Windows 3.1. Schön, damit konnte ich ja noch ganz gut Leben. Allerdings war ich da auch erst sieben Jahre alt. Fünfzehn Jahre später artet die Sache aber doch langsam aus. Web 2.0, während sich regelmäßig Firmen damit brüsten, schon längst auf dem Weg zu 3.0 und darüber hinaus zu sein, 2.0, Business 2.0, Energie 2.0 und Nachwuchs 2.0.x. Und dann halt noch das jeweilige Zweinull des Tages…
Und wenn alles sich sooo stark verändert – und bei laufender Notation kann man das jetzt ja wunderbar verfolgen – darf eines aber auf gar keinen Fall fehlen: Eine ganz neue Business Culture mit dem dazu gehörigem Managementconcept. Da möchte man bei der Aufforderung Stirb Langsam 4.0 am liebsten sagen: “Ist gut, and thanks for all the fish”…
Der Arbeitnehmer 2.0
Wie ihn die F.A.Z. sich vorstellt: Tattoos, Piercings und Freizeitkleidung. Da ist ja nun grundsätzlich nichts gegen einzuwenden, ich bin immer für eine freie Gestaltung des Körpers. Aber muss ich jetzt, um im Talentkrieg 2.0 mitmischen zu dürfen anfangen, World of Warcraft zu spielen weil man in der Leitung einer Level-60 Gilde (wtf?) Führungsqualitäten erlernt? Die F.A.Z. sagt ja:
Er kann bis zu mehreren hundert Avataren anführen. Diese muss er rekrutieren, motivieren, evaluieren und eventuell entlassen. Er muss Einsatzpläne erarbeiten, Schulungsprogramme entwickeln, Strategien entwickeln, Meinungsverschiedenheiten schlichten u.s.w. Das alles ohne direkten Personenkontakt, Zeit- und geografische Grenzen und in einer global verständlichen Sprache.
Das klingt ja wirklich alles ganz toll. Ich dachte zwar, das lernt man in Universität und Ausbildung auch, aber wenn es sich auch nebenbei erledigen lässt – gekauft. Und wie erkläre ich meinen (hypothetischen, tut mir leid, wenn ich hier Irritationen ausgelöst habe) Kindern jetzt, dass sie verdammtnochmal ihre Vokabeln und Formeln lernen sollen und nicht den ganzen Tag nur zocken..? Und was mache ich mit meinem Unternehmen, wenn die Führungsriege mit großen Augen auf den Bericht des Wirtschaftsprüfers starrt und sich von hinten links ein kleinlautes “Rofl? Imba…”
meldet?
Das Unternehmen 2.0
Auch nur noch Opfer des Nachwuchses? Mit Anforderungen einer jungen Elite die sich mit Umwelt und Nachhaltigkeit auseinandersetzen kann man sich ja grundsätzlich sehr gut identifizieren. Aber muss ich als Young Professional (um direkt noch mal ein cooles Wort einzustreuen) wirklich schon nach zwei Jahren mein erstes Sabbatjahr (ups – das heisst jetzt Sabbatical) einfordern? Die Qualität von Teamarbeit soll hier gar nicht in Frage gestellt sein, aber sollte ein multinationaler Konzern wirklich Menschen einstellen, die die Hierarchie nicht akzeptieren – weil das heute halt so ist?
Die Erziehung 2.0
Irgendwie kann die Anschaffung von Computer und Joystick (meine Güte, benutzt man die Dinger denn überhaupt noch..?) wohl noch nicht alles gewesen sein. Immerhin werden Anreize zur Auseinandersetzung mit dem gar-nicht-mehr-neuen Medium Internet geschaffen.
Und wenn wir schon bei Social SkillZ waren: Ob das, was in diesem Moment mit einem guten Anteil des zockenden Nachwuchses passiert wirklich zu besseren Führungskräften führt sei mal dahingestellt. Die Beobachtungen von Desozialisierung und Jugendlichen, die nachts im TeamSpeak und tagsüber mit niemandem sprechen scheinen mir persönlich jedenfalls weniger weit hergeholt. Die bloße Bedeutung des Akronyms RL zu kennen ist vielleicht doch noch nicht die Antwort.
Natürlich sind Computer- und Internetkenntnisse essentiell. Das die Koordination vieler -Menschen- (ja genau, die sind da auch beteiligt) über das Internet auch erst geübt werden will – kein Zweifel. Funktioniert das in der Praxis? Na klar! Nur halt nicht besonders oft. Und das es nun ausgerechnet jene junge Elite sein soll, die sich im Studium die Zeit mit Online-Spielen vertrieben hat und nun ganz oben auf den Headhunt-Listen (ja, heute hau ich mal voll rein) steht passt für mich auch nicht so richtig ins Bild. Die nicht Top-off Elite wird sich wohl eher ein Unternehmen suchen, in welchem es berufliche Zukunftschancen hat. Freie Auswahl bietet der aktuelle Arbeitsmarkt dann leider doch noch nicht.
In diesem Sinne empfehle ich dem Senior Staff, sich mal den Film Idiocray zu Gemüte zu führen und den Eltern, die lieben Kleinen doch ab und an zur Schule zu schicken – is anstrengend, ich weiss.
Sven said:
Nya, spätestens wenn diese Leute im RL dann versagen, weil ihnen die soziale Kompetenz dann doch fehlt, die sie im Internet ausleben wird man wieder umschwenken.
) Aber so sind unsere Medien nun mal. Alles wird direkt zum Hype erhoben. Denn auf einen Aufzuspringen wäre ja tödlichl. Somit gründet man kurzerhand lieber selbst einen… dann war man auf jeden Fall der erste der’s bermerkt hat
Nicht jeder dicke Mann ohne Haare und einer Menge Achselschweiß ist in der Lage, das was er im Internet jeden Tag auslebt auch auf das RL zu projezieren.
Denn die Anonymität im Internet trägt vieles dazu bei, dass manch einer selbstbewusster auftritt. Auch aus dem einfachen Grund weil sich der Rückzug einfacher gestaltet, wenn mal irgendwas nicht so läuft wie man sich das vorstellt.
Und WoW mit dem Geschäftsleben zu vergleichen… nun ja. Man kann das Web 2.0 auch ein wenig über den Klee loben. Ist mit 2nd Life ja auch passiert
Solange diese Menschen aber in das Anforderungsprofil passen und dieses vor allem auch erfüllen sehe ich darin kein Problem.
Manche Menschen haben halt auch einfach Talent und bringen die SkillZ eben schon von Natur aus mit. Warum sollen die dann erst noch in Studiengängen irgendwas beweisen? Allerdings kann ich mich jetzt spontan an keinen Menschen erinnern, der aus dem “nichts” (also ohne eine Schulausbildung oder dergleichen) etwas aus sich gemacht hätte, was ihn zu Reichtum verholfen hätte.
Und somit hast du nicht Unrecht, mit der Behauptung, dass der Gang in die Schule so manch einem Internetnerd mit Sicherheit nicht Schaden würde. Denn wenn so mancher Depp in Zukunft seine Memos so schreibt wie seine Forenbeiträge. Ja, dann gute Nacht *g*
Isa said:
Wir denken an die selbe Person