Nein, verstanden hab ich das jetzt selber auch nicht. Eigentlich haben wir ja echt miese Studienbedingungen, volle Hörsäle und so. Jetzt sind es aber auf einmal zu wenig Studenten weil die Zugangsbeschränkungen zu groß sind? Da frag ich mich doch irgendwie, wo die noch hingesteckt werden sollen..?

Schlechte Studienbedingungen

Es mag ein halbes Jahr her sein, da war die Diskussion wieder ganz groß: Überfüllte Hörsäle, volle Seminare, viel zu wenig Professoren haben keine Zeit für die Betreuung von viel zu vielen Studenten, die Regelstudienzeiten können nicht eingehalten werden weil Pflicht-Fächer nicht mit ausreichenden Plätzen angeboten werden. Gerade der letzte Punkt ist gravierend – weil teuer.

Verschlimmert wurde die Lage durch die Umstellung von Diplom auf Bachelor. Vielerorts werden Schwerpunkt-übergreifende Fächer einfach zusammengeschmissen – mit ca 800 anderen Studenten aus Wirtschaftsinformatik, -wissenschaften, -pädagogik, -ingenieurswissenschaften und anderen Fachbereichen gemeinsam in einem auf 600 Personen ausgelegten Hörsaal sitzen und sich in 90 Minuten pro Woche “Grundzüge aller Art” anzuhören war auch eines der Highlights meines Studienlebens. 800 Studenten waren das aber auch nur, weil Gott sei Dank genügend Leute keine Lust auf ihr Studium haben und wegbleiben. Danke nochmal an dieser Stelle.

Hohe Zugangsvoraussetzungen

Wer zur Uni will muss erstmal einige Voraussetzungen mitbringen. Das sieht der Spiegel auch so. Erstmal braucht man natürlich Geld. Neben dem Bachelorstudium lässt sich immer schlechter arbeiten weil es auf Vollzeit ausgelegt ist.

Ein weiteres Problem sind die Studiengebühren. Dass man für diese einen günstigen Kredit bekommt wird bei der Argumentation jedoch geschickt unterschlagen. Würde ja auch nicht ins traurige Bild passen.

Was das Chaos bei der Einschreibung angeht kann ich mich getrost anschließen. Ich selbst habe es nach dem Grundsatz “Wer mich das Formular nicht finden lässt hat mich auch nicht verdient” gehalten… allerdings ist es wohl doch eher umgekehrt. Das junge Menschen nicht studieren, weil sie im Internet kein Bewerbungsformular finden – und nichtmal ne Telefonnummer zum nachfragen? – erscheint mir etwas sehr weit hergeholt.

Kern der Kritik soll aber auch die “Entmachtung der ZVS” sein. Für mich sei es mal dahingestellt, ob persönlichere Auswahlverfahren, bei denen immer häufiger Motivationsschreiben vorausgesetzt werden, wirklich zu einer unfairen Auswahl führen. Wenn sich hier jedoch die Auswahl nach Abiturnote gewünscht wird, was hat die F.A.Z. dann gegen die angeblich so hohen Numerus Clausus Werte?

Und wie passt eigentlich die Forderung nach einem erleichterten fachlichen Zugang mit den überfüllten Hörsälen und überfordertem Lehrpersonal zusammen?

Ich fordere auch!

Und zwar kleinere Hörsäle, höhere NCs und noch persönlichere Auswahlverfahren.

Viele Studenten sehen ihren Studiengang nur als Sprungbrett in ein schickes Büro und den passenden Nadelstreifenanzug. Von mir aus, aber dafür kann man auch vernünftig arbeiten. Wobei diese Forderung wieder mit Chancengleichheit in der schulischen Bildung verknüpft wäre – und damit zu viel verlangt ist.

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