Zugegeben, die Überschrift ist denkbar unkreativ. Bietet sich aber auch irgendwie an, oder nicht? Nach dem mit BSE, Schweinepest, Vogelgrippe und Gammelfleisch die Fleischfresser unter uns hinreichend abgegrast wurden sind jetzt auch die Vegetarier fällig, Käseskandal.
Ursprungsland: Italien…
Das beruhigt mich jetzt schon irgendwie, kann ich doch mein Weltbild unerschüttert beibehalten. Aber was ist hier eigentlich passiert?
In Käsereien entsteht Abfall. Abfall, der natürlich entsorgt werden muss. So hatte sich den italienischen Käsereien eine Firma angeboten, dies gegen Bezahlung zu erledigen. Sie haben die Abfälle abgenommen und… natürlich, sie haben sie weiterverarbeitet. Soweit, so ekelhaft, so aufgeflogen. Die Verantwortlichen stehen mittlerweile in Italien vor Gericht. Nach dem der Fall durch die italienischen Medien lief, wurden nun auch die deutschen – wer jetzt? Achso, die deutschen Medien - darauf aufmerksam. Also verbindlichsten Dank auch liebe Italiener, dass ihr es nicht geschafft habt, uns mal Bescheid zu sagen. Auch Vertreter der deutschen Polizei äußerten sich da eher verwundert, da auch sie durch die Medienberichte von dem Betrug der Entsorger erfahren hatten. Eine Käserei im allgäuischen Woringen soll angeblich ebenfalls Käseabfälle verarbeitet und weiterverkauft haben.

…oder war es doch Phantasialand?
Auch der deutsche Bürger wurde durch die Medien hinreichend mit Details versorgt. Gammliger Käse, Eisenabfälle, Plastikstücke, Mäusekot, Würmer. Das ganze appetitlich illustriert mit Photos von abgelaufenem, schimmlig gewordenem Käse… im Supermarkt, aber gut, Hauptsache ein hübsches Photo gebracht um den Zuschauer hinreichend auf den nun folgenden Beitrag über die Durchsuchung in Woringen vorzubereiten.
Es zeigt sich ein erschütterter Bürgermeister, der von den mysteriösen Vorgängen berichtet. Nie habe man etwas von den Pächtern gehört, die Mitarbeiter hätten auch niemals mit irgendwem darüber gesprochen. Schnitt. Ein Polizist vor der Fabrik. “…haben unsere Ermittler bisher einen recht positiven Eindruck innerhalb dieser Gebäude bekommen. Von Verunreinigungen ist uns bislang nichts bekannt, aber wir haben auch aus der Presse von diesem Fall erfahren.” Sinngemäß.
Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit?
Anders kann ich mir den anhaltenden Skandaltrieb gewisser Medien jedenfalls nicht erklären. Selbstbewusstsein ist hier als Schlüsselqualifikation wohl sehr gefragt, besäße man keines käme man auch kaum auf die Idee, Informationen aus der römischen Presse komplett unhinterfragt und dann auch noch falsch zu übernehmen. Vielleicht ist Italienisch auch einfach eine verdammt schwere Sprache? Ich kanns leider nicht beurteilen.
Übrigens liegt der italienische Fall mittlerweile zwei Jahre zurück, bereits damals wurden Produktion und Vertrieb gestoppt. Seit zwölf Monaten sind die betreffenden Betriebe durch die italienischen Behörden gesperrt. Derzeit läuft in Italien das Gerichtsverfahren an, worüber die dortige Presse berichtet hatte.

Sven said:
Keine Ahnung wieso… aber nu hab ich Hunger. Klingt eklig, is aber so.
Zum Rest, ehe ich in der Küche verschwinde: was wäre ein Nahrungsmittelskandal in einem EU-Staat, wenn wir nicht daran teilhaben dürften? Hatten wir irgendwas noch nicht, was unsere “Nachbarn” nicht auch schon hatten (selbst wenn die es nicht hatten)?
Gibt ja auch nix interessanteres zu berichten. Immerhin sind wir nur EM-Zweiter geworden :> Und so ein Skandal, direkt am Verbraucher, lässt sich doch besser vermarkten wie anderes “Infotainment”.
Spamhead2k said:
Naja, was will man erwarten…Die Medien sind momentan halt nur auf Skandale geeicht. Wenn man sich mal ein wenig umguckt, dann sind die wirklich wichtigen politischen Entscheidungen u.ä. meist in nem kleinen block versteckt, mit Glück auf Seite 1, während eine gaaaaaanz interessante Geschichte das Titelblatt und die großen schlagzeilen bekommt. Leider bezieht sich dass nicht auf die üblichen Verdächtigen Boulevardblätter, sondern auch auf die “seriöse” Presse.
Aber naja, gebt dem Volk Brot und Spiele, hat immer funktioniert, wird immer funktionieren