Einkaufen nach 18 Uhr, super Sache. Nach 20 Uhr, geil. Samstag Nachmittag, ab und zu sogar am Sonntag, schön-schön. Richtig spannend wird es trotzdem erst an jenen Feiertagen, die auch Werktage sind. Völlig unvorbereitet trifft uns in jedem Jahr der Ostermontag, auch Weihnachten kommt plötzlich. Und wenn Neujahr mal wieder auf den 1. Januar fällt und der wiederum auf einen Werktag – Hilfe. Hochkomplex. Am liebsten wäre es uns doch sowieso, wenn wir einfach immer einkaufen gehen könnten, dann müsste auch niemand großartig drüber nachsinnieren.

Zwei Flaschen Ginger Ale und eine Rispe Kirschtomaten an Heiligabend brachten mich dazu, es doch mal zu tun.

In Celle haben wir es ja sogar ganz besonders schön: Da die Stadt ein staatlich anerkanntes Ausflugsziel ist, dürfen im Stadtkern gelegene Geschäfte nahezu an jedem Sonntag des Jahres ihre Kunden beglücken – tun sie aber nicht, warum auch? Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr, die für viele Celler die einzig bekannte Einkaufsmöglichkeit zu sein scheinen, reichen den meisten Ladenbesitzern vollkommen.

Nur Heiligabend, da muss es natürlich trotzdem sein. Die frisch gebackene Torte, das Fonduefleisch direkt vom Schlachter, oder soll es ein ganzer Truthahn sein? Das kann man doch nicht am Abend vorher um 19:45 aus dem Supermarkt holen, das muss am Morgen des Heiligen Abend selbst sein. Und da reicht auch ein Zeitfenster von einer Stunde nicht aus, da muss schon die komplette Supermarktcrew antreten, um von sieben bis 14 Uhr guten wir-lieben-Lebensmittel-Service zu bieten. Das an den zwei Werktagen vor Heiligabend je zwölf Stunden Zeit sind, einkaufen zu gehen, spielt auch eigentlich keine Rolle.

Festmahl

Wie frisch muss das Festmahl wirklich sein?

So stand auch ich am Morgen in der Kassenschlange, zwei Flaschen Ginger Ale und Kirschtomaten im Arm – vollkommen überflüssigermaßen natürlich. Und ärgerte mich. Der Laden war komplett leer – bis auf einige verirrte wie mich und etwa zehn Mitarbeiter. Die mit Sicherheit etwas besseres zu tun hatten, als Weihnachten ohne ihre Familie aber mit ihren Kollegen in einem Supermarkt zu verbringen, nur damit ein paar verzogene Konsumkinder auf den wirklich allerletzten Drücker noch Einkäufe erledigen konnten. Heiligabend ist im protestantischen Celle ja auch eher einer der unwichtigeren Feiertage, oder wie war das?

Natürlich ist es ne feine Sache, seine Pforten für Kunden zu öffnen. Die Ladenbesitzer können es ja auch machen. Aber nicht alles was man machen kann, muss man auch tun.

Das gilt aber Gott sei Dank auch für die Kunden.