradfahren übrigens auch mit aufgeschlagenem Kinn lernen müssen. Heute kann ich es – und trotzdem fliegen weiterhin Kinder in den Kies. Meine mit Sicherheit auch irgendwann.”
Der Vergleich ist zwar nett gemeint, hinkt aber ein wenig. Wenn mit dem Geld andrer Leute gespielt wird und sie dann damit hinfallen, haben die Leute dies verbockt haben kein aufgeschlagenes Kinn, sondern ein Millionenschweres Konto. Dann müssen sie zwei oder drei Monate reumütig in den Medien auftreten, dass das ja alles nicht so gewollt war um sich dann in Ihren wohlverdienten (denn sie haben ihre Aufgabe ja gut gemacht, sonst würden sie ja keine Boni etc. bekommen) Urlaub zu verabschieden. Die geschädigten sitzen in anderen Bereichen und haben an sich nichts falsch gemacht.
Sven said:
@Siggi: aber ich bin es doch der mein Geld an die Börse trägt und sagt “Macht mal!”
Bisher habe ich noch von keinem gehört, dass er mit vorgehaltener Waffe zum Kauf von Aktien genötigt wurde.
Letztlich entscheidet ja jeder selbst was er mit seiner Kohle macht. Dass der Kapitalmarkt nun mal nicht immer zwingend die optimalsten Möglichkeiten bietet nur weil er gelegentlich fette Beute verspricht, sollte mittlerweile auch dem Dümmsten aufgefallen sein.
“Learning by Doing” mag einem zwar bei einem Geldaufkommen von mehreren Milliarden Euro suspekt erscheinen – bleibt aber letzten Endes die einzige Möglichkeit aus Fehlern zu lernen. Was am Ende aus diesem ganzen Tohuwabohu für Erkenntisse gewonnen wurden, sieht man eh erst bei der nächsten “Finanzkrise”.
Siggi said:
Ich rede ja auch garnicht von den Kleinanlegern, oder Ähnlichem. Ich rede von den Banken, die mit “Ihrem” Geld spekuliert und mächtig aufs Maul geflogen sind (bis auf einige wenige die davon profitiert haben).
Das ist ein Geflecht von Netzwerken, da kommt man als normalsterblicher gar nicht rein und Kleinanleger gehören zu eben jenen normalos.
Aber guck dir mal die Bailout Programme an. Das Geld ist ja nicht “verbrannt” worden, wie es in den Medien häufig genannt wird, dass ist schwer irreführend. Das Geld ist in die Taschen einiger weniger gelangt. Natürlich nicht alles wenn man Inflation und ein paar andre Faktoren einrechnet. Aber alles was da verzockt (böse Menschen würden beiseite geschafft sagen, aber sowas würde ich nicht tun) zahlt im Endeffekt der Steuerzahler. Und ich kann mich nicht erinnern, dass jemand von den Bankern vorher sowas wie “25% Rendite geht einfach nicht, da ist der kollaps vorprogrammiert. Ihr macht ma halblang, macht 4% und habt dafür auch nen Gegenwert und keine Blase” gesagt hat.
Isa said:
Gut, böse, blöd.
Zum Nachdenken